Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie In memoriam.
26.11.2011 von dragonX6.

Es ist still geworden um den vor jetzt 70 Jahren in Breslau abgestürzten deutschen Jagdflieger. Der Medienhype um seine „Entehrung“ ist selbst schon Geschichte. Mit den beiden Biografien von Horst Braatz und vor allem von Hermann Hagena, dem eine beachtliche Vertiefung von seitens des MGFA leichtfertig in Abrede gestellten Tatsachenerkenntnissen gelang, ist das Historische weithin ausgeleuchtet.
Stationen eines Lebens, das nur 28 Jahre dauerte: Halbwaise, Gruppenführer im katholischen Schülerbund „ Neudeutschland“, Offiziersausbildung im Heer der Reichswehr, Jagdflieger in der Luftwaffe, zuerst in Spanien – Legion Condor – dann an West- und Ostfront des Zweiten Weltkrieges.
Was hat die Person des Werner Mölders in das Gedächtnis so vieler Menschen eingegraben? Natürlich auch die propagandistische Vermarktung des „Flieger-Asses“ durch die damalige politische Führung (die sich darin nicht von der Praxis der übrigen kriegführenden Staaten unterschied); durch einen Heldenkult um das Ritterkreuz, mit dem sich das „neue Deutschland“ selbst feierte – im Gegensatz zu dem Glauben, dem der „NDer“ Mölders treu blieb. Und schließlich durch die untergründige Erkenntnis, dass dieser Fliegeroffizier weder PG noch vom Typ her „bewährter Kämpfer“ im Sinne der ehrabschneidenden Antifa-DDR-Kommunisten war.
Mölders war und blieb schlicht „anständig“, als andere sich dem Taumel des NS-Regimes oder dem Karrierismus einer (noch) siegreichen Armee hingaben. Er wollte einem – neuen – Deutschland dienen. Ahnungen, dass der NS-Staat diesen Motiven in keiner Weise entsprach, sind ihm wohl im Verlauf des Russlandfeldzuges verstärkt bewusst geworden. Sein Abschied von dieser Welt war ein wortloses Schulterzucken in der abstürzenden Maschine.

Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck hat sich in seinen „Memoiren“ in der Darstellung der „Mölders-Affäre“ ein Charakterbild geschaffen, das für sich spricht. Den Wert soldatischen Dienens und die davon abgeleitete Würde des Soldaten von politischen Zwecksetzungen des Einsatzes abhängig zu machen, wird einmal auf Struck selbst zurückfallen. Seine „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dürfte an moralischer Qualität den seinerzeitigen Spanieneinsatz damaliger deutscher Soldaten wohl nur bedingt übertreffen.
Auch die eher glücklosen Nachfolger Strucks haben die „Causa Mölders“ entweder als Petitesse rubriziert oder unter (partei-) taktischen Aspekten abgetan. Zumal von den beiden – wie man meinte - prononcierten Katholiken, die Struck nachfolgten, hätte man mehr erwarten dürfen. Ihr politisches Scheitern äußert sich auch in diesem Versagen.
Mölders´ Grab auf dem Berliner Invaliden-Friedhof spricht seine eigene, schlichte Sprache. Die Ehefrau der wenigen Monate, Luise Petzold-Mölders, hat den Gatten fast 70 Jahre überlebt; sie starb am 21.April 2011 im Alter von 98 Jahren im weit entfernten Starnberg. Auch ihre Stimme ist verstummt, ohne dass Mölders und seiner engagierten Frau Gerechtigkeit widerfahren wäre.

Beter scheinen eher seltene Besucher auf jenem Invalidenfriedhof zu sein. Was sollten sie Gott auch sagen – in der (abgelehnten) Vertretung der hier Ruhenden? (Minister de Maizieres Einladung zum Gebet selbst für den „terroristischen“ Gegner blieb selten unbestimmt.) Zeitgenössische (Soldaten-) Gebetbücher deutscher Zunge finden dazu ebenfalls keine Worte mehr. Einen möglichen Grund für dieses Schweigen hat vielleicht der berühmte Wehrmachtspilot und spätere Luftwaffeninspekteur Günther Rall benannt:
“…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.
Wie kann man dann beten? Im Judentum wird auch für die Gefallenen des Krieges das Kaddisch gesprochen, ein einziges Lob Gottes angesichts der Endlichkeit des Irdischen. Es macht nachdenklich, wenn neuerdings die hehren Kriegszwecke zum Inhalt solchen Betens werden.
Ein deutscher Soldat fand während des Krieges bei einem gefallenen Russen den folgenden Text:
Hörst du mich, mein Gott?
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so mit dir gesprochen…
Doch heute, heute will ich dir dafür danken.
Du weißt, seit meiner Kindheit hat man mir gesagt,
dass du nicht existierst.
Und ich habe es geglaubt. Ich war ein Narr.
Die Schönheit deiner Schöpfung tat sich nie vor mir auf.
Auch heute Nacht gebe ich dir Recht,
aus der Tiefe des in mir aufgerissenen Kraters,
über dem der Sternenhimmel glüht.
Staunend verstehe ich deine Nachricht….
Ich weiß nicht, mein Herr,
ob du deine Hand nach mir ausstreckst,
trotzdem möchte ich dir sagen,
und Du verstehst bestimmt:
es ist ein Wunder, dass inmitten der sichtbaren Hölle
mein Herz sich leicht anfühlt und
ich dich erkenne.
Was könnte ich sagen?
Nur das, dass ich glücklich war,
als ich dich erkannte.
Es ist sehr gut bei Dir zu sein …

Diese Worte haben auch heute auf dem Invalidenfriedhof ihren Platz und ihre Berechtigung. Auch am Grab von Werner Mölders.
Geschrieben in In memoriam, Militärgeschichte, Bundeswehr | Keine Kommentare »
14.11.2011 von dragonX6.
Seit über 20 Jahren, in denen ich regelmäßig nach Fulda komme – in der Zeit von Militärbischof Johannes Dyba mehrmals im Jahr- , besuche ich jedes Mal hinter der ehrwürdigen Abtei- und heutigen Domkirche, im Hof des Priesterseminars, das Grab eines mir immer noch unbekannten Soldaten. Er liegt dort als 20jähriger Gefreiter, gefallen am 1. April 1945, in einer Begräbnisstätte, wie sie ursprünglich für die Soldaten der Wehrmacht vorgesehen war.
Was hat diesen jungen Menschen, der sich kaum um das Nazireich besondere Verdienste erworben haben kann, hierhin verschlagen? Warum musste er wenige Tage vor dem Zusammenbruch noch sein Leben verlieren? Wofür glaubte er kämpfen zu sollen? Fragen, die sich heute vielleicht ebenso wenig beantworten lassen wie damals.

