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Archiv der Kategorie Kirche

Und es geschieht in diesen Tagen……

  

…irgendwo in Syrien

Weihnachten ist dort angekommen, woher es stammt: in den Heiligen Ländern. So drückt es Patriarch Gregor Laham aus, wenn er vom Nahen Osten spricht. Gregor ist ein gebildeter, weltläufiger und weiser Mann, der den Platz seiner Gemeinden aus religiösen Gründen zwischen Damaskus und Kairo sieht. Seine Position im gegenwärtigen Konflikt um Syrien ist eindeutig.

 

Salz, Licht und Sauerteig

Ranghöchster Katholik im Nahen Osten wünscht sich Palästinenserstaat

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT spricht das Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche im Nahen Osten, Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien, über die Situation der Christen in der Region seit Beginn des „Arabischen Frühlings“.

Weitere Themen des Interviews, das in unserer Radioreihe „Weltkirche aktuell“ ausgestrahlt wurde, sind der Konflikt im Heiligen Land und die besonderen Beziehungen seiner Kirche zum Islam. Dabei plädiert der Patriarch unter anderem für einen eigenständigen Palästinenserstaat. Das Interview führte Volker Niggewöhner.

 

Eure Seligkeit, was ist die besondere Sendung der arabischsprachigen Christen im Nahen Osten?
Jesus ist in Palästina geboren, aber das Christentum wurde in den arabischen Ländern geboren – in Syrien, Libanon und Jordanien. All das sind heilige Länder für das Christentum. Darum ist es unsere Sendung, in diesen Ländern zu bleiben, um die Frohe Botschaft des Evangeliums Jesu Christi zu leben.

Sie leben eng mit den Muslimen zusammen und haben in einem Interview einmal gesagt, Sie seien „Die Kirche des Islam“. Wie war das gemeint?
Diese Aussage hat ein paar Leute schockiert. Ich hatte gesagt, dass wir die „Kirche der Araber“ sind. Aber weil die Araber überwiegend Moslems sind und wir in vorwiegend islamisch geprägten Ländern leben, habe ich hinzugefügt, dass wir die „Kirche des Islam“ sind, das bedeutet eine Kirche mit dem Islam, für den arabischen Raum.

Ich wollte damit die Zusammengehörigkeit von Christentum und Islam im Nahen Osten herausstreichen. Wir haben die Verantwortung, christliche Werte zu leben und den Muslimen unsere christliche Liebe zu zeigen. Papst Johannes Paul II. hat betont, dass es die Essenz von Kirche sei, für andere da zu sein. Darum sind wir die „Kirche des Islam“, denn wir sind auch für die Muslime da.

Die Christen leben schon seit Jahrhunderten im Nahen Osten, doch ihre Lage hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschlechtert. Warum?
Ich glaube, die Gründe dafür sind nicht religiöser Natur und daher auch nicht in dem Verhältnis zwischen Islam und Christentum zu suchen. Es hat vor allem politische und wirtschaftliche Gründe, dass inzwischen so viele Christen nach Europa und Amerika ausgewandert sind.

Es sind die sich ständig wiederholenden Krisen in unserer Region, vor allem der seit Jahrzehnten ungelöste Konflikt zwischen Israel und Palästina, der einen großen Schatten über die Christen des Nahen Ostens geworfen hat. Sobald wir den Konflikt zwischen Israel und den Arabern beilegen, wird die Region Ruhe finden und die Christen werden nicht länger auswandern.

Ist der Konflikt in Palästina auch der Auslöser für das Erstarken eines fundamentalistischen, politischen Islam, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet haben?
Der Islam war schon immer eine missionarische Religion. Aber wir Christen sind auch missionarisch! Wir sollten also von den Muslimen lernen, anstatt vor ihnen Angst zu haben. Wir sollten stärker in unserem Glauben verankert sein und ihn strahlend vortragen und leben.

„Wir leben seit Jahrzehnten in einem Krisengebiet”

Wie ist Ihre Haltung zu einem eigenständigen Palästinenserstaat?
Wir wünschen uns einen solchen Staat. Die Beschlüsse der Vereinten Nationen haben immer klar gesagt, dass es zwei Staaten geben muss: einen israelischen und einen palästinensischen. Die Europäer haben im September die Chance verpasst, Palästina anzuerkennen. Glauben Sie mir: Wenn Sie sich wünschen, dass es weiterhin Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten geben soll, müssen Sie mutig für die Anerkennung eines Staates Palästina eintreten.

 

 Weihnachten am Patriarchatssitz in Damaskus

 Wenn Sie das Problem zwischen Israel und Palästina auf diese Weise lösen, lösen Sie damit auf einen Schlag die meisten Probleme der Welt. Allen voran die Probleme zwischen Christen und Muslimen, die Probleme des islamischen Fundamentalismus und das Problem der Auswanderung von Christen aus den Ländern des Nahen Ostens.

Wir sind schon seit so vielen Jahrzehnten ein Krisengebiet, und nach jeder Krise gab es eine neue Auswanderungswelle. Nicht der Islam ist der Grund dafür, warum wir Christen auswandern. Der ungelöste Konflikt im Heiligen Land ist die Wurzel der meisten unserer Probleme.

Haben Sie die Hoffnung, dass aus den Revolutionen rund um den „Arabischen Frühling“ auch für die Christen etwas Gutes erwächst?
Jede schädliche Entwicklung im Nahen Osten stellt eine Gefahr für die ganze Welt dar. Die gegenwärtigen Revolutionen richten sich nicht gegen die Christen, auch wenn sie mancherorts unter den Auswirkungen der Revolutionen zu leiden haben. Wir Christen müssen im „Arabischen Frühling“ unsere Sendung und Rolle entdecken, indem wir mit unseren Landsleuten zusammenarbeiten. Unsere Rolle in diesen Revolutionen ist es, Salz, Licht und Sauerteig zu sein, indem wir die Menschen zum Dialog einladen.

Der Westen sollte nicht immer nur darauf drängen, dass die Regime gestürzt werden, sondern er sollte die bestehenden Regime dabei unterstützen, durchgreifende Reformen umzusetzen. Wir müssen gemeinsam eine Vision für unsere Länder entwickeln. Wir müssen von den Slogans profitieren, die man in den großen Städten des Nahen Ostens gehört hat.

Diese Forderungen und Aussagen haben das Zeug zu einer neuen „Charta“, einer neuen Rechtsordnung für alle Menschen im arabischen Raum. Die eingeforderten Rechte müssen nur an die Wirklichkeit in den arabischen Ländern angepasst werden. Das wäre die richtige Antwort auf diese Revolutionen, die sonst sehr gefährlich sind für alle Menschen im Nahen Osten.

Die Christen sind nicht mehr und nicht weniger von den Revolutionen bedroht als alle anderen. Selbst die Islamisten, die Muslimbrüder, Salafisten und wie sie alle heißen, werden verstehen, dass es gut für den Nahen Osten ist, wenn die Christen dort bleiben können. Denn sie sind ein Erbe der Pluralität in der islamischen Welt.

Was halten Sie für wahrscheinlicher: Dass in der Region Gottesstaaten nach iranischem Vorbild entstehen oder demokratische Staaten?

 

Das müssen wir abwarten. Ein Gottesstaat war immer der Traum und das Ziel der islamischen Religion. Auch wir Christen hatten solche Phasen in unserer Geschichte. Denken Sie nur an das Heilige Römische Reich. Die Idee ist also nicht neu.

Ich denke, selbst wenn Gottesstaaten entstehen sollten, sind diese keine Gefahr für uns Christen, denn wir halten stark an unserem Glauben fest. Wir leben schon seit Jahrhunderten mit dem Islam zusammen und haben daraus gelernt, wie wir mit seinen verschiedenen Strömungen leben können. Die Muslime haben ihrerseits verstanden, dass wir Christen im Nahen Osten einen besonderen Status haben.

Ein „Gottesstaat“ würde sich an der Scharia, der Rechtsordnung des Islam, ausrichten. Aber wenn man den Koran richtig versteht, ist die Scharia etwas, das nur den Moslem angeht. Der Koran sagt ganz klar, dass die islamische Religion nur für Muslime gilt. Die Christen haben „ihr eigenes Buch“, also auch eine Offenbarung.

