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In piam memoriam Werner Mölders (18.03.1913-22.11.1941)

 Es ist still geworden um den vor jetzt 70 Jahren in Breslau abgestürzten deutschen Jagdflieger. Der Medienhype um seine „Entehrung“ ist selbst schon Geschichte. Mit den beiden Biografien von Horst Braatz und vor allem von Hermann Hagena, dem eine beachtliche Vertiefung von seitens des MGFA leichtfertig in Abrede gestellten Tatsachenerkenntnissen gelang, ist das Historische weithin ausgeleuchtet.

Stationen eines Lebens, das nur 28 Jahre dauerte: Halbwaise, Gruppenführer im katholischen Schülerbund „ Neudeutschland“, Offiziersausbildung im Heer der Reichswehr, Jagdflieger in der Luftwaffe, zuerst in Spanien – Legion Condor – dann an West- und Ostfront des Zweiten Weltkrieges.

Was hat die Person des Werner Mölders in das Gedächtnis so vieler Menschen eingegraben?  Natürlich auch die propagandistische Vermarktung des „Flieger-Asses“ durch die damalige politische Führung (die sich darin nicht von der Praxis der übrigen kriegführenden Staaten unterschied); durch einen Heldenkult um das Ritterkreuz, mit dem sich das „neue Deutschland“ selbst feierte – im Gegensatz zu dem Glauben, dem der „NDer“ Mölders treu blieb. Und schließlich durch die untergründige Erkenntnis, dass dieser Fliegeroffizier weder PG noch vom Typ her „bewährter Kämpfer“ im Sinne der ehrabschneidenden Antifa-DDR-Kommunisten war.

Mölders war und blieb schlicht „anständig“, als andere sich dem Taumel des NS-Regimes oder dem Karrierismus einer (noch) siegreichen Armee hingaben. Er wollte einem – neuen – Deutschland dienen. Ahnungen, dass der NS-Staat diesen Motiven in keiner Weise entsprach, sind ihm wohl im Verlauf des Russlandfeldzuges verstärkt bewusst geworden. Sein Abschied von dieser Welt war ein wortloses Schulterzucken in der abstürzenden Maschine.

   

Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck hat sich in seinen „Memoiren“ in der Darstellung der „Mölders-Affäre“ ein Charakterbild geschaffen, das für sich spricht. Den Wert soldatischen Dienens und die davon abgeleitete Würde des Soldaten von politischen Zwecksetzungen des Einsatzes abhängig zu machen, wird einmal auf Struck selbst zurückfallen. Seine „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dürfte an moralischer Qualität den seinerzeitigen Spanieneinsatz damaliger deutscher Soldaten wohl nur bedingt übertreffen.

Auch die eher glücklosen Nachfolger Strucks haben die „Causa Mölders“ entweder als Petitesse rubriziert oder unter (partei-) taktischen Aspekten abgetan. Zumal von den beiden – wie man meinte - prononcierten Katholiken, die Struck nachfolgten, hätte man mehr erwarten dürfen. Ihr politisches Scheitern äußert sich auch in diesem Versagen.

Mölders´ Grab auf dem Berliner Invaliden-Friedhof spricht seine eigene, schlichte Sprache. Die Ehefrau der wenigen Monate, Luise Petzold-Mölders, hat den Gatten fast 70 Jahre überlebt; sie starb am 21.April 2011 im Alter von 98 Jahren im weit entfernten Starnberg. Auch ihre Stimme ist verstummt, ohne dass Mölders und seiner engagierten Frau Gerechtigkeit widerfahren wäre.

  

Beter scheinen eher seltene Besucher auf jenem Invalidenfriedhof zu sein. Was sollten sie Gott auch sagen – in der (abgelehnten) Vertretung der hier Ruhenden? (Minister de Maizieres Einladung zum Gebet selbst für den „terroristischen“ Gegner blieb selten unbestimmt.) Zeitgenössische (Soldaten-) Gebetbücher deutscher Zunge finden dazu ebenfalls keine Worte mehr. Einen möglichen Grund für dieses Schweigen hat vielleicht der berühmte Wehrmachtspilot und spätere Luftwaffeninspekteur Günther Rall benannt:

…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.

 Wie kann man  dann beten? Im Judentum wird auch für die Gefallenen des Krieges das Kaddisch gesprochen, ein einziges Lob Gottes angesichts der Endlichkeit des Irdischen. Es macht nachdenklich, wenn neuerdings die hehren Kriegszwecke zum Inhalt solchen Betens werden.

Ein deutscher Soldat fand während des Krieges bei einem gefallenen Russen den folgenden Text:

Hörst du mich, mein Gott?
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so mit dir gesprochen…
Doch heute, heute will ich dir dafür danken.
Du weißt, seit meiner Kindheit hat man mir gesagt,
dass du nicht existierst.
Und ich habe es geglaubt. Ich war ein Narr.
Die Schönheit deiner Schöpfung tat sich nie vor mir auf.
Auch heute Nacht gebe ich dir Recht,
aus der Tiefe des in mir aufgerissenen Kraters,
über dem der Sternenhimmel glüht.
Staunend verstehe ich deine Nachricht….
Ich weiß nicht, mein Herr,
ob du deine Hand nach mir ausstreckst,
trotzdem möchte ich dir sagen,
und Du verstehst bestimmt:
es ist ein Wunder, dass inmitten der sichtbaren Hölle
mein Herz sich leicht anfühlt und
ich dich erkenne.
Was könnte ich sagen?
Nur das, dass ich glücklich war,
als ich dich erkannte.
Es ist sehr gut bei Dir zu sein …

Diese Worte haben auch heute auf dem Invalidenfriedhof ihren Platz und ihre Berechtigung. Auch am Grab von Werner Mölders.

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