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Archiv der Kategorie Sicherheitspolitik

Zum Tod von Gaddafi: „Ein tragisches Ende, über das man sich nicht freuen sollte: nun muss man sich für den Aufbau von Frieden und Einklang einsetzen“

Tripolis (Fidesdienst) – „Angesichts des gewaltsamen Todes eines Menschen sollten stets die Gefühle des christlichen und menschlichen Erbarmens im Vordergrund stehen. Man sollte sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat.“, so der Apostolische Nuntius in Libyen und Malta, Erzbischof Tommaso Caputo, in einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt.

           
„In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“, so der Apostolische Nuntius.

In einer Verlautbarung des Heiligen Stuhls heißt es zum Tod von Gaddafi, „nun ist zu wünschen, dass der libyschen Bevölkerung weitere Gewalt erspart bleibt, die von einem Geist der Rache herrührt und die neuen Regiernden bald möglichst die notwendige Arbeit bei der Befriedung und beim Wiederaufbau beginnen können … auf der Grundlage des Rechts und der Gerechtigkeit. Die internationale Gemeinschaft sollte sich großzügig an der Wiederaufbauarbeit im Land beteiligen“

„Die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen“, heißt es in der Verlautbarung weiter, „wird weiterhin Zeugnis ablegen und einen uneigennützigen Beitrag für die libysche Bevölkerung leisten, mit den Mitteln, die ihr im Bereich der internationalen Beziehungen im Geist der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden zur Verfügung stehen“.

Im Hinblick auf die Praxis des Heiligen Stuhls bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen heißt es in der Verlautbarung, dass der Nationale Übergangsrat, „ihr Amt als Regierung in Tripolis angetreten hat und der Heilige Stuhl diesen als legitime Vertretung des libyschen Volkes betrachtet, wie es dem internationalen Recht entspricht“. Mit Bezug auf die verschiedenen Treffen zwischen Vertretern des Heiligen Stuhls und des Übergangsrates heißt es abschließend: „Bei diesen verschiedenen Treffen betonten beide Seiten die Wichtigkeit der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Libyen. Der Heilige Stuhl versicherte die libysche Bevölkerung der eigenen Unterstützung während der Zeit des Übergangs und wünschte den neuen Behörden Erfolg im Bemühen um den Wiederaufbau des Landes. Die Verantwortlichen des neuen Libyen haben ihrerseit die eigene Wertschätzung im Hinblick auf die Appelle des Papstes und das Engagement der Kirche in Libyen zum Ausdruck gebracht, insbesodere durch den Dienst in den Krankenhäusern und Hilfseinrichtung der 13 verschiedenen Schwesterngemeinschaften.“ (LM)

Fidesdienst -111021

Arabellion: „Keine Freude über Tod Gaddafis“



Der Vatikan hofft, dass dem libyschen Volk nach dem Tod von Diktator Muammar al-Gaddafi neue Gewalt, weitere Leiden und Rache erspart bleiben. In einer offiziellen Erklärung vom Donnerstagabend heißt es, man erwarte, dass die neue Regierung möglichst bald zum Frieden und zu einem Neuaufbau des Landes beitrage, und das auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit. Der Vatikan betrachtet den Übergangsrat als legitime Vertretung Libyens; er spricht allerdings keine formelle Anerkennung aus, weil er in der Regel „Staaten anerkennt und nicht Regierungen“. Das Statement spricht von der Hoffnung des Vatikans, dass die internationale Gemeinschaft großzügig beim Aufbau des Landes helfe.

„Wenn ein Mensch stirbt, sollten immer Gefühle christlichen und menschlichen Erbarmens die Oberhand haben.“ Das sagt uns in einer ersten Stellungnahme der Botschafter des Papstes für Libyen, Erzbischof Tommaso Caputo, der auf Malta residiert und zu Monatsbeginn in Tripolis war, wo er unter anderem mit dem Übergangsrat gesprochen hat.