Franz Matezik, dem Namen nach wohl österreichischer Herkunft, hat dennoch Glück gehabt. Er ruht bis zum Tag der fröhlichen Auferstehung in der auch geistigen Mitte Deutschlands, nahe bei dessen Apostel und geistlichen Vater Bonifatius. Sein Opfer-Status ist klar: er verlor sein Leben – und wir wissen nicht warum. Die Kirche gibt ihm Heimat, ohne selbst einen tieferen Sinn seines Todes ergründen zu können.
Die Presse des Landes hat in diesem Jahr kaum ein Wort zum Volkstrauertag gefunden; ein vorgebliches Scandalum wurde mit Getöse angeschoben. Nur in der Provinz, in der die kriegstoten Soldaten oft, in Stein gemeißelt, noch „Helden“ oder „Krieger“ heißen, sprechen die Redner – immer öfter die Pastoren – von Gewalt und Krieg (man beachte die Reihenfolge!), die doch überwunden werden müssten – endlich!

Von “Freiheitskämpfern” in Sirte ermordete (gefangene) libysche Regierungssoldaten
Welche Scheinheiligkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten, zumal der GRÜNEN unter ihnen: Sehen sie die ungezählten Opfer der Menschenrechts-Kämpfer, die von ihnen gezogene Blutspur, nicht? (In Libyen schätzt man zwischen 30.000 und 100.000 „Opfer“.)
Es ist der Krieg, der uns nicht selber trifft, der uns alle in – nennen wir es nur beim Namen – in desinteressierter Distanz verharren lässt, ohne dass Herz und Seele ergriffen würden.
Worum dann also trauern?

Die Gefallenen der Bundeswehr sind in gewisser Weise „Opfer“ dieses Sachverhalts. Selbst der Bundespräsident hat ihnen in seiner diesjährigen Ansprache im Bundestag diesen anonym-sinnstiftenden Status aberkannt. Wie ihre Vorgänger, die deutschen Soldaten der Weltkriege, „starben“ sie, „verloren sie ihr Leben“. Kein Dank des Vaterlandes; man kann auch nicht – wie im Vorjahr – erneut eine Gefechtsmedaille stiften. Die Tröstungsaufgabe wurde diesmal an den Generalinspekteur am Ehrenmal der Bundeswehr delegiert.
Die Politik wendet sich – so Bundespräsident Wulff – gegen Gewalt und Krieg (!), sie hofft auf Versöhnung, trägt und übernimmt Verantwortung für den Frieden.
Zum „Opfer“ wird, wer auf diesem Weg einen Preis zahlen muss.

Mein „unbekannter Soldat“ hat auch darum Glück, weil er sich weder Heldentod noch die Hingabe an höchste Ziele zusprechen lassen muss, die allesamt mehr mit Gewalt zu tun haben, als Redner zu bedenken oder auszusprechen vermögen. Seine Leiden und die der Seinen, die weithin nicht mehr dieser Welt angehören dürften, sind ausgestanden. Es bleibt ihm der Friede des behüteten Grabes und die Erwartung der Ewigkeit.
Harald Oberhem
Geschrieben in In memoriam, Kirche, Bundeswehr | Keine Kommentare »
2.8.2011 von dragonX6.
Der Priester und Hochschullehrer Ernst Josef Nagel starb wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag; eine angemessene Würdigung von Person und Gesamtwerk, zumal er auf Ehrungen nur begrenzten Wert legte, wurde effektiv durch seinen Tod verhindert. Der 10. Todestag bot jetzt einen Anlass, ein solches Gedenken nachzuholen.
Ernst Nagel war Kölner, beherrschte das Idiom, das er in heimischer Umgebung, zumal der Familie, gern sprach und war ein Mann (und Seelsorger), der wusste, wie die Menschen lebten und was sie zu diesem Leben brauchen. Und er half vielfach; persönlich lebte er anspruchslos.
Kein Wunder, dass er ursprünglich Missionar werden wollte und der Gesellschaft vom Göttlichen Wort (SVD) beitrat. Ihr blieb er persönlich auch dann noch verbunden, als er in das Bistum Essen inkardiniert wurde.
Er war Priester. Das war seine eigentliche Berufung, die er in verschiedenen Formen verwirklichte: sei es in Brasilien, wo er studierte und die schwierige Lage der Kirche in der dortigen Gesellschaft kennen lernte, als Mitarbeiter in der Bonner „Zentrale“ der Militärseelsorge und als Standortpfarrer oder später als Hochschullehrer an der Hochschule der Bundeswehr Hamburg. Er war das, was man heute in der kirchlich rechten Ecke abschätzig „Krawatten-Priester“ nennt. Berufung und Amt leben jedoch , wie man an Nagel lernen konnte, nicht von der textilen Ummantelung, sondern von Herz, Glaube und Vernunft. So konnte er vielfach Vermittler sein, obwohl er dezidierte Grundsätze und Überzeugungen hatte, die er nie zur Disposition stellte. Seine Konzilianz und sein umfängliches Wissen machten ihn zum Gesprächspartner römischer Dikasterien, des Episkopats, hoher militärischer Führer, von Politikern, aber auch der kirchlich gebundenen Friedensbewegung. Besonders wichtig war ihm jedoch das Gespräch mit seinen Studenten, den studierenden Offizieren der Hamburger Bundeswehr-Universität. Nicht selten ergab sich dabei ein grundlegender Rekurs auf zentrale Fragen katholischer Dogmatik. In der (Sozial-) Ethik sah Nagel immer das Einfallstor des Ewigen in die menschliche Person.