Und so glaube ich, dass ein Gottesstaat nicht unbedingt eine Gefahr für die Christen darstellt. Gefährlich wird es, wenn die neuen Herrscher die Scharia anders auslegen. In vielen islamisch geprägten Ländern leben wir Christen seit langem in großer Freiheit. Wir dürfen in vielen Ländern unseren Glauben leben. Hin und wieder mit Einschränkungen, aber im Großen und Ganzen doch zufriedenstellend.

Sie sind als Patriarch auch Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche in Syrien: Besteht dort noch die Möglichkeit, den blutigen Konflikt durch Verhandlungen in vernünftige Bahnen zu lenken?
Die Fronten sind verhärtet, denn es gab viel Blutvergießen auf beiden Seiten. Aber ich möchte das Bild der Lage ein bisschen korrigieren. Man meint im Westen immer, nur Assads Truppen hätten Blut vergossen. Wir haben viele Kontakte in ganz Syrien, und es gibt katholische Gemeinden auch in den Brennpunktstädten der Aufstände. Daher kenne ich viele Beispiele und Berichte über Fälle, in denen die meisten Grausamkeiten und Morde von den Demonstranten ausgingen.

Wenn die Demonstranten mit Waffen auf Zivilisten und Sicherheitskräfte losgehen, dann muss der Staat seine Bürger und Soldaten schützen. Es ist auch nicht so, dass die Soldaten leichtfertig Menschen erschießen. Ich habe von vielen Staatsbeamten gehört, dass der Befehl nicht lautete, Demonstranten zu töten, sondern lediglich sich selbst und unbeteiligte Zivilisten zu verteidigen.

Was ich mir vom Westen wünsche, ist, dass man dort mehr von Dialog spricht und nicht einfach nur das Blutvergießen betont. Bitte helfen Sie allen Bürgern in Syrien, den Dialog zu beginnen, und geben Sie nicht nur einer Seite die Schuld an allem. Die Einladung zum Dialog an beide Seiten ist heute das Wichtigste.

Was hätten die Christen in Syrien von einem Regierungsumsturz zu erwarten?
Wir Christen sind syrische Bürger wie alle anderen auch. Ich würde unsere Situation im Vergleich zu unseren Mitbürgern nicht gesondert betrachten. Diese Konflikte spielen sich vor allem unter Muslimen ab. Sunniten und Alawiten haben in Syrien viel mehr Angst voreinander als es zwischen Muslimen und Christen der Fall ist. Diese Revolution ist kein Streit zwischen Christen und Moslems.

Im Gegenteil: Wir Christen sehen uns als Mittler, als Stimme für den Dialog und die Zusammenarbeit, Solidarität und Pluralismus. Wir sind neutral und haben Erfahrungen mit vielen Strömungen des Islam. Wenn die Regierung Assad, was ich nicht hoffe, stürzen wird, sind wir Bürger wie alle anderen auch. Wir hoffen, dass wir dank unserer reichen Erfahrung dann auch mit der neuen Situation zurechtkommen können.

Bei der Revolution in Ägypten sah man Christen und Muslime gemeinsam demonstrieren. Macht Ihnen das Hoffnung?
Natürlich. Ich muss aber auch betonen, dass die Situation in Ägypten eine ganz andere ist, als bei uns in Syrien. Wir hatten nie solche Ausschreitungen und Gewaltakte, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zwischen Kopten und Muslimen vorgekommen sind. In Syrien gab es nie wirkliche Probleme zwischen Christen und Muslimen.

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aus dem 15. Jh - Schüler aus der Werkstatt Albrecht Dürers

Allen Besuchern des DragonBlogs wünsche ich frohe, gesegnete Weihnachten und Frieden im Jahr 2012!

                                          Ihr Harald Oberhem

Katholische Kirche in der Missbrauchs-Falle

„Der Sturm ist noch nicht vorbei“ meinte Bernhard Jürgens von der KNA in seinem Kommentar zum Bericht der niederländischen Deetman-Kommission über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker in unserem Nachbarland. Er irrt fundamental. Wir haben schon vor Monaten hier die Auffassung vertreten: „Mit jedem neuen Missbrauchsfall vermag die Kampagne neu anzurollen“. Dass es sich – unbeschadet  des tatsächlichen Fallgeschehens – um eine Kampagne gegen die katholische Kirche handelt – kann nur bestreiten, wer blind, weltfremd oder als „Hirte“ bereits von Angststarre befallen ist.

Welcher Verallgemeinerungscharakter soll der Kirche der Niederlande zukommen? Jeder zeitgeschichtlich Erfahrene weiß, dass die Kirche Hollands schon vor dem Konzil auch spirituell-disziplinär in Europa eine Sonderrolle spielte: ultramontane Hörigkeit und calvinische Geistigkeit und Moral bildeten eine einzigartige Melange. Das wirkt, wenn man Deetmans Bericht liest, selbst nach post-konziliaren Chaos-Jahrzehnten immer noch nach. Insofern handelt es sich im vorliegenden Fall bei Studie und Untersuchungsgegenstand um Singuläres.

Warum dann aber ein weltweites Medienecho, über Holland hinaus –sei es in  Kanada, Costa Rica, Taiwan und Australien, um nur – was die bisherige Skandalisierung des vorgeblich spezifisch „katholischen“ Problems angeht, eher bisher randständige Länder zu nennen. Der Tenor überall derselbe: zigtausende von Opfern, aberhunderte von Tätern – z.T. immer noch im kirchlichen Dienst. Missbrauch: flächendeckend!

Das muss strukturelle Ursachen haben. Die in der WELT zu analysieren wird nicht etwa dem Springer-Hofberichterstatter in catholicis, Gernot Facius, sondern dem weiland Chaos-Kommunisten und bekennenden Atheisten Alan Posener übertragen. Sein Fazit: „Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche beschränken sich nicht auf wenige Länder. Das Problem liegt in der Struktur der Institution“. Es geht – so darf man das verstehen - letztlich darum, dass nach katholischem Glauben moralisch-ethische Prinzipien und Normen  einem objektiven Wahrheitsanspruch unterliegen, den zu wahren und zu hüten Aufgabe des kirchlichen Lehramtes ist. Benedikt XVI. wird nicht müde, diesen Anspruch zu verteidigen.

Der herrschende wirtschaftliche, politische und kulturelle Neo-Liberalismus kann das nicht akzeptieren. „Tradition“ mit ihrem Beharrungsanspruch – darin besteht die soziale Basis absoluter Moral - und das umfassende „Modernisierungs“-Postulat stehen sich unversöhnlich gegenüber, wobei Modernisierung bedeutet, alle Lebensbereiche uneingeschränkt den Marktmechanismen unterwerfen zu können.

 Die „absolute Moral“ – das ist denn auch der Topos, der dem Protestantismus die Erklärung der Nichtbetroffenheit erlaubt -wird nun dadurch de-legitimiert, dass ihre Verwalter als an ihrem Kern Gescheiterte entlarvt werden. Der Sache nach wird die aufklärerische Ideologie vom Priestertrug in neuem Gewande zum Einsatz gebracht. Nur umfassender, deutlicher, radikaler. Der missbrauchende „Pfaffe“ gilt nicht mehr als Sünder, sondern als Verbrecher. Warum aber – wieder und immer noch – durch Taten im Bereich der Sexualmoral? Weil sie de facto immer noch in der klerikalen, zölibatären Männerkirche als Nukleus jeder Art von Moralität gilt. „Die“ Kirche misst sich daran – und muss nun öffentlich eingestehen, daran gescheitert zu sein. Immer wieder neu. Eben flächendeckend.

Der Münchner Moraltheologe Konrad Hilpert hat zu Recht die Frage nach dem „systemischen“ Kontext der Moral der Missbrauchs-Kirche aufgeworfen. Die Unfähigkeit vieler Kleriker, Sexualität nicht nur verantwortlich, sondern auch „leib-gerecht“ zu leben, ist hier sicherlich zu bedenken. Nachdenklicher stimmt aber Hilperts Hinweis, dass sich die Ideologie dieser Art von (Sexual-) Moralität nur sehr verhalten ändern dürfte. Und zwar aus Gründen, die mit der inneren Struktur der kirchlichen Hierarchie zusammenhingen.

Dem ist wohl tatsächlich so. Es erklärte auch die – an sich, im sozialen Vergleich – seltsam anmutende Tatsache, dass unter die Missbrauchs-Täter nur die leiblichen Verursacher von Zwang und Leid, nicht aber ihre duldenden, wegschauenden, vertuschenden und offen ignorierenden, Beweismittel beseitigenden Vorgesetzten gerechnet werden. Dies haben wir in diesem Blog mehrfach angemerkt.