Vatikan: Übergangsrat ist legitime Vertretung der Libyer

„Man kann sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat. In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.“

Mit Gaddafis Tod endet, wie das Statement des Vatikans urteilt, eine „lange und tragische Phase des blutigen Kampfes zur Niederschlagung eines harten und unterdrückerischen Regimes“. Das dramatische Ereignis lasse erneut über den Preis des enormen menschlichen Leidens unter einem Regime nachdenken, das nicht dem Respekt vor der Menschenwürde, sondern nur der Macht Rechnung trage. Der Vatikan versichert, dass die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen weiterhin uneigennützig ihren Beitrag für die Bevölkerung leisten werde, vor allem im karitativen Bereich und im Gesundheitswesen. Nuntius Caputo:

„In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“

„Osservatore Romano“: Chaos in Libyen vermeiden

Der Präsident des Päpstlichen Friedensrates, Kardinal Peter Turkson, gibt zu erkennen, dass er den Gang Gaddafis ins Exil bevorzugt hätte. „Die Kirche will immer die Bekehrung der Person“, so der Kardinal. „Er hätte doch ins Exil gehen und dort nachdenken und für alles Getane um Entschuldigung bitten können.“ Es tue ihm Leid, dass Gaddafi stattdessen „bis zum Ende kämpfen wollte“ und „so endete“. Mit Blick auf die Länder des „Arabischen Frühlings“ meint Turkson, mit der Befreiung „gewissen Führungsgestalten“ sei es nicht getan. Jetzt gehe es „um Freiheit für alle“, auch für die christlichen Minderheiten.

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ruft zum Gebet für Libyen auf. Zu Journalisten sagte er in Rom, er hoffe auf „Versöhnung und Demokratie im Land“. Alle Kräfte Libyens sollten „beim Wiederaufbau beteiligt werden“, so der engste Mitarbeiter des Papstes.

Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ hofft jetzt auf eine schnelle Lösung der politischen Differenzen im Nationalen Übergangsrat. Das schreibt sie in einem Artikel auf ihrer Titelseite. Der Fall von Sirte könne ein Ende des Krieges bedeuten. Doch der Präsident des Übergangsrates, Mahmud Jibril, habe die Befürchtung geäußert, die Situation im Land könnte sich hin zu einem politischen Kampf entwickeln, dessen Regeln nicht klar definiert seien und der das Land „rasch in ein Chaos stürzen“ könnte, so die Vatikanzeitung.

Bischof in Bengasi: „Christen nicht in Gefahr“

Sylvester Carmel Magro ist Päpstlicher Vikar für Bengasi. Der Bischof sagte uns an diesem Freitagmorgen:

              

„Wir hätten nicht gedacht, dass das Ende so nahe sein würde. Auf einmal hörten wir Schüsse in der ganzen Stadt, und da haben wir erraten, dass etwas Derartiges geschehen war. An diesem Freitag ist es in Bengasi sehr ruhig, weil Feiertag ist und weil viele Menschen am Donnerstag Abend noch sehr spät gefeiert haben. Wir Christen fühlen mit den Muslimen im Land, dass es hier einen großen Bedarf an Versöhnung gibt und an einer Rückkehr zu einem Nationalgefühl. Wir beten für die neuen Verantwortlichen des Landes. Ob Gaddafis Tod die endgültige Wende für Libyen bedeutet? Das zu sagen, ist jetzt noch zu früh.“

Immerhin ist Magro zuversichtlich, was das Schicksal der Christen in Libyen betrifft. Sie sind in der Regel Ausländer, die in Libyen arbeiten, und riskieren aus der Sicht des Bischofs keinen Rauswurf aus dem neuen Libyen. „Ich glaube nicht; sie brauchen Arbeitskräfte aus dem Ausland. Hoffen wir, dass wir auch künftig – wie bisher – die Freiheit haben, unseren Glauben zu leben.“

rv/div 21.10.2011 sk

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P.S.

 Es ist verwunderlich, wie bruchlos sich “der Vatikan” der allgemeinen Position “des Westens” anpasst. Wer die Texte unvoreingenommen liest, sieht die von uns schon früher vorgenommene Interpretation bestätigt. Ist das die Kirche des II. Vat. Konzils, die die Freude und Hoffnung der Menschen (”Gaudium et spes”) teilt und sich darum als Dienerin an Gerechtigkeit und Frieden versteht und in das Leben der Menschheit einbringt? Sind die Aufforderungen Papst Benedikt XVI. an die libyschen Streitparteien (und die NATO) vergessen, wieder zum Dialog zurückzufinden und den bewaffneten Kampf umgehend einzustellen ? Gaddafi signalisierte Bereitschaft dazu - die Gegenseite lehnte wiederholt ab. “Regime Change” setzte unconditional surrender voraus, was aus innerer Logik die jetzige Ermordung des Symbols des “anderen” Libyens zur Folge hatte. Denn Gaddafi blieb sich treu. R.i.P.

 Wie soll das Land unter solchen Voraussetzungen inneren Frieden finden?

H.O.