Prof. Glatzel, Weihbischof Grave, GV Wakenhut (v.l.) beim Gedenkgottesdienst im Kleinen Michel am 15.06.2011)
Als Theologe war Nagel konservativ. Nicht was seine praktischen Themen angeht, die er mit Leidenschaft und erstaunlichem Fleiß aufarbeitete; in jeder freien Minute hatte er ein Buch in der Hand, um selbst zu lernen. Aber seine Methodologie fußte auf einer „aufgeklärten“ Variante der Neuscholastik, die sich – zumal in moralibus – immer wieder als sehr flexibel herausstellt und in ihrem handlungstheoretischen Ansatz vielfältige Zugänge zu einer normativen Ethik eröffnet. Darum ging es ihm: die argumentative Lösung praktischer Fragen, die dem Gewissen unterliegen. Meta-ethische Diskurse hielt er für unfruchtbar, weil sie dazu tendieren, in´s Allgemein-Theoretische abzuheben, wenn es gerade darum geht, dringliche praktische Fragen nicht allein (politischer) Pragmatik auszuliefern, sondern auch ethisch zu reflektieren. Ohne ethische Urteilsbildung war ihm aber (verantwortbares) menschliches Handeln nicht vorstellbar.
Ernst Nagel gelang es, ein großes Spektrum sozial-ethischer Fragestellungen unter dem Rubrum „Theologie und Ethik des Friedens“ zu verhandeln. Sein Schriftenverzeichnis beweist es. Dabei ging es aber letztlich immer um Konkretes. Der Bamberger Sozialethiker Norbert Glatzel, langjähriger Weggefährte Nagels, hat in seinem jetzigen Festvortrag entwickelt, wie Nagel in diesem Sinne die Grundsatzfrage der umstrittenen Erlaubtheit der atomaren Abschreckungsdrohung zu lösen versuchte. Darf man mit einem Mittel von Krieg abzuschrecken versuchen, dessen tatsächliche militärische Anwendung keine verantwortbare Option darstellt? Nagels Antwort ist zugleich realistisch wie prinzipientreu. Dazu muss man aber die in Frage stehenden politischen und militärischen Implikationen sehr genau studiert und abgewogen haben. Die Moral muss mit der Welt so rechnen, wie sie tatsächlich ist – bzw. konkret werden kann. Gesinnung gehört nicht zur Sphäre praktischen Handelns.
Nagel scheute sich nicht, die von ihm gesehenen Lösungen auch dann öffentlich zu benennen, wenn sie weniger willkommen waren. So stieß er bei einem Vortrag in der Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr zur „Kapitulations-Ethik“ auf massiven Widerspruch. Die Zuhörer wähnten sich mit dem pazifistischen Diktum „Lieber rot als tot“ konfrontiert. Solche Situationen intellektuell aufzulösen, war Nagels Interesse. Moral vollzieht sich im vernunftbestimmten Handeln. Der ethische Diskurs ist dazu ein – oft unverzichtbares – Mittel. Das letztliche Urteil darüber aber, ob ein Mensch der Herausforderung des Guten entsprochen hat, steht keiner irdischen Instanz zu.