Entschuldigungen und pekuniärer Freikauf, wie sie jetzt in Holland als Wiedergutmachung vorgesehen sind, bieten keinen Ausweg. Unerträglich ist es, wenn nicht mehr im Amt befindliche, aber noch lebende Amtsträger den Medien zum Fraß vorgeworfen werden.

 

Täter beider Gruppen – die Oberen zuerst – müssen ermittelt und öffentlich erkennbar bestraft werden. (Die Reconciliation ist dabei natürlich, bei Erfüllung der Voraussetzungen, ein wichtiges Ziel; die Beibehaltung bzw. Beförderung in hohe und höhere Ämter wäre mit solcher Strafe hingegen unvereinbar.) Maßstab sei dabei das geltende kirchliche Recht.

 

Diese Art der Umkehr und Buße erwartet nicht nur die „Gesellschaft“, auch  die katholischen Christgläubigen haben ein Recht darauf.

Und der Klerus, der sich jetzt vielfach einem Generalverdacht ausgesetzt sieht? Ob Studien hier wirklich hilfreich sein können, wird sich noch herausstellen müssen. Sie dürften wenig nutzen, wenn es bei der Aufspaltung des Täterprofils bleibt. Noch so gut gemeinte innerkirchliche Begründungen dürften nicht viel Motivation einbringen – zumal dann, wenn sie von verantwortlichen Projektleitern ohne kirchlichen Bezug öffentlich anderslautend kommentiert werden. Der Deetman-Report ist dafür ein trauriges Beispiel.   

Syrien: Ökumene für den Frieden

Nach dem für Libyen entwickelten Drehbuch der westlichen Mächte hätte der Bericht des UN-Menschenrechtsrates zur Lage in Syrien den Startschuss für eine militärische Intervention des Landes bieten sollen. Der Widerstand Russlands und Chinas im Welt-Sicherheitsrat (und die Vorlage eines eigenen Resolutionsentwurfes ohne militärisches Vorgehen und wirtschaftliche Sanktionen) sowie die unerwartete Widerständigkeit der syrischen Institutionen und großer Teile der Gesellschaft des Landes führten offensichtlich zu einer Neuorientierung der Strategie des Westens.

In den Medien wird die Rolle der Kirchen im Konfliktverlauf wenig beachtet; in diesem Blog soll sie zur Sprache gebracht werden. So machte der Moskauer orthodoxe Patriarch Kyrill I. – in Unterstützung der Politik seines Landes – im November seinen ersten Besuch in Syrien. Die Botschaft des Kirchenführers deckte sich mit der des Papstes und der Hierarchien des Landes: Gewaltverzicht, Dialog, keine militärische Intervention und keine die gesamte Gesellschaft belastenden Sanktionen.

Vor wenigen Tagen verabschiedeten die katholischen Bischöfe Syriens (Lateiner und Unierte) eine gemeinsame Plattform zur politischen Zukunft des Landes, die dann – nahezu wortidentisch – von den drei Patriarchen (syrisch-orthodox, melchitisch-katholisch, griechisch-orthodox) übernommen und vom päpstlichen Nuntius bekräftigt wurde:

 

Catholic patriarchs call for peace in Syria as Moscow puts pressure in the United Nations

Catholic patriarchs issue a press release on the country’s situation that differs from previous statements of unconditional support for the regime. Syrian media ignore a proposed Russian resolution in the UN Security Council to solve the crisis.

Ignatius Zakka I. Iwas, syrisch-orthodoxer Patriarch von Antiochien 

Damascus (AsiaNews) – Syrian media have ignored so far a Russian proposal for a new resolution at the United Nations Security Council to find a solution to the country’s crisis. But the three patriarchs of Antioch (Syriac Orthodox, Melkite Greek Catholic and Greek Orthodox),

 

Gregorios III., melchitisch (katholischer) Patriarch von Antiochien 

whose sees are in Damascus, and the Assembly of the Catholic hierarchy in Syria have expressed, in identical terms, their deep concern for the situation in Syria.

 

Ignatius Josef III., syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien 

Russia has circulated a UN Security Council resolution aimed at resolving the crisis in Syria, in a move that surprised Western nations. The draft proposal condemns violence by Syria’s government and the opposition, but does not mention sanctions.

 

Erzbischof Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien 

Western diplomats said the proposal was not tough enough but that they were prepared to work on the document. The latter includes a new reference to “disproportionate use of force by Syrian authorities” and urges the Syrian government to put an end to suppression of those exercising their rights to freedom of expression, peaceful assembly and association”.

Meeting yesterday in St Ephrem Monastery, residence of Ignatius Zakka I Iwas, Syriac-Orthodox patriarch, in Saidnaya, not far from Damascus, the three patriarchs signed a joint message, released to the faithful and all Syrian citizens.

Interestingly, the terms of the message, except for some grammatical differences, are identical to those of a press release issued a day earlier by the Assembly of the Catholic Hierarchy in Syria at the end of its regular session, the first in two years (although it should meet twice a year according to its own constitution).

The meeting was held at the headquarters of the Syriac Orthodox Archbishopric in Damascus, chaired by Melkite Greek Catholic Patriarch Gregorios III, with the participation of Syriac Catholic Patriarch Ignatius Yusuf III and Mgr Mario Zenari, apostolic nuncio to Syria.

At the start of their proceedings, the heads of the Churches sent a message to the pope to confirm their loyalty to and communion with the successor of Peter, and indicate that the meeting would not only focus on the outcome of the Special Assembly for the Middle East of the Synod of Bishops, and the preparation of the Synod on the new evangelisation, but would also look at the situation in Syria.

Their final communiqué on the current situation, picked up as far as Syria is concerned in the message of Ignatius Zakka I, Ignatius IV (Greek Orthodox) and Gregorios III, deserves to be cited in full because it goes against previous statements made by the same patriarchs and other prelates of unconditional support for President Bashar Al-Assad, whose name this time is not mentioned, even once.

“Among the topics that concern the most excellent Fathers, the main and most important one is what is happening in our beloved Syria, namely the events unleashed nine months ago,” the press release said. “The Fathers examined the events and what they have caused in the country and among the faithful: tragedies and sufferings on more than one level. They have expressed their deep sorrow for what has happened, their sadness for the fallen victims and their fear that the economic situation might get worse. They express a keen desire that Syria heal its wounds and that its children find reconciliation with love and tolerance, cooperation and wisdom, giving precedence to the national good above all other interests by going back to their roots, heritage, conscience and confidence in mutual exchanges to find a solution to their problems their own way.”

“The Fathers reject all foreign intervention of any kind and from any origin,” the statement says. “They call for an end to the sanctions imposed on Syria, whatever the pretext. Equally, they reject any recourse to violence in any form and appeal for peace and reconciliation of everyone in the name of God and the fatherland. They have encouraged the reforms and the steps undertaken by the government, demanding respect for the principles of justice, freedom, human dignity, social justice and the rights of citizens.”

“Finally, they have raised fervent prayers to God Almighty to have pity on the fallen, bring comfort to the hearts of those who are troubled, protect Syria and its leaders, guiding them to the shore of security, peace, sovereignty and prosperity. Hence, they call on everyone to pray incessantly so that fear may not take hold, and that hair may not fall from our heads unless it is the will of God, our celestial Father, as Christ the Lord taught us.”

Syria’s official news agency SANA, which had initially ignored the statement issued by the Catholic prelates, released a report Thursday evening in English and French and in Arabic on Friday morning summarising the message of the three patriarchs, insisting on their rejection of foreign intervention and their appeal for an end to sanctions against Syria.

AsiaNews-12/16/2011 14:01

Ich aber sage euch: liebet eure Feinde! (Mt 5,44)

Westliche Medien berichten unter Berufung auf den libyschen NTC, dass der Sohn und politische Nachfolger des abgesetzten und ermordeten „Rais“ Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam-al-Gaddafi (39) beim Versuch, nach Niger zu flüchten (wie es heißt), „gefasst“ worden sei.

 

Die Tatsache als solche wird von libysch-loyalistischen Quellen mit Fragezeichen versehen. Aber unbeschadet dieser Unsicherheit fällt – wieder einmal – die überstarke Tendenz der Medien auf, den führenden „Gegner“ des eigenen Lagers zu dämonisieren, zu kriminalisieren und in seiner Ehre als Kämpfer herabzusetzen. Wie der Vater, jetzt der Sohn und Hoffnungsträger seiner Anhänger. Dabei wird die Andersartigkeit der libyschen Kultur und Gesellschaft schlicht ignoriert.