                 

Der makabere Frieden von München

Offensichtlich nur noch der älteren Generation ist die Verbindung von „Frieden“ und „München“ in verdächtiger Erinnerung. Damals – im Herbst 1938 - wurde de facto die Versailler Nachkriegsordnung aufgekündigt, die Tschechoslowakei zugunsten Deutschlands, Ungarns und Polens (sowie der Slowaken) zerlegt. Die ganze Welt behauptete, damit den Frieden gerettet zu haben. Von den seitens der Westmächte Verratenen war keine Rede.

Daran denkt heute keiner mehr. In der bayerischen Hauptstadt fand vielmehr unter dem Markennamen Sant´Egidio jetzt eine Friedensversammlung des uneingeschränkten Dialogs statt. Seit 25 Jahren folge man im Geist von Assisi dem Frieden und wolle einer „Kultur der Gewalt“ den Abschied geben. In Einfachheit wolle man die Begrenztheiten überwinden und die Religionen als Akteure des Friedens wirksam werden lassen. Ein Friedensappell soll jetzt eine neue Ära eröffnen.

Von dem mörderischen Bürgerkrieg in Libyen, maßgeblich durch die italienischen Förderer der Gemeinschaft Sant´Egidio (im Berlusconi-Lager) geplant und in´s Werk gesetzt, kein einziges Wort! Oder doch: ein Mitglied und Vertreter des sog. „Nationalen Übergangsrates“ war geladener Konferenzteilnehmer und nutzte die Gelegenheit, seine Organisation als Garantin von Menschenrechten, Demokratie und Versöhnung zu präsentieren. (Sogar die ansonsten nicht durch besondere Kirchennähe auffallende „taz“ bot diesem „Delegierten“ ein Podium.) Wer hatte denn schon zur Kenntnis genommen, dass Sant´Egidio sich schon Mitte April, nach dem Kriegseintritt der NATO,  politisch und moralisch auf die Seite des sog. „NTC“ geschlagen hatte? Ein verratener Friede! (Die libysche Regierung hatte gerade ein Angebot auf Waffenstillstand und umfassende Verhandlungen unterbreitet.)

Und ein weiterer geistlicher Sohn des hl. Franziscus hat sich vom Weg des Friedens und der Gerechtigkeit abgewandt, wahrscheinlich „auf Weisung“: der tripolitanische Bischof Giovanni Lorenzo Martinelli OFM. Er wurde offensichtlich kurz vor der Besetzung von Tripolis durch die Rebellen „aus gesundheitlichen Gründen“ nach Italien abberufen. Bis dato war er ein einsamer Rufer nach Frieden, Waffenstillstand und nationaler Versöhnung gewesen. Auch bemühte er sich um eine faire Bewertung des libyschen „Rais“ und seiner Verdienste um sein Volk. Darum haben wir in diesem Blog nach Kräften versucht, seine Stimme hörbar zu machen. Jetzt hat ihn der Vatikan, bevor er in sein Wirkungsgebiet zurückkehren durfte, wohl auf Linie gebracht.

Es stellen sich viele Fragen, nicht zuletzt nach den aktuellen Beziehungen zwischen Vatikan, Italien und der NATO, die das faktischen Schweigen der Kirche zum Libyenkrieg erklären könnten. Aber das interessiert in unserem Land und seiner Kirche offenbar kaum jemanden. Denn der deutsche Papst kommt nach Deutschland. Basta! Über den (katholischen) Kirchen des Nahen Ostens aber ziehen dunkle Wolken auf.

H.O.

Vor seiner Rückkehr nach Libyen trifft sich Bischof Martinelli mit Vertretern ziviler und kirchlicher Institutionen

Rom (Fidesdienst) – „Gestern durfte ich dem Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten im Vatikan, Erzbischof Dominique Mamberti, und dem Apostolischen Nuntius in Libyen, Erzbischof Tommaso Caputo begegnen“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, zum Fidesdienst. Der Bischof wird bald nach Libyen zurückkehren. „Gestern“, so Bischof Martinelli weiter, „wurde ich vom Innenministerium zu einem Treffen mit dem italienischen Innenminister Maroni und seinen Mitarbeitern eingeladen. Dabei ging es vor allem um das Problem der Immigration. Man wollte meine Position zum Thema Zuwanderung in Italien und in der Europäischen Union und zur Rolle der katholischen Kirche diesbezüglich hören. Meine Gesprächspartner zeigten großes Interesse und große Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Ereignisse in Libyen“. Im Laufe des heutigen Vormittags wird Bischof Martinelli vom Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Erzbischof Fernando Filoni, zu einem Gespräch empfangen. (LM)

Fidesdienst, 14/09/2011

Mgr Martinelli supports rebels’ good intentions in building the new Libya

Currently in Italy for health reason, the bishop of Tripoli will return to Libya on Thursday where he hopes to meet the rebel leader. Mustafa Jalil says the country’s new order will be inspired by Sharia but will be against Islamic extremism. Amnesty International accuses the rebels of serious human rights violations.