Norbert Glatzel weist zu Recht darauf hin, dass Nagel, der die von dem Jesuiten Bruno Schüller vertretene „teleologische Normenbegründung“ in sein Denken übernommen hatte, bis zum Ende seines Lebens Probleme damit hatte, das unbedingte Verbot der Tötung des Unschuldigen zu rechtfertigen. Das moralische Axiom als solches war ihm dabei unstrittig. Die Antwort, dass die Anwendung von Gewalt auf wenige Grenzfälle beschränkt werden müsse, reicht nicht aus. Wird vielleicht hier nicht die anthropologische Tatsache ansichtig, dass die Möglichkeiten des konkreten Menschen immer begrenzter sind, als die Vernunft, auch die der ethischen Urteilsbildung, es ihm nahezulegen scheint?
Manche Versuche, die ich unternahm, um Nagel für „kriegsethische“ Fragestellungen zu interessieren, wurden eher unwirsch abgewiesen. Dies sei kein praktisches Problem (in Deutschland, für die Soldaten der Bundeswehr). Der geführte Krieg war (und ist tatsächlich) etwas anderes als die Abschreckung desselben. Vielleicht spielten für Nagel hier auch Kriegserinnerungen der Kindheit eine Rolle, über die er nie sprach. All das ist heute anders. Nagel hat die ersten „Einsätze“ deutscher Soldaten der Bundeswehr in den 90er-Jahren erlebt, aber wohl kaum einen Zusammenhang mit langfristigen politischen Konzepten gesehen. Er starb quasi „rechtzeitig“ vor dem 11. September.
Das tat er mit bewunderungswürdiger Gelassenheit. Als lebenslanger, starker Raucher schwarzer Zigaretten empfand er die Krankheit wohl nicht als ungerechtes Schicksal. Zum Tod meinte er, er sei eben neugierig, „was dann kommt“.
Nagels Lebenswerk, das Institut für Theologie und Frieden, lebt auf jeden Fall weiter. Eine neue Generation von Wissenschaftlern denkt die Fragen des Friedens unter veränderten Umständen und vielleicht auch mit neuen Zielsetzungen.
Wer Ernst Josef Nagels Grab auf einem Kölner Friedhof besucht, findet einen schlichten Grabstein mit der Inschrift „Nagel“. Er teilt diese Ruhestätte mit seinen Eltern. Der (auch körperlich) große Mann wußte sich im Tod zurück zu nehmen. Seine Überzeugung war es, dass sein Werk aus sich heraus wirken würde. Ob diese Hoffnung in Erfüllung geht, steht noch dahin. Im Wikipedia-Beitrag zum IThF wird sein Name nicht erwähnt.
Harald Oberhem
(Wiss. Mitarb. von Prof. Nagel an der HSBw (1977-1981) u. GeschF des IThF)
Geschrieben in In memoriam, Kirche, Militärseelsorge | Keine Kommentare »
24.6.2011 von dragonX6.
Am Pfingstsonntag starb der Paderborner Priester Karl Heinz Kloidt, der von 1975 bis 1991 seinen Dienst als Referatsleiter im Katholischen Militärbischofsamt in Bonn leistete.
Seine Person verdient ebenso wie der zeitgeschichtliche Kontext seines Dienstes einige Anmerkungen. Sie sind in gewisser Hinsicht paradigmatisch.
Kloidt war nicht nur ein freundlicher und – wenn er nicht provoziert wurde – umgänglicher Mensch, sondern einer, der die Menschen liebte. Er hatte Interesse an ihrem Leben, freute sich, wenn es ihnen gut ging. Er hatte als Seelsorger ein „weites Herz“, und das auf eine ganz zivile Weise. Denn er war nie Militärgeistlicher in der Truppe. Nach Kaplansjahren in den 50ern war er 15 Jahre lang Religionslehrer in den Dortmunder Berufsschulen. Bei „seinen Frisösen“, wie er gern sagte. Ja, die Härte und das Markige gingen ihm ab.
Ein Grund dafür dürfte aber militärisches Erleben gewesen sein. Er gehörte zu jener Gruppe Eschweger Oberschüler, die am 3. Oktober 1943 als 16-Jährige in einem Kasseler Vorort durch eine britische Fliegerbombe in ihrer Flak-Stellung getroffen wurden: 23 waren sofort tot, viele verwundet – darunter Kloidt.
Nach der Genesung diente er als schlichter Grenadier in der Wehrmacht, bis er im August 1944 – unweit von Lourdes – in französische Gefangenschaft geriet, von deren „erstem“ Teil – der Schinderei in den Bergwerken – er eigentlich nie sprach. Um so lieber tat er das vom „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ bei Chartres und seinem Regens, Abbe´ Franz Stock, das er - wieder als „Benjamin“ – als Ort der Berufenen und der Berufung erlebte. Der Krieg hatte diese Seminaristen auf den Weg Gottes gelockt.
Hauptinhalte seiner Tätigkeit in der Militärseelsorge waren für Kloidt die Soldatenwallfahrt nach Lourdes und das „Schriftenwesen“ – vom Soldaten-Taschenkalender, den Druckschriften für den Lebenskundlichen Unterricht bis zum „Soldat in Welt und Kirche“, dem heutigen KOMPASS. Wie sein Vorgänger Ludwig Steger genoss er dabei die großen Zahlen: 3500 katholische (!) Soldaten alljährlich bei der jungfräulichen Gottesmutter am Rande der Pyrenäen, 100.000de Kalender in die Truppe ausgießen, das machte stolz. Kein Gedanke an die kleine Herde. (Die Bundeswehr der Einheit und die Seelsorgearbeit in ihr hat er darum – von außen – bestaunt, aber wohl nicht mehr verstanden). Weil er durch seine Art des Schuldienstes mit weiblichen Wesen umzugehen verstand, konnten kompetente und engagierte Frauen im Seelsorgereferat Stätten der Entfaltung finden – obwohl sie keine Religiosen waren. Das war dazumal in der Bonner Seelsorgezentrale keineswegs selbstverständlich.
Wie aus den einschlägigen Anzeigen ersichtlich, wurde Karl Heinz Kloidt in der für seinen Bereich üblichen Weise geehrt. Weil er nicht zuletzt der deutschsprachigen Gruppe der Militärseelsorger in Lourdes ein freundlicher und integrativer Mitbruder gewesen war, erhielt er hohe Orden aus Österreich, Luxemburg und dem eigenen Land. Er hatte tatsächlich manch Gutes – auch mit Geld – unprätentiös und im Stillen bewirkt. Das galt – in noch größerem Maße – für die Kooperation mit der französischen Pilgerleitung. Es fiel darum auf, dass die Französischkenntnisse Kloidts begrenzt blieben, und auch Ritter der Ehrenlegion wurde er nicht. Das Verhältnis zu den französischen Aumoniers war gut und herzlich. Die Militärkultur des Landes blieb ihm aber offensichtlich fremd; vielleicht roch sie ihm zu viel nach Krieg.
Kloidts Militärseelsorgedienst fiel in die Mitte bundesrepublikanischer Zeiten. Die Bundeswehr war „fertig“ aufgestellt. Es schien, dass es ewig so bleiben würde. Breite statt Tiefe war das allgemeine Motto. So auch in der Kirche. Nach Konzil und Gemeinsamer deutscher Synode schien es nur noch ein „weiter so“ zu geben. Das Grollen tektonischer Verschiebungen in Weltpolitik und Gesellschaft nahmen nur wenige wahr.
Karl Heinz Kloidt zog sich nach Wiedervereinigung und Hauptstadtverlegung quasi rechtzeitig in das selbst für die kirchlichen Verhältnisse der Bonner Republik konservative Paderborner Oberntudorf zurück. Den Absturz der kirchlichen Verhältnisse in den letztvergangenen Jahren noch bewusst zu erleben, dürfte die Krankheit ihm erspart haben.
R.i.P.
Harald Oberhem
Geschrieben in In memoriam, Kirche, Militärseelsorge | Keine Kommentare »
23.2.2011 von dragonX6.
Seit dem frühen Mittelalter ist es in der katholischen Tradition üblich, dass am Jahrtag des Todestages eine spezielle Messe gefeiert wird, die der commemoratio (Erwähnung, Erinnerung, Vergegenwärtigung) des oder der Verstorbenen gewidmet ist. Im Sakrament der Eucharistie sind Tote und Lebende real in Gott vereint. Der Tote wird mit Namen angesprochen, durch Fürbittgebet, vor allem durch Darbringung des Messopfers, wendet sich die betende Gemeinde an Gott, den Herrn, der Seele des Verstorbenen ewige Seligkeit und dadurch wahren Frieden zu gewähren. So war es auch im vor-reformatorischen Sachsen; die Annalen des Meißener Domes belegen, dass auch die Fürsten des Landes nur einmal im Jahr dieses Gedächtnisses teilhaft werden konnten.