 

So wird einfach behauptet, die Angehörigen des Gaddafi-Clans hätten sich feige abgesetzt (zu ihren angeblich in Sicherheit gebrachten Raubvermögen im Ausland). Das ist unrichtig. Die Männer, die im politischen Feld engagiert waren, sind bei der kämpfenden Truppe geblieben. Der grausame, ja schändliche Tod des „Rais“ und seines Offiziers-Sohnes Mutassim gewann diese Qualität nicht durch die Ermordeten, sondern durch die Mörder und ihre Hintermänner, die damit durchschaubare Motive verbanden.

Von Saif al-Islam war aus loyalistischen Kreisen und ihren Medien schon seit einiger Zeit bekannt, dass er die Führung eines Stämmebündnisses, insbesondere von Tuaregs, übernehmen wollte und zu diesem Zweck nach Niger strebte. Das hat mit (feiger) Flucht nichts zu tun. Auch kann man, wenn korrekte Maßstäbe angelegt würden, nicht davon reden, er sei – quasi wie ein flüchtiger Dieb – „gefasst“ worden. So wird die Führung der gegnerischen Kriegspartei noch während des Kampfes kriminalisiert, der sich nicht einseitig für beendet erklären lässt. „Gefangennahme“ ist etwas anderes. Die prompte Weigerung der neuen Machthaber, den Gaddafi-Sohn an den Gerichtshof in Den Haag zu überstellen, sondern – nach „islamischem Recht“ – selbst abzuurteilen, lässt Schlimmstes erwarten. Die Anklagen sind umfänglich.

Carl Schmitt, jener Rechts- und Staatsphilosoph, der das Politische grundsätzlich durch das Freund-Feind-Schema definiert sehen wollte, erfährt so in der Gegenwart eine krude Wiedergeburt, ja Verschärfung seines Denkens: Der politische und militärische Gegner wird als Feind nicht nur der physischen Vernichtung, sondern auch der Bestreitung der moralischen Existenz unterworfen.

Schmitt hat zu Unrecht behauptet, das biblische Gebot der Feindesliebe sei auf den persönlichen, privaten Bereich beschränkt. Ganz im Gegenteil verlangt die jesuanische Weisung „Liebe“ auch noch in der verwirklichten Feindschaft, die dann auch nie „total“ werden kann. Die Tür zu einem Friedens-Schluss bleibt so immer – zumindest einen kleinen Spalt breit – offen. Auch der Feind, dessen Selbstverständnis nicht nur nicht geteilt, sondern bekämpft wird, behält so seine Würde – auch kollektiv.

(Wenn für den Feind gebetet wird, genauer gesagt: gebetet würde, denn es geschieht ja nicht, dann doch nicht für den Sieg seiner „Sache“ oder seiner „Ideologie“, sondern um die Gnade Gottes, deren er nicht weniger bedarf als der Beter selbst – gerade bei der Anwendung kriegerischer Gewalt.)

 

Die traditionelle Kultur des Feindes zu ignorieren, ist politisch und militärisch dumm, sie als Ausdruck des Menschlichen zu leugnen, ist unwürdig.

Ein Zeugnis solcher Tradition, die ganz offenkundig an die nahezu  in´s Mystische erhobene Gestalt des libyschen Naitonalhelden Omar Mukhtar anknüpft, findet sich in einem von den westlichen Medien völlig übergangenen Text, auch wenn dessen Authentizität von uns nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden kann:

 

 

Botschaft Saif al- Islam al-Gadaffis an das libysche Volk

(27. Oktober 2011)

 

„Ich versichere meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern, dass es mir gut geht. Wie alle, die mich kennen,  wissen,    konnte ich niemals meines Vaters Willen verraten, als er noch lebte. Wie könnte ich seinen Willen hintergehen, wenn sein Blut tot ist?

Den Getreuen des libyschen Volkes kann ich sagen, dass, falls wir hätten davon gehen wollen, dann wären wir fortgegangen,  bevor  dieser ganze Preis bezahlt wurde. Aber jetzt haben wir die Linie überschritten. Wir überschritten sie mit dem Blut, das geopfert wurde, das vergossen wurde, das Blut, mit dem die NATO-Ratten versuchen, mächtige Männer in die Knie zu zwingen, die außer Allah niemand in die Knie zwingen kann.

 

Manche Leute glauben, dass nun alles vorbei sei. Aber die Wahrheit ist, dass  alles  erst begonnen hat.

Ich war treu in der Verteidigung Libyens und nehme Rache an den Verrätern und Mördern, die der Welt ihr wahres Gesicht zeigten. Und auch wenn ich nicht ein Verfechter solcher Dinge bin: ihre Aktionen werden mich zwingen, mit aller Härte ihre Tage in Nächte zu verwandeln und ihre Nächte in die Hölle.  Und ihnen Todesangst einzupflanzen, wo immer sie sind.

Ich werde kein Beileid akzeptieren, weder für meinen Vater noch meine Brüder, bis ich meine Mission beendet habe - und sollte es 50 Jahre dauern. Ich rufe die Leute, die an mich glauben, die mit mir die Liebe zu dem ehrenhaften Libyen teilen - und sie sind zahlreich, jene die mit mir das Gefühl teilen, eine Person aus ihrem Herzen verloren zu haben - und sie sind zahlreich,  und die mit mir die Narben teilen, die Rache und die Pflicht zum Widerstand: ich rufe sie auf, nicht eine verlorene Krone, sondern das verlorene Libyen zurück zu holen, die verlorene Ehre wieder herzustellen.

Sie haben das Feuer angesteckt - und deshalb sollen sie brennen. Sie haben Blut vergossen, so lasst den Fluss aus Blut explodieren. Wir werden ihnen niemals Gnade gewähren.

Die NATO wird mit Sicherheit, auch wenn sie ihre Operationen nicht stoppt, nicht in der Lage sein, sie alle in ihren Häusern, in ihren Autos, bei ihren Feiern und an ihren Arbeitsplätzen zu schützen. Muammar al- Gaddafi hielt uns davon ab, sie zu verbrennen, wenn wir dazu in der Lage waren. Er hielt uns davon ab, die Ölquellen zu sprengen. Ich riet ihm, den Flughafen von Tripolis zu zerstören, bevor Tripolis fiel. Doch er lehnte das ab.

Doch wo ist bei ihnen einer, der uns vor ihnen schützt? Und wer von ihnen wird gnädig sein? Ich werde sie verbrennen, bis meine Mutter lächelt und bis sie zufrieden ist. Und bis (sc meine Schwester) Aisha feiert und ihr Herz glücklich ist,  bis das Glück in jedes libysche Herz zurück kehrt, in das Sorgen gepflanzt wurden.

Sie sind nicht mutig und sie werden es niemals sein. doch (sc. mein Bruder) der Märtyrer Mutassim hat  ihnen gezeigt, was Mut ist. Und die Brigade von Mutassim wird ihnen für wahr noch mehr zeigen.

Ich bin der Sohn meines Vaters, ich bin der Bruder von Al Mutassim und ich bin ein Sohn Libyens - ich bin einer von den Tausenden, über die die Narben und das Blut kamen. Wir würden nicht das Blut der Opfer von Libyen ehren, wenn wir nicht die Mörder verfolgen, überall, bis sich die Erde über ihnen schließt.”

Diese Sprache und eine Tradition der (Blut-) Rache kann nie Ausdruck einer christlichen Zivilisation sei. Sie zu überwinden, kann jedoch durch den Einsatz von Gewaltmitteln nie gelingen. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch ein solcher Gegner als Feind im Kriege die Zuerkennung von Respekt verdient.

Volkstrauertag: Mein „unbekannter Soldat“

   

Seit über 20 Jahren, in denen ich regelmäßig nach Fulda komme – in der Zeit von Militärbischof Johannes Dyba mehrmals im Jahr- , besuche ich jedes Mal hinter der ehrwürdigen Abtei- und heutigen Domkirche, im Hof des Priesterseminars,  das Grab eines mir immer noch unbekannten Soldaten. Er liegt dort als 20jähriger Gefreiter, gefallen am 1. April 1945, in einer Begräbnisstätte, wie sie ursprünglich für die Soldaten der Wehrmacht vorgesehen war.