Tripoli (AsiaNews) – “We must back the rebels’ good intentions rather than take their words to extremes,” said Mgr Giovanni Innocenzo Martinelli. He spoke to AsiaNews about the recent speech made today in Tripoli, by Mustafa Abdel Jalil, president of Libya’s National Transitional Council (NTC).

Speaking before a crowd of thousands of people, the NTC leader said the new state would be inspired by Sharia but would not move towards extremism.

Despite concerns by some experts about Islamist risks in the country, Mgr Martinelli believes that Jalil “is a man of good will, willing to move the country towards a new future.”

In Italy for health reason, the prelate plans to go back to Tripoli on Thursday. “I hope to meet rebel leaders very soon to see what the new Libya will look like,” he said.

In the meantime, the country is still far from being stable. In Sirte, Bani Walid and the south, fighting is still going on with many civilians caught in the crossfire between pro- and anti-Gaddafi forces.

Today Libya’s former strongman released a new TV message in which he said he would fight until victory.

Tiziana Gamannossi, an Italian businesswoman in Tripoli, said that life was getting back to normal in the capital, but that residents in villages and towns still under siege are not getting any aid. Some reports are saying that civilians are being killed.

“In Tripoli, stores reopened. Water, diesel fuel and bottled gas are available again. People are confident,” she said.

However, the health situation is still bad despite the work of the Red Cross and Doctors without Borders (MSF).

Revenge actions between tribes and families are still out of control and are causing many victims.

Today Amnesty International released a report accusing the rebels of serious human rights violations against Gaddafi loyalists.

The report also refers to the lynching of black Africans suspected of being mercenaries hired by Col Gaddafi, as well as revenge killings and the torture of some captured pro-Gaddafi soldiers.

The NTC has criticised the Amnesty report, saying that rebels “are not the military, they are only ordinary people,” who made mistakes, but that these could not be described as “war crimes”.

According to Gamannossi, an international force should be deployed to stop the spiral of violence that is devastating many families. However, the rebels have rejected that idea so far. (S.C.)

AsiaNews-09/13/2011 14:13

Libyen: Wir respektieren alle Religionen

In Libyen soll ein moderner Zivilstaat mit demokratischen Grundsätzen entstehen. Das sagte der Vorsitzende des politischen Beirats und Mitglied des Nationalen Libyschen Übergangsrates, Fatih Mohammed Baja, dem Münchner Kirchenradio. Baja war einer der Teilnehmer des Friedenstreffens von Sant Egidio in München.

         


„Libyen wird nach unserer politischen Vision geformt werden, hin zur Bildung eines modernen Zivilstaates, in dem es demokratische Freiheit gibt und in dem die Menschenrechte respektiert werden. Wir wollen ein pluralistisches, politisches System aufbauen, wir wollen, dass der private Sektor, der öffentliche Sektor und die Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Was die Politik betrifft, wollen wir uns natürlich eine Verfassung geben; in acht Monaten wird sie fertig sein. Die Verfassung wird dann dem libyschen Volk in einem Referendum vorgelegt, damit sie auf einem festen Fundament steht. Natürlich werden wir Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektieren.“


Die Gewalt, die in Libyen immer noch anhält, verurteilte Baja. Man wolle das Blutvergießen stoppen, werde von Anhängern des gestürzten Machthabers Muammar Gaddafi aber zum Weitermachen gezwungen. Bis jetzt seien über 50.000 Libyer getötet worden oder verschwunden. Ohne gewaltsamen Kampf würde der Diktator zurückkehren, so Baja am Rand des Friedenstreffens der Religionen in München.


„Wir sind hierhergekommen, um dem Christentum, dem Judentum und dem Islam zu zeigen, dass wir alle Religionen respektieren. Wir sind gegen Radikalismus und Terrorismus, dagegen, Menschen zu isolieren, weil sie einen bestimmten Glauben haben. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir alle Glaubensrichtungen anerkennen.“


rv 13.09.2011 sk

Tripoli, hunt continues for Gaddafi while UN calls for peace and stability

A convoy of six vehicles crossed the border between Libya and Algeria, perhaps carrying Rais and children. Humanitarian emergency in the capital, water, food and electricity are becoming scarce. In a hospital 200 corpses found rotting. Ban Ki-moon appeals to the international community.