Im Dresden des 21. Jahrhunderts ist diese Form der Commemoratio einer quasi Polit-Festival-Woche, beginnend mit dem 13. Februar, gewichen.

Am Todestag der 25 oder auch wieviel Tausend Frauen, Kinder, alter Menschen, Flüchtlinge wird ein weltanschaulicher Kampf um die Deutungshoheit über die Vernichtung Dresdens ausgefochten.
Und – so meinen die Beteiligten – wer diesen Akt unendlicher Zerstörung, grausamen Todes und der Hoffnungslosigkeit „richtig“ besetzt, dem gehöre die Matrix deutschen Geschichts- und damit Selbstverständnisses.

Sie alle irren sich.

Am perfidesten agiert die Antifa-Linke, der sich das Spektrum bis weit in die SPD, Grünen, ja vereinzelt sogar bürgerliche Kreise öffnet. Ihr einziges Ziel ist die Solidarisierung in einer Quasi-Volksfront gegen „Rechts“, vereinfachend „die Nazis“ genannt. Verschwiegen werden die Jahrzehnte, in denen die SED seit Beginn der 50er Jahre alljährlich hunderttausende von Demonstranten gegen kriegsverbrecherischen NATO-Faschismus aufbot, der sich schon im Verhalten der angelsächsischen „Luft-Gangster“ im Februar 1945 gezeigt habe. Bis in den Sprachgebrauch wurde die Goebbels´sche Untergangspropaganda imitiert. Im Vergleich dazu sind die heutigen „Rechten“ fast zurückhaltend.
Und – noch grundlegender: Für Marxisten sind die realen Toten auf der falschen Seite der Barrikade im historischen Klassenkampf ohne jeden Wert. Warum sich ihrer erinnern? Sie degenerieren zum Anschauungsmaterial eines geschichtlichen Prozesses.
Die „Rechten“ haben das moralisch-rechtliche Thema des „Gedenkens“ zwar erfasst, aber in einer unerträglichen Weise. Ob die Luftkriegführung des Bomber-Command und seiner amerikanischen Helfer, damals und/oder heute als völkerrechtswidrig und ethisch als Kriegsverbrechen zu qualifizieren ist, hat mit jenen Menschen nichts zu tun, die vor 66 Jahren ihr Leben verloren haben. Die Trauer um das Schreckliche, das unseren Eltern, Groß- und unterdessen Urgroßeltern geschah, ist gegenüber Schuldfragen indifferent. Im Tode und dem Reich ewigen Friedens gibt es keine Opfer und darum auch keine Täter mehr. Wer aber die Frage nach Schuld und Sühne politisch instrumentiert, hat die wahre religiöse und kulturelle Tradition unserer Nation nicht verstanden.
Bleibt noch die Menschenkette. Sie bildet – natürlich auch stark politisch-taktisch motiviert – die Front der heimlichen „Aufrechner“. Die irgendwie doch „reale“ moralische Schuld der Kommandeure und Flieger der Bomberflotten wird sogleich in Beziehung gesetzt zur („viel größeren“) Kollektivschuld der Deutschen im Kontext des Nationalsozialismus. Die die Lebenden betreffenden ethischen Fragen bleiben so unbesprochen, weil verschwiegen. Das ungerechter Weise Erlittene der Eigenen wird der Ewigkeit anheimgegeben, die jeweils anderen Botschafter nehmen in der ersten Reihe der Trauergemeinde in Dresden wie bei der Einweihung des Air-Marshal Harris-Denkmals in London Platz.
Man nennt dies „Versöhnung“.Ein solches Schweigen wird auf Dauer keinen Bestand haben. Trauer fordert als Zugangsschlüssel die Wahrheit. Und zwar die eigene, nicht aber Parolen. Die angelsächsischen (politischen) Bündnispartner scheinen davon besonders weit entfernt, wie nicht zuletzt ihr letztlich unverändertes Verständnis von Krieg und Kriegführung nahelegt.
Auch die Dresdener haben noch einen Weg selbstkritischer Erinnerung zurück zu legen, die Mehrheitskirche zumal, deutsch-christlich oder als „Kirche im Sozialismus“ belastet. Hier gibt es unsichtbare Mauern, die es schmerzhaft zu überwinden gilt.

Immerhin haben einige Hundert Menschen den Weg zum Heidefriedhof gefunden, der Ruhestätte der Opfer jenes Februars. Die Offiziellen kommen auch hier nicht ohne „Versöhnungsrituale“ aus. Auch die Hinweise auf die „Verkehrten“ – im Gegensatz zu den Dresdnern – (gemeint sind natürlich die „Nazis“) dürfen nicht fehlen. Aber das Gedenken wird doch leiser.
Die von der Neu-Dresdnerin Malgorzata Chodakowska aus Lodz geschaffene Skulptur vom „Trauernden Mädchen am Tränenmeer“ kommt ohne Kommentare aus. Nur der schweigende Gang der Teilnehmer durch den Ehrenhain, mit dem die Zeremonie ihren Abschluss findet – kann das das letzte Wort sein?
Vielleicht hat der Dresdner Bischof Joachim Reinelt doch eine Chance vergeben, dass er den auf päpstliche Einladung zu feiernden Weltfriedenstag drei Tage vor dem Gedenktag in der abseits gelegenen alten katholischen Garnisonkirche Sankt Martin beging – mit Soldaten der Bundeswehr.
Warum nicht in der Hofkirche, mit deutschen Soldaten und den Katholiken Dresdens? Es dürfte der Mut gefehlt haben, sich demonstrativ in katholischer Commemoratio dem öffentlichen politischen Kampf entgegen zu stellen. Stattdessen selbst in der Albertstadt die Warnung vor „nationalsozialistischem Gedankengut“.
Und so gehörte denn diese Woche der Trauer und des Gedenkens den siegreichen Kämpfern der „Antifa“. Das Neue Deutschland triumphiert: „Nazis frustriert, Polizei überfordert, Antifa happy“. Wenn der Rechtsstaat nicht mehr in der Lage ist, politischen Extremismus durch Gerichte auszuschalten, kommen schwere Zeiten auf uns zu. Ja, sie sind schon da, wenn der linke Mob die öffentliche Gewalt – im wahrsten Sinne des Wortes – zum vorgeblichen Schutz des demokratischen Gemeinwesens ausüben darf. Umso wichtiger wird eine neue, sprich: die traditionelle Form wirklichen Gedenkens.
Geschrieben in In memoriam, Kirche, Militärgeschichte, Militärseelsorge | Keine Kommentare »
31.1.2011 von dragonX6.
Der Geist der „Bonner Republik“ lebte von Männern wie den Gebrüdern Wirmer. Die Neu-Berliner Republik hat den Namen, trotz Gedenkschild, längst vergessen. Das neue Berlin will insofern wohl auch kaum daran erinnert werden, als es mit den Antifa-mäßig aufpolierten Legenden der NS-Haupstadt-Epoche schwer zusammenpasst, dass Berliner Bürger von außerhalb zum Kern des tatsächlichen Widerstandes gehören.
Beide Brüder – aus Westfalen stammend, katholisch, korporiert (KV) – wurden Juristen. Dabei schien der ältere, Josef, mehr Glück zu haben.