Was hat diesen jungen Menschen, der sich kaum um das Nazireich besondere Verdienste erworben haben kann, hierhin verschlagen? Warum musste er wenige Tage vor dem Zusammenbruch noch sein Leben verlieren? Wofür glaubte er kämpfen zu sollen? Fragen, die sich heute vielleicht ebenso wenig beantworten lassen wie damals.

Franz Matezik, dem Namen nach wohl österreichischer Herkunft, hat dennoch Glück gehabt. Er ruht bis zum Tag der fröhlichen Auferstehung in der auch geistigen Mitte Deutschlands, nahe bei dessen Apostel und geistlichen Vater Bonifatius. Sein Opfer-Status ist klar: er verlor sein Leben – und wir wissen nicht warum. Die Kirche gibt ihm Heimat, ohne selbst einen tieferen Sinn seines Todes ergründen zu können.

Die Presse des Landes hat in diesem Jahr kaum ein Wort zum Volkstrauertag gefunden; ein vorgebliches Scandalum wurde mit Getöse angeschoben. Nur in der Provinz,  in der die kriegstoten Soldaten oft, in Stein gemeißelt, noch „Helden“ oder „Krieger“ heißen, sprechen die Redner – immer öfter die Pastoren – von Gewalt und Krieg (man beachte die Reihenfolge!), die doch überwunden werden müssten – endlich!

 

  Von “Freiheitskämpfern” in Sirte ermordete (gefangene) libysche Regierungssoldaten

Welche Scheinheiligkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten, zumal der GRÜNEN unter ihnen: Sehen sie die ungezählten Opfer der Menschenrechts-Kämpfer, die von ihnen gezogene Blutspur, nicht? (In Libyen schätzt man zwischen 30.000 und 100.000 „Opfer“.)

Es ist der Krieg, der uns nicht selber trifft, der uns alle in – nennen wir es nur beim Namen – in desinteressierter Distanz verharren lässt, ohne dass Herz und Seele ergriffen würden.

Worum dann also trauern?

 

Die Gefallenen der Bundeswehr sind in gewisser Weise „Opfer“ dieses Sachverhalts. Selbst der Bundespräsident hat ihnen in seiner diesjährigen Ansprache im Bundestag diesen anonym-sinnstiftenden Status  aberkannt. Wie ihre Vorgänger, die deutschen Soldaten der Weltkriege, „starben“ sie, „verloren sie ihr Leben“. Kein Dank des Vaterlandes; man kann auch nicht – wie im Vorjahr – erneut eine Gefechtsmedaille stiften. Die Tröstungsaufgabe wurde diesmal an den Generalinspekteur am Ehrenmal der Bundeswehr delegiert.

Die Politik wendet sich – so Bundespräsident Wulff – gegen Gewalt und Krieg (!), sie hofft auf Versöhnung, trägt und übernimmt Verantwortung für den Frieden.

Zum „Opfer“ wird, wer auf diesem Weg einen Preis zahlen muss.

 

Mein „unbekannter Soldat“ hat auch darum Glück, weil er sich weder Heldentod noch die Hingabe an höchste Ziele zusprechen lassen muss, die allesamt mehr mit Gewalt zu tun haben, als Redner zu bedenken oder auszusprechen vermögen. Seine Leiden und die der Seinen, die weithin nicht mehr dieser Welt angehören dürften, sind ausgestanden. Es bleibt ihm der Friede des behüteten Grabes und die Erwartung der Ewigkeit.

 

Harald Oberhem

Warschau: Gemeinsames Totengedenken in Militär-Kathedrale

Warschau/Berlin, 14.11.2011: Zum zweiten Mal fand auf Einladung des polnischen Militärordinariats in der Kathedrale des katholischen Feldbischofs ein ökumenisches Totengedenken statt. An dem Gottesdienst nahmen neben dem deutschen Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch, einem Unterstaatssekretär des polnischen Verteidigungsministeriums, polnischen Militärgeistlichen beider Konfessionen, Soldaten der polnischen Streitkräfte sowie der Bundeswehr katholische Gläubige der Hauptstadt teil.

  

Die Kranzniederlegung, fand – wie das Militärordinariat in einer Pressemeldung mitteilte – in der Luftwaffenkapelle der Basilika statt, in der auch der im April 2010 zusammen mit Staatspräsident Lech Kaczynski tödlich verunglückte polnische Feldbischof Tadeusz Ploski bestattet ist. Ploski hatte sich sehr um die Beziehungen zwischen der polnischen und der deutschen Militärseelsorge verdient gemacht.

Das Gedenken galt ausdrücklich den gefallenen deutschen und polnischen Soldaten beider Weltkriege (in denen hunderttausende Polen auch auf deutscher Seite gekämpft hatten) sowie den Gefallenen beider Länder in Afghanistan.

    

  Erklärungsbedürftig erschien, wie aus dem Text des Militärordinariats hervorgeht, der besondere Charakter des deutschen „Volkstrauertages“ („Dzien Żałoby Narodowej“),  für den es in Polen keine direkte Entsprechung gibt. Hier wird, wie in den übrigen Ländern der ehemals verbündeten westlichen Staaten, am Nationalfeiertag der Gefallenen gedacht.

Zum Tod von Gaddafi: „Ein tragisches Ende, über das man sich nicht freuen sollte: nun muss man sich für den Aufbau von Frieden und Einklang einsetzen“

Tripolis (Fidesdienst) – „Angesichts des gewaltsamen Todes eines Menschen sollten stets die Gefühle des christlichen und menschlichen Erbarmens im Vordergrund stehen. Man sollte sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat.“, so der Apostolische Nuntius in Libyen und Malta, Erzbischof Tommaso Caputo, in einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt.

           
„In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“, so der Apostolische Nuntius.

In einer Verlautbarung des Heiligen Stuhls heißt es zum Tod von Gaddafi, „nun ist zu wünschen, dass der libyschen Bevölkerung weitere Gewalt erspart bleibt, die von einem Geist der Rache herrührt und die neuen Regiernden bald möglichst die notwendige Arbeit bei der Befriedung und beim Wiederaufbau beginnen können … auf der Grundlage des Rechts und der Gerechtigkeit. Die internationale Gemeinschaft sollte sich großzügig an der Wiederaufbauarbeit im Land beteiligen“

„Die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen“, heißt es in der Verlautbarung weiter, „wird weiterhin Zeugnis ablegen und einen uneigennützigen Beitrag für die libysche Bevölkerung leisten, mit den Mitteln, die ihr im Bereich der internationalen Beziehungen im Geist der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden zur Verfügung stehen“.

Im Hinblick auf die Praxis des Heiligen Stuhls bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen heißt es in der Verlautbarung, dass der Nationale Übergangsrat, „ihr Amt als Regierung in Tripolis angetreten hat und der Heilige Stuhl diesen als legitime Vertretung des libyschen Volkes betrachtet, wie es dem internationalen Recht entspricht“. Mit Bezug auf die verschiedenen Treffen zwischen Vertretern des Heiligen Stuhls und des Übergangsrates heißt es abschließend: „Bei diesen verschiedenen Treffen betonten beide Seiten die Wichtigkeit der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Libyen. Der Heilige Stuhl versicherte die libysche Bevölkerung der eigenen Unterstützung während der Zeit des Übergangs und wünschte den neuen Behörden Erfolg im Bemühen um den Wiederaufbau des Landes. Die Verantwortlichen des neuen Libyen haben ihrerseit die eigene Wertschätzung im Hinblick auf die Appelle des Papstes und das Engagement der Kirche in Libyen zum Ausdruck gebracht, insbesodere durch den Dienst in den Krankenhäusern und Hilfseinrichtung der 13 verschiedenen Schwesterngemeinschaften.“ (LM)

Fidesdienst -111021

Arabellion: „Keine Freude über Tod Gaddafis“



Der Vatikan hofft, dass dem libyschen Volk nach dem Tod von Diktator Muammar al-Gaddafi neue Gewalt, weitere Leiden und Rache erspart bleiben. In einer offiziellen Erklärung vom Donnerstagabend heißt es, man erwarte, dass die neue Regierung möglichst bald zum Frieden und zu einem Neuaufbau des Landes beitrage, und das auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit. Der Vatikan betrachtet den Übergangsrat als legitime Vertretung Libyens; er spricht allerdings keine formelle Anerkennung aus, weil er in der Regel „Staaten anerkennt und nicht Regierungen“. Das Statement spricht von der Hoffnung des Vatikans, dass die internationale Gemeinschaft großzügig beim Aufbau des Landes helfe.