Tripoli (AsiaNews / Agencies) - In Libya, Muammar the hunt for Gaddafi continues, even if the Rais may have left the country seeking refuge in neighbouring Algeria. Meanwhile, the UN Secretary General Ban Ki-moon has urged the international community to “cooperate” to restore law and order, as increasing evidence emerges of abuse and violations of human rights in Tripoli and around the country. In the capital, now under the control of the National Transitional Council (NTC) - isolated clashes are reported near the airport, while more than 200 bodies were found decomposing in a hospital in the district of Abu Salim.

      

The Egyptian state agency MENA, quoting sources close to the rebels, reports that a convoy of six armored Mercedes has crossed the border between Libya and Algeria. On board were senior Libyan officials and perhaps - but there is no confirmation at the time - even the same Colonel Gaddafi and his sons. The rebels have instead gained control of the border with Tunisia, opening a channel for the passage of essential goods and supplies.

Meanwhile the humanitarian emergency in Tripoli is becoming increasingly serious, a city now “desperate”: there is no drinking water, electricity and the health system is unable to cope with the tragedy of those killed and injured. The structures are lacking food and medicine, even fuel is becoming scarce.

Yesterday more than 200 rotting corpses were found at a hospital in the district of Abu Salim, abandoned by doctors and nurses who fled when fighting began in the area. The United Nations has launched an investigation into allegations of summary killings, torture, war crimes and crimes against humanity. The UN Secretary-General is appealing to the countries of the world to work for peace and an end to the conflict. The crisis, warns Ban Ki-moon, has entered a “new and decisive phase” and a “smooth” transition of power from the Gaddafi regime to rebel leaders must be pursuit

AsiaNews-08/27/2011 13:09

Bischof Martinelli: „Die Lage in Tripolis hat sich etwas beruhigt doch man sollte trotzdem vorsichtig sein, wenn man aus dem Haus geht“

Rom (Fidesdienst) – „Die Lage scheint sich beruhigt zu haben. Die Situation bessert sich, doch man sollte noch sehr vorsichtig sein, wenn man aus dem Haus geht“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli zum Fidesdienst.

          

 Der Bischof hält sich derzeit zu ärztlichen Untersuchungen in Italien auf, befindet sich jedoch in ständigem Kontakt mit dem Vikariat in Tripolis. „Ich bin mir sicher, dass wir mit der Zeit zur Normalität zurückkehren werden“, so Bischof Martinelli, der jedoch auch auf die Schwierigkeiten hinweist, mit denen man sich konfrontiert sehen wird. Dazu gehören nach Ansicht des Leiters der Nothilfeprogramme von „Human Rights Watch“, Peter Bouckaert, auch die enormen Waffenvorräte in den Militärarsenalen des Gaddafi-Regimes. „Dies ist ein ernstes Problem, denn die Waffen werden in Sicherheit gebracht und entschärft werden müssen, denn wenn sie in die Hände der falschen Personen geraten, könnte dies schlimme Folgen haben und wir würden eine unkontrollierbare Spirale der Gewalt riskieren“, so Bischof Martinelli abschließend. (LM)

Fidesdienst, 27/08/2011

Rebels go after Gaddafi in Sirte as loyalists bomb Tripoli airport

French intelligence sources believe he is hiding in a bunker in his birthplace. In a video message, he calls on people to “purify” Tripoli. Oil companies are lining up to help the rebels and help themselves to the best contracts.

  

         Ermordete Regierungssoldaten

Tripoli (AsiaNews/ Agencies) – Rebels have begun their push towards Sirte, Gaddafi’s hometown. French intelligence sources said that Libya’s strongman is hiding inside a bunker in a residence in his birthplace, which was recently bombed by NATO.

Despite the manhunt coordinated by British and French Special Forces, Gaddafi has been able to release a video message in which he has called on the Libyan people to “purify Tripoli” from foreign troops.

Troops loyal to him have bombed the capital’s international airport, damaging some planes. In the city itself, which is almost entirely now under the control of the National Transitional Council (NTC), fighting continues.

The NTC has already indicated that it plans to relocate to the capital. Many of its top members are still in the rebel stronghold of Benghazi for security reasons, also waiting for funds to be released in order to set up the new, post-Gaddafi administration.