Zu jung, um dem Ersten Weltkrieg ausgeliefert zu werden, alt genug, um die berufliche Karriere rechtzeitig vor der „Machtergreifung“ begonnen zu haben. Kein Klerikaler, kein (Krypto-) Monarchist. Josef Wirmer gehörte zu denen, die sich zu Weimar bekannten und darum ein Zusammengehen von (katholischem) Zentrum und Sozialdemokratie forderten und unterstützten. Er wusste, wie Politik „geht“. Und er ließ sich den Blick nicht trüben, was den NS anbelangt – ganz im Gegensatz zu den politischen Prälaten und nicht wenigen Bischöfen, vielleicht ein Stück weit auch der Vatikan. Josef war darum schnell der „Rote Wirmer“.
Wirmer muss klug, geschickt und unprätentiös gewesen sein, sonst hätte er seine zentrale Rolle zwischen Goerdeler und den Gewerkschaften nicht bis zum 20. Juli so effektiv spielen können. Er war – natürlich – prinzipienfest und mutig. Im Gegensatz zu manchem Widerstandskämpfer von Stand und/oder in Uniform ließ er sich vom Preußentum seiner Gegenwart, mit dem sich auch die Nationalsozialisten zu tarnen suchten, nicht beeindrucken. Er war war Bürger, zivil,

im besten Sinne des Wortes. Wie kaum ein anderer widerstand er dem Satan, Roland Freisler, in´s Angesicht und starb wie ein Mann. Als gläubiger Katholik wusste er, dass vor dem Antlitz Gottes schmählicher Tod und völliges Scheitern nicht das letzte Wort haben. Nur solches Wissen will erlitten sein.
Der jüngere Bruder Ernst Wirmer wurde aus politischen Gründen nach dem Gr. Staatsexamen zu keiner jurristischen Laufbahn zugelassen. So rettete
er sich quasi mit Aushilfstätigkeiten über die NS-Zeit, incl. als Leutnant der Kraftfahrtruppe. Nach der Verhaftung des Bruders in Sippenhaft genommen, lernte er die dort ebenfalls präsente Generalität durchweg von ihrer schlechtesten Seite kennen: Ignoranz und Arroganz waren ungebrochen. Wirmer sollte das nicht vergessen.
Ernst Wirmer wurde zum shooting star bürokratischer Karriere des westlichen Nachkriegsdeutschland. Als

ehemaliger persönlicher Referent Konrad Adenauers konnte er es sich leisten, in der zweiten Reihe zu stehen. Im Amt Blank war er der Mann des „Alten“ und wurde zur Verkörperung „zivilen Geistes gegen grasende Generäle“. Wirmer setzte als Vater des Art. 87b GG die Trennung von Streitkräften und Wehrverwaltung durch. Begründet mit der „Entlastung der Truppe“, gemeint und strategisch durchdekliniert als ziviler Gegenpol und Kontrollinstanz der militärischen Führung. Ernst Wirmer musste darum viele Feinde haben; seine Art des Umgangs mit Untergebenen (und Vorgsetzten) trug das Ihre dazu bei, dass ihm höchste Führungsebenen verschlossen blieben.
Als (noch) Weimarer Juristen glaubten die Gebrüder Wirmer an den preußischen Verwaltungsstaat, die Verklammerung von Verwaltung und Recht. So war denn auch die Bezeichnung der von Ernst Wirmer geleiteten Abteilung im Verteidigungsministerium. Sie stand für die neue Bundeswehr nicht weniger , wenn auch nicht in solch strahlendem Glanz, als das Konzept „Innerer Führung“ der Militärs. Diese Klammer ist organisatorisch längst aufgelöst; es hat den Anschein, dass die verbliebene Rechtsabteilung jetzt auf ein Justitiariat der Leitung reduziert wird. Die Berliner Republik wäre damit wieder im falschen Weimar angekommen.
Geschrieben in In memoriam, Zur Person, Personen, Militärgeschichte, Bundeswehr | 1 Kommentar »
11.4.2010 von dragonX6.
In Begleitung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski starb der Katholische Militärbischof für die polnischen Streitkräfte Tadeusz Ploski bei dem tragischen Flugunfall bei Smolenks.

Mit ihm fand sein Sekretär und Vize-Kanzler der militärbischöflichen Kurie, Militärgeistlicher Oberstleutnant Jan Osinski, den Tod.

Auch der Erzbischof der Polnisch-orthodoxen Kirche Miron Chodakowski, der zugleich das Amt des orthodoxen Militärbischofs wahrnahm, verlor sein Leben.

Weiterhin verstarb mit seinen Brüdern aus den anderen Militärseelsorgen der evangelisch-lutherische Militärpfarrer Adam Pilch.
Papst Benedikt XVI. nannte in seinem Beileidstelegramm an den amtierenden polnischen Präsidenten diese Militärseelsorger gleichermaßen.