„Wenn ein Mensch stirbt, sollten immer Gefühle christlichen und menschlichen Erbarmens die Oberhand haben.“ Das sagt uns in einer ersten Stellungnahme der Botschafter des Papstes für Libyen, Erzbischof Tommaso Caputo, der auf Malta residiert und zu Monatsbeginn in Tripolis war, wo er unter anderem mit dem Übergangsrat gesprochen hat.

Vatikan: Übergangsrat ist legitime Vertretung der Libyer

„Man kann sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat. In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.“

Mit Gaddafis Tod endet, wie das Statement des Vatikans urteilt, eine „lange und tragische Phase des blutigen Kampfes zur Niederschlagung eines harten und unterdrückerischen Regimes“. Das dramatische Ereignis lasse erneut über den Preis des enormen menschlichen Leidens unter einem Regime nachdenken, das nicht dem Respekt vor der Menschenwürde, sondern nur der Macht Rechnung trage. Der Vatikan versichert, dass die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen weiterhin uneigennützig ihren Beitrag für die Bevölkerung leisten werde, vor allem im karitativen Bereich und im Gesundheitswesen. Nuntius Caputo:

„In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“

„Osservatore Romano“: Chaos in Libyen vermeiden

Der Präsident des Päpstlichen Friedensrates, Kardinal Peter Turkson, gibt zu erkennen, dass er den Gang Gaddafis ins Exil bevorzugt hätte. „Die Kirche will immer die Bekehrung der Person“, so der Kardinal. „Er hätte doch ins Exil gehen und dort nachdenken und für alles Getane um Entschuldigung bitten können.“ Es tue ihm Leid, dass Gaddafi stattdessen „bis zum Ende kämpfen wollte“ und „so endete“. Mit Blick auf die Länder des „Arabischen Frühlings“ meint Turkson, mit der Befreiung „gewissen Führungsgestalten“ sei es nicht getan. Jetzt gehe es „um Freiheit für alle“, auch für die christlichen Minderheiten.

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ruft zum Gebet für Libyen auf. Zu Journalisten sagte er in Rom, er hoffe auf „Versöhnung und Demokratie im Land“. Alle Kräfte Libyens sollten „beim Wiederaufbau beteiligt werden“, so der engste Mitarbeiter des Papstes.

Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ hofft jetzt auf eine schnelle Lösung der politischen Differenzen im Nationalen Übergangsrat. Das schreibt sie in einem Artikel auf ihrer Titelseite. Der Fall von Sirte könne ein Ende des Krieges bedeuten. Doch der Präsident des Übergangsrates, Mahmud Jibril, habe die Befürchtung geäußert, die Situation im Land könnte sich hin zu einem politischen Kampf entwickeln, dessen Regeln nicht klar definiert seien und der das Land „rasch in ein Chaos stürzen“ könnte, so die Vatikanzeitung.

Bischof in Bengasi: „Christen nicht in Gefahr“

Sylvester Carmel Magro ist Päpstlicher Vikar für Bengasi. Der Bischof sagte uns an diesem Freitagmorgen:

              

„Wir hätten nicht gedacht, dass das Ende so nahe sein würde. Auf einmal hörten wir Schüsse in der ganzen Stadt, und da haben wir erraten, dass etwas Derartiges geschehen war. An diesem Freitag ist es in Bengasi sehr ruhig, weil Feiertag ist und weil viele Menschen am Donnerstag Abend noch sehr spät gefeiert haben. Wir Christen fühlen mit den Muslimen im Land, dass es hier einen großen Bedarf an Versöhnung gibt und an einer Rückkehr zu einem Nationalgefühl. Wir beten für die neuen Verantwortlichen des Landes. Ob Gaddafis Tod die endgültige Wende für Libyen bedeutet? Das zu sagen, ist jetzt noch zu früh.“

Immerhin ist Magro zuversichtlich, was das Schicksal der Christen in Libyen betrifft. Sie sind in der Regel Ausländer, die in Libyen arbeiten, und riskieren aus der Sicht des Bischofs keinen Rauswurf aus dem neuen Libyen. „Ich glaube nicht; sie brauchen Arbeitskräfte aus dem Ausland. Hoffen wir, dass wir auch künftig – wie bisher – die Freiheit haben, unseren Glauben zu leben.“

rv/div 21.10.2011 sk

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P.S.

 Es ist verwunderlich, wie bruchlos sich “der Vatikan” der allgemeinen Position “des Westens” anpasst. Wer die Texte unvoreingenommen liest, sieht die von uns schon früher vorgenommene Interpretation bestätigt. Ist das die Kirche des II. Vat. Konzils, die die Freude und Hoffnung der Menschen (”Gaudium et spes”) teilt und sich darum als Dienerin an Gerechtigkeit und Frieden versteht und in das Leben der Menschheit einbringt? Sind die Aufforderungen Papst Benedikt XVI. an die libyschen Streitparteien (und die NATO) vergessen, wieder zum Dialog zurückzufinden und den bewaffneten Kampf umgehend einzustellen ? Gaddafi signalisierte Bereitschaft dazu - die Gegenseite lehnte wiederholt ab. “Regime Change” setzte unconditional surrender voraus, was aus innerer Logik die jetzige Ermordung des Symbols des “anderen” Libyens zur Folge hatte. Denn Gaddafi blieb sich treu. R.i.P.

 Wie soll das Land unter solchen Voraussetzungen inneren Frieden finden?

H.O.

                 

Der makabere Frieden von München

Offensichtlich nur noch der älteren Generation ist die Verbindung von „Frieden“ und „München“ in verdächtiger Erinnerung. Damals – im Herbst 1938 - wurde de facto die Versailler Nachkriegsordnung aufgekündigt, die Tschechoslowakei zugunsten Deutschlands, Ungarns und Polens (sowie der Slowaken) zerlegt. Die ganze Welt behauptete, damit den Frieden gerettet zu haben. Von den seitens der Westmächte Verratenen war keine Rede.

Daran denkt heute keiner mehr. In der bayerischen Hauptstadt fand vielmehr unter dem Markennamen Sant´Egidio jetzt eine Friedensversammlung des uneingeschränkten Dialogs statt. Seit 25 Jahren folge man im Geist von Assisi dem Frieden und wolle einer „Kultur der Gewalt“ den Abschied geben. In Einfachheit wolle man die Begrenztheiten überwinden und die Religionen als Akteure des Friedens wirksam werden lassen. Ein Friedensappell soll jetzt eine neue Ära eröffnen.

Von dem mörderischen Bürgerkrieg in Libyen, maßgeblich durch die italienischen Förderer der Gemeinschaft Sant´Egidio (im Berlusconi-Lager) geplant und in´s Werk gesetzt, kein einziges Wort! Oder doch: ein Mitglied und Vertreter des sog. „Nationalen Übergangsrates“ war geladener Konferenzteilnehmer und nutzte die Gelegenheit, seine Organisation als Garantin von Menschenrechten, Demokratie und Versöhnung zu präsentieren. (Sogar die ansonsten nicht durch besondere Kirchennähe auffallende „taz“ bot diesem „Delegierten“ ein Podium.) Wer hatte denn schon zur Kenntnis genommen, dass Sant´Egidio sich schon Mitte April, nach dem Kriegseintritt der NATO,  politisch und moralisch auf die Seite des sog. „NTC“ geschlagen hatte? Ein verratener Friede! (Die libysche Regierung hatte gerade ein Angebot auf Waffenstillstand und umfassende Verhandlungen unterbreitet.)

Und ein weiterer geistlicher Sohn des hl. Franziscus hat sich vom Weg des Friedens und der Gerechtigkeit abgewandt, wahrscheinlich „auf Weisung“: der tripolitanische Bischof Giovanni Lorenzo Martinelli OFM. Er wurde offensichtlich kurz vor der Besetzung von Tripolis durch die Rebellen „aus gesundheitlichen Gründen“ nach Italien abberufen. Bis dato war er ein einsamer Rufer nach Frieden, Waffenstillstand und nationaler Versöhnung gewesen. Auch bemühte er sich um eine faire Bewertung des libyschen „Rais“ und seiner Verdienste um sein Volk. Darum haben wir in diesem Blog nach Kräften versucht, seine Stimme hörbar zu machen. Jetzt hat ihn der Vatikan, bevor er in sein Wirkungsgebiet zurückkehren durfte, wohl auf Linie gebracht.

