Februar 2012
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Erzbischof Rainer M. Woelki: Cardinalis creatus est!

War schon weder in der Heimat noch in der deutschen Hauptstadt damit gerechnet worden, dass der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki Erzbischof der Berliner Katholiken (und der kleinen Schar in Brandenburg und Vorpommern) werden sollte, so kam die postwendende Ernennung zum Kardinal als doppelte Überraschung daher.

   

Es sieht fast so aus, als wollte Benedikt XVI. in seiner deutschen Heimat eine kirchlich berechenbare oberhirtliche Garde junger Kirchenmänner positionieren, die für die nächsten Jahrzehnte das Überleben der katholischen Kirche sichern sollen. Dabei kommt sicherlich dem ebenfalls im politischen Berlin präsenten Militärbischof Franz Josef Overbeck, der als Essener „Ruhrbischof“ und als Adveniat-Beauftragter gleich an drei Fronten kriselnder Kirchentümer zu kämpfen hat, eine ebenfalls zentrale Rolle zu.

Erzbischof Woelki hatte in Berlin keinen leichten Start; die Vorbehalte waren erheblich. Innerhalb wie außerhalb der Kirchenmauern hatte sich die DDR-Kirche Georg Sterzinskys, die auch zum Maßstab für das immer schon freie Berlin erhoben worden war, reichlich verschlissen. Eine nur mit westdeutschen Kirchensteuermitteln abgewandte Pleite des Erzbistums und das kläglich gescheiterte Volksbegehren zum staatlichen Religionsunterricht belegen die gegenwärtige Randständigkeit übrigens beider Volkskirchen. Woelki punktete vor allem wegen persönlicher Bescheidenheit und einer unaufgeregten Prinzipienklarheit.

Die zweistündige Direktübertragung des RBB von den Feierlichkeiten in Rom, die Begleitung durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Kabinettsmitglieder aus Potsdam und Schwerin, den evangelischen Landesbischof Markus Dröge und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, belegen, dass sich für die Katholiken der mitteldeutschen Diaspora etwas tut. Und hoffentlich nicht nur für sie.

      

Es ist mir unvergesslich, dass der gerade zum Kardinal berufene Berliner Bischof Joachim Meisner bei einem Zwischenstopp in Köln-Bonn (um dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Kölner Erzbischof Josef Höffner, seine Aufwartung zu machen) in eine Arbeitsgruppensitzung im Sekretariat der Konferenz hereinplatzte. Es ging um die jeweiligen Friedenshirtenbriefe. Der „Ost“ war schon publiziert, der westdeutsche befand sich in der Endphase der Vorbereitung. Bischof Meisner berichtete von einem langen Gratulations-Handschreiben des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker von völlig ungewohnter Freundlichkeit. „Ja, diese Herren „ – so sein Kommentar – „wissen, was es heißt, einem Zentralkomittee anzugehören“.

Es wäre dem Erzbischof, den Gläubigen und den Vertretern des offiziellen Berlin und allen seinen Bürgern  sehr zu wünschen, in der Präsenz der katholischen (Welt-)Kirche eine Chance der Vermittlung und Versöhnung zu sehen – zwischen Konfessionen, Religionen, Kulturen und den sozialen Zerklüftungen, die sich gerade in der deutschen Hauptstadt immer weiter öffnen. Nicht zufällig ist Woelki auch der Caritas-Bischof der DBK.

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