Mögen sie und alle bei diesem Flug tödlich Verunglückten ruhen in Gottes Frieden!
Tadeusz Ploski, ein mit höchsten kirchlichen, militärischen und akademischen Würden ausgestatteter Priester, blieb trotz alledem ein bescheidener, eher zurückhaltender Mann, der aufmerksam zuhörte, wenn er auch manchmal eher vorsichtig antwortete. Doch was er sagte, hatte Bestand.Er war ein wirklich frommer Priester, dem das große Wort fremd war. Darum wurde er ein verlässlischer Freund der deutschen Katholischen Militärseelsorge und damit auch der Soldaten der Bundeswehr. Nichts zeigte das besser als die gemeinsamen Militärwallfahrten zum Maria-Himmelsfahrts-Fest zum polnischen Nationalheiligtum auf dem Hellen Berg in Tschenstochau, zu dem Ploski neben den Slowaken und Amerikanern auch die Deutsche Bundeswehr einlud.
Tadeusz Ploski wusste um die Untiefen selbst im ehrlich gemeinten Miteinander von Polen und Deutschen. Dialog braucht vor allem Zeit und gemeinsame, neue Erfahrungen.
Es ist tragisch, dass auch wir Deutschen künftig auf den stillen Dienst von Bischof Tadeusz Ploski verzichten müssen.
H.O.
(Bildergalerie) (Kondolenzsschreiben Militärbischof Mixa)
____________________________________________
Tadeusz Płoski (Maj. gen.; D.sc., Ph.d.) was born on March 9th 1956 at Lidzbark Warmiński (Heilsberg) as a son of Henryk and Kazimiera. He enrolled in The Hosianum Seminary in Olsztyn, where he studied philosophy and theology.On June 6th 1982, Tadeusz Płoski was ordained priest by Bishop Jan Obłąk at Olsztyn Cathedral.
He worked as a priest at St. Joseph’s Parish for a year. In the years 1983-1986, he studied canon law at the Catholic University of Lublin. In 1986, he assumed the post at the Bishop’s Curia and also at the Bishop’s Court at Warmińska Diocese as a diocesan judge of the court.In the years 1986-1992, Tadeusz Płoski was editor-in-chief of The Diocesan News of Warmia and an academic chaplain at Wyższa Szkoła Pedagiczna and Akademia Rolniczo-Techniczna in Olsztyn.In 1992, he was delegated to the Military Ordinary of the Polish Armed Forces; and, on June 1st he assumed his new responsibilities as a solicitor, and later in 1994 as the Principal of the Diocesan Department at the Military Ordinary in Warsaw.In 1993, he received the degree of Doctor of Philosophy in Canon Law at the Canon Law Department at the Catholic Academy of Theology.In 1994, he was the first military chaplain to complete Postgraduate Operational Strategic College at the National Defence University at Warszawa-Rembertów.In 1995, he was appointed dean of the Vistula Military Units of the Ministry of the Interior and Administration. After the dissolution of the military units in 2000, Tadeusz Płoski was appointed chaplain of the Government Security Office; and, in 2001 - dean of the Government Security Office.From 1995 till 2001, Tadeusz Płoski held the position of editor-in-chief of the Military Ordinary main periodical - Nasza Służba (Our Service). On May 6th 2001, he was appointed Chancellor of the Military Ordinary. From 1996, he was the custodian of the Military Ordinary Seminary students. Since 1998, he has been lecturing in Denominational Law at the Law and Administration Department, Warmińsko-Mazurski University in Olsztyn.He was appointed correspondent of the Vatican Radio and the Catholic News Agency. He was promoted to: captain - 1992, major -1995, lieutenant colonel -1998, colonel -2000, and nominated brigadier general - 2004, and major general -2006.On March 1st 1999, he received the dignity of the Prelate of His Holiness.On October 16th, 2004 Pope John Paul II appointed him to the position of the Military Bishop of the Polish Armed Forces. On October 30th 2004, he was consecrated as a Bishop and a ceremonial Ingress took place with military ceremony at the Military Cathedral in Warsaw.