Es stellen sich viele Fragen, nicht zuletzt nach den aktuellen Beziehungen zwischen Vatikan, Italien und der NATO, die das faktischen Schweigen der Kirche zum Libyenkrieg erklären könnten. Aber das interessiert in unserem Land und seiner Kirche offenbar kaum jemanden. Denn der deutsche Papst kommt nach Deutschland. Basta! Über den (katholischen) Kirchen des Nahen Ostens aber ziehen dunkle Wolken auf.

H.O.

The Christians of the Near East and Islamist ideology

by Bernardo Cervellera


At the 23rd European week on Euro-Mediterranean religious history, a series of interventions illustrate the great saga of the Churches of Antioch, from martyrdom to deportations, but also passionate evangelization and inter-religious and cultural dialogue. An overview by the editor of AsiaNews on the current situation of the Churches of the Near East in the throes of radical Islamism.

Gazzada (AsiaNews) - From September 6 to 10 last, the 23rd European Week focusing on the life history and tradition of the Christian communities of Antiochian tradition (Maronite, Byzantine, Syriac, Chaldean, Armenian, Malankara, … ) was held in Gazzada (VA).

These weeks are organised by the Fondazione Ambrosiana Paolo VI and the Catholic Sacro Cuore University and are held in the magnificent setting of Villa Cagnola, an eighteenth-century jewel. The specific theme was “From the Mediterranean to the China Sea. The irradiation of the Christian tradition of Antioch in Asia and in its religious universe. “

Over the course of very intense days of academic study and debate on the various Christian experiences in Turkey, Persia, Central Asia, India, China, the characteristic of the Antiochian tradition emerged, a tradition capable from the outset of communicating with the surrounding cultures and religions, along with a strong sense of Christian identity. The conference was attended by personalities and scholars from around the world. Among them, some witnesses to the current life of these churches, such as Msgr. Louis Sako, Chaldean Archbishop of Kirkuk, and Fr Samir Khalil Samir, an expert on Islam and professor in Beirut.

The concluding day, Sept. 10, was devoted to the situation of these churches, often subjected to severe persecution. The director of AsiaNews was asked to present a paper entitled “Islamist Ideology and situation of Christians in the Middle East”, which we publish below. The Paul VI Foundation is already drafting a publication that will include all the interventions of the conference proceedings.

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Radical Islam has always been present in Islam, but it has emerged in recent decades thanks to the Muslim Brotherhood (founded in Egypt in 1928) and with the support from the Saudi Wahhabi ideology. It supposes a literalist interpretation of Islam and a return to the origins of Islam - that of Mohammed and the four caliphs - as a way to reaffirm the dignity of the Muslim communities in the world.

Their enemies are the corrupt Islamic governments (almost all) the atheist and colonial West, the State of Israel, and finally Christians, often banded together with the West, although the Islamists often target the Christian communities who were present in the Middle East long before Muhammad.

The choice of violence and terrorism seen as a religious act in praise of Allah that purifies the world by destroying the enemies of Islam is linked to the Islamic world.

What weight does this interpretation of Islam have?

A survey by the Palestinian Center for Public Opinion published by AsiaNews [1] March 4, 2009, showed that at least 30% of respondents in several Muslim countries - Egypt, Palestine, Turkey, Azerbaijan, Pakistan, Jordan and Morocco - supported the use of bombs and murder to achieve political and religious purposes.

A large majority supported the goal of al Qaeda to “push the U.S. to remove its bases and its military forces from all Islamic countries”. These include 87% of Egyptians, 64% of Indonesians, 60% of Pakistanis.

Other aims of al Qaeda also received wide support. Among these, “the strict application of sharia law in all Islamic countries and the unification of all Islamic countries into a single Islamic state or Caliphate” received the support of 65% of Egyptians and 48% of Indonesians, 76% Pakistanis and Moroccans. “Keeping Western values out of Islamic countries”, another of the organization’s goals gained the support of 88% in Egypt, 76% in Indonesia, 60% in Pakistan and by 64% in Morocco.

Support for figure of Osama bin Laden - still alive at the time – was more contentious With the exception of Egypt (with 44%), and the Palestinian territories (with 56%) in other countries, “positive feelings” towards him reached 14% in Indonesia, 25% in Pakistan, 27% in Morocco; 27% in Jordan, 9% in Turkey and 4% in Azerbaijan.

We can say that this mentality is still present, even after the death of Osama bin Laden. Tony Blair, former British prime minister, in an interview with the BBC (09/10/2011) said that the West “had beaten Al Qaeda militarily,” but it has not yet won “from the ideological point of view.”

There is therefore a discreet influence of this Islamist mindset in the Muslim world. It is enhanced by two other factors:

1) the silence of the moderate or modernizing Muslim world, that wants a reform of Islam based on a new interpretation of the Koran and Sharia law subject to universal human rights;
2) the spread of Islamist thinking through the preaching in mosques and Islamic schools.

Because of this, in recent decades Islamic propaganda has been on the steady increase in countries in the Middle East with mosques, movies, books, videos, use of the veil, the beard, the practice of Sharia law. Such propaganda has silenced the moderate voices and urged Christians to increasingly take refuge in their communities, at most resisting this new type of colonization, by remaining anchored to their tradition.

The political use of Islam was accelerated in 1979 with the Iranian revolution and the assault on the Twin Towers in New York in 2001. However, it mainly feeds on a sense of crisis that pervades Muslim communities, who feel out of place in the modern world, incapable of producing influential and desirous cultures while at the same time wanting to live their religious faith.

The (easy) option is a return to the original Islam, the religious formalism proposed by the imams, who are repeating patterns taken from the past in every aspect of life: work, daily living, gender, justice, value of women, apostasy, etc..

The governments of the Middle East, all extremely fragile, depend on aid from Saudi Arabia and suspend the already marginal political value of the Christians - a minority - often they do not defend Christians, but prefer to leave more room in society to Islam, though sometimes they appeal for society to be protected from terrorism.

The West, for its part, by supporting the cause of Israel, the wars in Afghanistan and Iraq, has also chosen a conflictual path in the relationship, while maintaining economic ties, and relegating cultural and religious dialogue to last place.

Not to mention the tendency in the West to blame itself for all the problems of the Arab world, attaching them to its colonial past. A West that defends sharia as an untouchable cultural element, which defends all the rights except that of religious freedom … it must be said that these positions of the West strengthen Islamism, which is convinced of the West’s “predator” and “atheist” character and he sees in the oppression of Christians (”Crusaders”) a victory for these positions.

This situation of insecurity, war, cultural oppression is emptying the Middle East of Christians. Emigration is the road chosen by many, often forever.

In Lebanon, at the time of the Constitution in ‘46, about 60 years ago, there was a small Christian majority, compared to Muslims and Druze. Now nobody wants to do a census, but Christians have fallen below 40% (perhaps 35%). And this is undermining the country’s political balance. In other countries of the region, like Turkey, we see the Christian presence in free fall: in the space of a century it has dropped from about 20% to 1%.

Some years ago the Custody of the Holy Land presented some striking data. It claims that between 1840 and 2002, the Christian population of Jerusalem fell from 25% to 2%. In 1863, Bethlehem was an almost entirely Christian city with 4400 Christians to 600 Muslims. Even in 1922 there were still 5838 Christians and only 818 Muslims. But in 2002 the City of David is home to only 12 thousand Christians, while Muslims are now 33,500.

Dr. Bernard Sabella, of Bethlehem University, a scholar of labour migration, says that since 1948 at least 230 thousand Arab Christians have left the Holy Land; since the war of 1967 35% of the Palestinian Christian population has emigrated. It is expected that in 2020, Christians will represent only 1, 6% of the total population. The unstable political situation, tensions with Israel which slow development and job prospects, the growth of Islamism among Palestinian Muslims (in a population that once was the most secularized in the Middle East); any violent incident against churches and Christian schools, especially in Gaza are all contributing factors to Palestinian emigration.

The case of Iraq

The situation of Christian communities in Iraq is even more emblematic. Since 2003, the year of the U.S. invasion and ouster of Saddam Hussein, the country has become unstable, insecure, with fundamentalist groups that fight foreign troops, but also their Iraqi “allies”, Muslims or Christians.

The lack of security, the slowness with which the political alliances and governments were formed have increasingly deteriorated the situation.

In this sense, Christians have suffered the same trials and violence as other groups - Sunnis, Shiites, Yazidi, Arabs, Turkmen, etc. ..