From Istanbul, Mahmoud Jibril, chairman of the NTC executive board, said that the rebellion can still fail if funds are not released in time. Responding to the rebel plea, the United Nations Security Council said it would look favourably to the release of US$ 1.5 billion in Libyan government assets, frozen at the start of the war.

 

         Einmarsch der Rebellen in Sirte 

Meanwhile, oil companies are lining up to provide economic aid and sign contracts  with Libya’s new rulers. They include Italy’s ENI, a partner with the former regime which has offered fuel to the rebels; France’s Total, the first foreign company to sign a deal with the NCT, and Spain’s Repsol. Britain’s BP is also active, trying to secure more exploration rights. Austria’s OMV and Marathon have joined the rush as well.

AsiaNews- 08/26/2011 16:46

Bischof Martinelli: „Ich möchte bald möglichst nach Tripolis zurückkehren und meinen Gläubigen und Priestern nahe sein“

Rom (Fidesdienst) – „Die Tatsache, dass; wie mir mitgeteilt wurde, die ersten Libyer wieder in ihre Heimat zurückkehren, ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass sich in einigen Teilen des Landes die Sicherheitslage gebessert hat. Dies macht mir Mut und bald möglichst werde auch ich zurückkehren“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, der sich derzeit in Italien aufhält, zum Fidesdienst.

     

„Ich freue mich auf die Rückkehr nach Tripolis, denn ich möchte den Gläubigen und den Priestern nahe sein. Leider hat man mir bisher davon abgeraten, auch weil die gewöhnlichen Überfahrtsmöglichkeiten derzeit nicht nutzbar sind. Die Tatsache, dass die ersten Libyer in die Heimat zurückkehren lässt mich hoffen, dass auch für mich eine solche Rückkehr bald möglich sein wird“, so Bischof Martinelli.

 Zur Zukunft Libyens sagt der Apostolische Vikar von Tripolis: „So lange wir nicht wissen, wo sich Gaddafi aufhält ist es schwierig, Vorhersagen zu machen. Die Lage bleibt weiterhin gefährlich, weil es immer noch Gaddafi Anhänger gibt, die bereit sind für ihn zu sterben“. „In Libyen gibt es großartige, intelligente und gebildete Menschen, die in der Lage sind das Land zu führen“, so Bischof Martinelli abschließend, „Es gibt eine Elite, die die Geschicke des Landes in die Hand nehmen und die Zukunft des Landes mit Blick auf den Erhalt der Einheit planen kann“. (LM)  

Fidesdienst, 26/08/2011

Was wird künftig aus den Investitionen Gaddafis in Afrika?

Rom (Fidesdienst) – Libyen gehörte mit seinen Währungsreserven (100 Milliarden Dollar im Jahr 2009) unter Gaddafi zu den größten Investoren in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Wie aus einem von der Zeitschrift „Les Afriques“ veröffentlichten Artikel hervorgeht, galten die libyschen Investitionen insbesondere dem Tourismus- und dem Agrarsektor. Dies führte in den vergangenen Jahren zu einem beachtlichen Wachstum in Ländern wie Mali, Nigeria und Liberia.

                       

In Mali kontrolliert Libyen zum Beispiel eine Gesellschaft, die über 100.000 Hektar Land verfügt. In Liberia hat „Libya Africa Portaolio (LAP)“ über eine lokale Nichrregierungsorganisation rund 30 Millionen Euro in die Entwicklung des Reisanbaus invertiert.

Die LAP verwaltet als Holding-Gesellschaft einen Großteil libyschen Investitionen in Afrika im Umfang von rund 5 Milliarden Dollar. Sie verfügt dabei über ein Kapital im Umfang von 8 Milliarden Dollar und umfasst die Libya Africa Financial Company (Lafico), die panafrikansiche Gesellschaft Afridiya, die Sahel-Bank für Industrie und Handel (BISC) und die Ölgesellschaft Oil Libya.

Neben den Investitionen im Hotel- und Landwirtschaftssektor wurden libysche Investitionen auch afrikanischen Telekommunikationsunternehmen getätigt, insbesondere im Tschad uns in Sambia. Die Zukunft Libyens betrifft also auch wichtige Sektoren der afrikanischen Volkswirtschaft und im allgemeinen Prozesse, die eine ausschließliche wirtschaftliche und finanzielle Kontrolle der westlichen (oder auch asiatischen) Länder bisher verhindert haben. (LM)

Fidesdienst, 25/08/2011