On November 8th 2004 the President of the Republic of Poland nominated him to the rank of Brigadier General, and later on March 31st 2006, to Major General in the Polish Armed Forces.On November 26th , following the resolution of the 330th Assembly of the Polish Episcopacy in Częstochowa, Tadeusz Płoski was appointed National Chaplain for the Combatants. On March 9th 2005 after the Polish Episcopacy Conference, he was appointed Polish Episcopacy Delegate for the Scouts’ Affairs.On June 23rd 2005, the Prime Minister appointed him Member of the Protection Council of Battles and Martyrdom Commemoration.ON 8 may 2006, The Bishop received the Order of st. Stanislaus.On 10th May 2006, Tadeusz Płoski performed a free-fall parachute jump from the altitude of 4000 metres during an exercise of the Special Military Group Formation GROM.On October 19 2006, during the 337th plenary session of the Polish Episcopacy Conference, He was elected member of the Legal Council of the Polish Episcopacy.
On the same day, following the resolution of the General Assembly of the Polish Episcopacy, the Customs Service of the Republic of Poland was included in the range of activities of the Military Ordinary.On the 23 of November 2006, following the resolution of the General Assembly of the Polish Episcopacy, the Railway Protection Force was included in the range of activities of the Military Ordinary. During its Plenary Session between 2 and 3 October 2006, the Conference of the Polish Episcopacy elected Bishop Tadeusz Płoski Delegate of the Conference of the Polish Episcopacy responsible for the Police Force Chaplaincy.On 6th of March 2008, following the resolution of the 343 Plenary Session of the Polish Episcopacy Conference, the Military Bishop Maj. Gen. Prof. Tadeusz Płoski D.Sc., Ph.D. was elected member of the Concil for the Chaplaincy of the Youth. As a lecturer in Denominational Law at the Law and Administration Department, Warmińsko-Mazurski University in Olsztyn. He has published over 150 research papers and participated in numerous conferences and symposiums dedicated to military chaplaincy held both at home and abroad.On 11th December 2007, the Council of the Faculty of Law and Administration of the Nicolas Copernicus University of Toruń awarded him the degree of Doctor Habilitatus in Legal Science on the basis of the colloquy and the dissertation entitled “Chaplaincy in the Polish Armed Forces – a Law Study Including Human Rights and Humanitarian Law” (published in Olsztyn, 2006 by Warmińsko-Mazurski University Press). On 29th February 2008, the Senate of the University appointed the Bishop Professor; and, subsequently, nominated him head of the Section of Administration Law and Administration Science.
So far, three volumes of priestly teaching by the Military Bishop have been published: “Remain With Us, Lord – the priestly teching of the Military Bishop, Oct. 30 2004 – June 4 2006” (Warsaw, 2006), “Stay Strong in Faith - the priestly teching of the Military Bishop, June 4 2006 – April 22 2007” (Warsaw, 2007) and “God’s Mercy lasts Forever - the priestly teching of the Military Bishop, April 24 – Dec. 30 2007” (Warsaw, 2008).The sermons and homilies as well as the speeches of the Military Bishop are published on the official website of the Military Ordinary (www.ordynariat.pl) in the link called “nauczanie pasterskie” (priestly teaching) and “Wiadomości” (the News).The Bishop has been honoured with numerous state decorations including the Bachelor’s Cross of the Order of Polonia Restituta, and with the badges of numerous military establishments, veterans’ organisations, and foreign institutions, e.g. the Gold Badge of the Country’s Defence League, the Badge of the Warsaw Garrison, the Badge of the Representational Battalion, the Badge of Merit for the National of the Soldiers of the Peasant’s Battalions, the Badge of the Michał Gutowski Mounted Reconnaissance Battalion from Żagań, and the badge of the Bachelors’ Club of the Virtuti Militari War Order.On 3rd of December, the Bishop received the dignity of Honorary Colliery Director General.
2010-04-10 (Übers.: H. K.)
Feldbischof der polnischen Armee Generalmajor Prof. Dr. habil. Tadeusz Płoski ist am 09. März 1956 in Heilsberg (Lidzbark Warmiński) geboren. 1976 trat er in das Priesterseminar „Hosianum” in Allenstein (Olsztyn) ein, wo er sein philosophisch -theologisches Studium absolvierte. Am 06.Juni 1982 empfing er in der allensteinischen Kathedrale die Priesterweihe aus dem Händen des ermländischen (Warmia) Bischofs Jan Obłąk. Danach arbeitete er als Vikar in der Pfarrei Hl. Josef in Mohrungen (Morąg). In den Jahren 1983-1986 studierte er kanonisches Recht an der Katholischen Universität in Lublin. Gleich nach dem Studium wurde er in der Kurie des ermländischen Bischofs eingesetzt, wo er bis jetzt am Bischöflichen Gericht tätigt war. Bis 1992 war er Hauptredaktor der Zeitung „ Ermländische Diözesan-Nachrichten“ und akademischer Seelsorger für die Studenten der Pädagogischen Hochschule und der Agrarakademie. Im Jahr 1992 wurde er nach Warschau zum Feldordinariat delegiert. Dort war er zuerst als Notar tätig, ab 1994 als Abteilungsleiter für den Bereich der Seelsorge. 1993 erhielt er ein Titel des Doktors des kanonischen Rechts. 1994 hat er als erster Militärgeistlicher das postgraduierte Studium für Operationsführung und Strategie an der Akademie für Nationale Sicherheit in Warschau absolviert. 1995 wurde er Dekan bei den „Weichsel-Verbänden“ des Innenministeriums und danach – im Jahr 2000 - Militärpfarrer und Dekan beim Büro des Regierungsschutzes. Von 1995 bis 2001 war Ploski Hauptredakteur der Zeitung des Feldordinariats „Unsere Dienst“. Am 16.05 2001 übernahmt er des Amt des Kanzlers der Feldkurie. 1996 bis 2004 war ein Referent und Mentor am Priesterseminar des Feldordinariates. Ab 1998 hielt auch Vorlesungen zum Konfessionsrecht der Warmińsko-Mazurskim-Universität in Allenstein.
Seine militärischen Dienstgrade: 1992 – Hauptmann, 1995 – Major, 1998 – Oberstleutnant, 2000 – Oberst, 2004 – Brigadegeneral, 2006 – Generalmajor. Am 10. März 1999 wurde er Prälat Seiner Heilligkeit. Am 16. Oktober 2004 wurde er durch den Heiligen Vater Papst Johannes Paul II. zum Feldbischof der Polnischen Armee ernannt. Feldbischof Ploski wurde am 08.Mai 2006 der Orden des Hl. Stanislaus verliehen. Am 10 Mai 2006 - während einer Übungen mit Soldaten der Spezialeinheiten – sprang er aus der Höhe von 4000 Metern mit dem Fallschirm ab. Am 11. Dezember 2007 verlieh der Fakultäts-Rat Recht und Administration der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Thorn Feldbischof Dr. Tadeusz Ploski den wissenschaftlichen Titel Doctor habilitatus. Am 29. Februar 2008 berief ihn der Senat der Warmińsko-Mazurskie- Universität in Allenstein zum Professor und Dekan der Fakultät Recht und Administration.Er ist Autor verschiedener Veröffentlichung (s.o.) Neben zahlreichen Ehrungen erhielt Płoski 2008 mit dem Orden Polonia Restituta die zweithöchste Auszeichnung der Polnischen Rebublik. Zudem erhielt er das Verdienstkreuzes der Republik Polen in Silber (1999) und Gold (2007). Er ist Ritter des Ordens vom Heiligen Stanislaus. Am 10.April 2010 gehörte Feldbischof Tadeusz Płoski zur Delegation um Staatspräsident Lech Kaczyński, die anlässlich des siebzigsten Jahrestages des Massakers von Katyn zur Gedenkstätte nach Russland reisen sollte. Bei einem Flugzeugabsturz nahe des Flughafens von Smolensk kam er jedoch gemeinsam mit zahlreichen weiteren hochrangigen Repräsentanten Polens ums Leben.Requiescas in Pace, carissime Frater Episcope!
Geschrieben in In memoriam, Personen, Polonica, Bundeswehr, Militärseelsorge | 6 Kommentare »