The Christians were, however, a particular target of violence, to the point that many bishops feared the existence of a plan to rid Iraq of Christians, similar to the 1970s when there was one to drive Christians from Lebanon.

The culmination of this open persecution emerged in the Oct. 31, 2010, terrorists attack on the church of Our Lady of Perpetual Help in Baghdad. In the afternoon, while Sunday Mass was being celebrated, a group of youths - 14-15 years of age - fully armed with machine guns and grenades entered the church and began to shoot, detonating their grenades among the faithful gathered for the Eucharist . 55 people were killed, among them many children, women, elderly as well as two priests, along with about 70 wounded [2].

The attack was immediately claimed by the “Islamic State of Iraq”, a cell of al Qaeda in Iraq. In their rambling statement, they claim that the attack was retaliation against the Egyptian Church, “guilty” of incarcerating two Christian women who wanted to become Muslim.

It is important to note that since then they say that all Christians of the Middle East have become “legitimate targets” of the war of Islam against idolatry and against the “pollution” that Christians bring to Arab culture [3], referring to the church targeted in the attack as a “dirty den of idolatry.” [4]

Christians are therefore “legitimate targets” for allowing more dialogue between East and West, for having encouraged a growth in the values of modernity Arab culture, for affirming the dignity and equality of women and men, for offering education to girls, for nurturing a mature secular state, for accommodating all religious minorities.

This explains why in all these years in Iraq priests, bishops, but also lay faithful - Christian university students, male and female, university professors, professionals - have been targeted.

Al Qaeda is against the Christian faith and its contribution to the advancement of society, wanting to return the country to primitive Islam, where the woman stays at home and does not study, where there is no culture if not the literal study of the Koran, where pluralism is absent from society.

The bombing of the church of Our Lady of Perpetual Help has led many Muslim intellectuals to (re) discover the value of the Christian presence in the Middle East, and some have launched the slogan: Let us save the Christian presence in the Arab world [5].

The invitation of the Synod on the Middle East

One important coincidence is that a few days before the attack in Baghdad the Synod on the Churches in the Middle East had just concluded at the Vatican, where the importance of the presence of the Eastern Churches in the fabric of the Middle East was stressed.

And the Synod launched the urgent invitation to Christians to “remain” in the Middle East, not for masochistic voluntarism or blindness, but in the name of the vocation and mission that Christians have in these lands [6].

The Synod’s invitation to “stay” was voiced by Benedict XVI to the Christians of the Holy Land, during his trip in May 2009 [7].

This “stay” is an integral part of the search for a more complete religious freedom, but also that of a constantly growing collaboration as equal citizens of Middle Eastern society.

Arab Spring

A historic occasion for the implementation of this mission is the turbulence that is crossing many countries of the Middle East.

The so-called “Arab Spring” or “jasmine revolution” that began in Tunisia and spread to Egypt, Algeria, Morocco, Libya, Yemen, Saudi Arabia, and especially Syria.

All of these riots started because of hunger (rising food prices), unemployment, injustice, corruption. The many young people who participated in the demonstrations were asking in particular for dignity and work, but also democracy and constitutional reforms to eliminate the personal dictatorships that dominated their country for decades, enriching themselves and groups linked to them.

The demonstrations were mostly non-violent and without Islamic confessional elements. Indeed, especially in Egypt, the friendship between Christians and Muslims was openly stressed and the demand that the constitution ensure full citizenship to all the minorities remains.

It is true that the situation of greater freedom created by with the fall of dictators (in Tunisia and Egypt and now in Libya), is bringing out the highly organized Muslim Brotherhood or fundamentalist groups linked to al Qaeda, (in Libya), who make their influence felt.

It is possible that in future elections in these countries, fundamentalist forces may gain the upper hand, aided by their organization and perhaps even the ignorance and illiteracy of the masses.

The fear of a future dominated by fundamentalists has pushed and is pushing almost all the Christian leaders to see every change of regime in a negative way and to condemn the “Arab Spring”.

Not so among the Christian laity, who instead are divided between advocates of change and supporters of these regimes.

The most typical example is Syria for months in revolt at first, non-violent, but now in danger of generating a civil war. The leaders of Christian churches, however, continue to defend Bashar el-Assad. In the words of Melkite Greek-Catholic Patriarch Gregory III Laham, “We are not afraid of Islam. We are afraid of a chaos taking over, similar to that in Iraq. ” [8]

The pope, for his part, called on Christians to pray, but he also asked the parties to find ways of reconciliation, also seeing just demands in the requests of the anti-Assad protesters.

It is a critical moment of discernment for the Christians of the Near East, to augment the demands for justice with the need for order, security and freedom. And that is part of their mission and of their “staying”.

Concluding this overview, it is worthwhile to at least touch on some important paths that are emerging in these times and which mark that a change is underway in the Middle Eastern world:

a) increasingly the Muslim world, including Muslim institutions, are openly condemning terrorist violence;

b) many Muslim intellectuals have spoken out in defence of Christians and their presence in the Middle East, and for their contribution to society, without which their lands would become “barbaric” and places of perpetual ethnic wars;

c) facing the threat of extinction of Christians in the Middle East, the various churches are seeking ways to collaborate and to evangelize together, e with a much more solid ecumenism than in the past (see in particular Turkey, Iraq, the Holy Land);

d) the Christian communities of the Diaspora do an excellent job in supporting religious freedom in their communities of origin, but are tempted by a singularly conflictual approach to the Islamic world, without being of real help to the mission of Christians in Middle Eastern societies;

e) the West (see the U.S. and Europe) seem less interested in a Middle Eastern solutin in justice, peace and respect for human rights. Their only concern is maintaining economic ties without any political or cultural dialogue;

f) the churches of the West are engaged in charity and in solidarity with the churches of the East, but hesitate to suggest ways of engagement in
Middle Eastern societies inspired by the social doctrine of the Church; at the same time they fail to influence their governments to bring political and cultural pressure to bear on the Middle Eastern States.

[1] Cfr.: AsiaNews.it, 04/03/2009, Islamic countries reject al Qaeda, but also American policy.

[2] For the massacre’s story told by the injured, s. AsiaNews.it, 11/25/2010 The martyrs of the massacre in Baghdad, a sign of unity for all Iraq’s Christians (by Simone Cantarini) and AsiaNews.it, 11/30/2010 I try to forget, but I will always see the blood stained church of Baghdad (by Giulia Mazza).

[3] Cfr AsiaNews.it, 11/03/2010 Al Qaeda threat: Christians are legitimate targets.

[4] Cfr. CBN News, 11/05/2010, Al Qaeda Group Promises Attacks On Iraqi Christians.

[5] For all, s. AsiaNews.it, 11/13/2010 Christians in the Middle East essential for the survival of the Arab world.

[6] Cfr the nn 106-110 of Instrumentum Laboris on “The Catholic Church in the Middle East:Communion and Witness”, Vatican City, 2010; the No. 5 of “Message to the People of God” (cfr. AsiaNews.it, 10/23/2010, Synod for the Middle East: a Message to the People of God ).

[7] Cfr. AsiaNews.it, 05/10/2009, Pope prays Christ will give “his courage” to the Christians of the Holy Land.

[8] Cfr. AsiaNews.it, 08/09/2011 The Pope’s appeal and the fears of Christians in Syria.  

 

AsiaNews-09/14/2011 12:12

Vor seiner Rückkehr nach Libyen trifft sich Bischof Martinelli mit Vertretern ziviler und kirchlicher Institutionen

Rom (Fidesdienst) – „Gestern durfte ich dem Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten im Vatikan, Erzbischof Dominique Mamberti, und dem Apostolischen Nuntius in Libyen, Erzbischof Tommaso Caputo begegnen“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, zum Fidesdienst. Der Bischof wird bald nach Libyen zurückkehren. „Gestern“, so Bischof Martinelli weiter, „wurde ich vom Innenministerium zu einem Treffen mit dem italienischen Innenminister Maroni und seinen Mitarbeitern eingeladen. Dabei ging es vor allem um das Problem der Immigration. Man wollte meine Position zum Thema Zuwanderung in Italien und in der Europäischen Union und zur Rolle der katholischen Kirche diesbezüglich hören. Meine Gesprächspartner zeigten großes Interesse und große Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Ereignisse in Libyen“. Im Laufe des heutigen Vormittags wird Bischof Martinelli vom Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Erzbischof Fernando Filoni, zu einem Gespräch empfangen. (LM)

Fidesdienst, 14/09/2011