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26.11.2011 von dragonX6.

Es ist still geworden um den vor jetzt 70 Jahren in Breslau abgestürzten deutschen Jagdflieger. Der Medienhype um seine „Entehrung“ ist selbst schon Geschichte. Mit den beiden Biografien von Horst Braatz und vor allem von Hermann Hagena, dem eine beachtliche Vertiefung von seitens des MGFA leichtfertig in Abrede gestellten Tatsachenerkenntnissen gelang, ist das Historische weithin ausgeleuchtet.
Stationen eines Lebens, das nur 28 Jahre dauerte: Halbwaise, Gruppenführer im katholischen Schülerbund „ Neudeutschland“, Offiziersausbildung im Heer der Reichswehr, Jagdflieger in der Luftwaffe, zuerst in Spanien – Legion Condor – dann an West- und Ostfront des Zweiten Weltkrieges.
Was hat die Person des Werner Mölders in das Gedächtnis so vieler Menschen eingegraben? Natürlich auch die propagandistische Vermarktung des „Flieger-Asses“ durch die damalige politische Führung (die sich darin nicht von der Praxis der übrigen kriegführenden Staaten unterschied); durch einen Heldenkult um das Ritterkreuz, mit dem sich das „neue Deutschland“ selbst feierte – im Gegensatz zu dem Glauben, dem der „NDer“ Mölders treu blieb. Und schließlich durch die untergründige Erkenntnis, dass dieser Fliegeroffizier weder PG noch vom Typ her „bewährter Kämpfer“ im Sinne der ehrabschneidenden Antifa-DDR-Kommunisten war.
Mölders war und blieb schlicht „anständig“, als andere sich dem Taumel des NS-Regimes oder dem Karrierismus einer (noch) siegreichen Armee hingaben. Er wollte einem – neuen – Deutschland dienen. Ahnungen, dass der NS-Staat diesen Motiven in keiner Weise entsprach, sind ihm wohl im Verlauf des Russlandfeldzuges verstärkt bewusst geworden. Sein Abschied von dieser Welt war ein wortloses Schulterzucken in der abstürzenden Maschine.

Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck hat sich in seinen „Memoiren“ in der Darstellung der „Mölders-Affäre“ ein Charakterbild geschaffen, das für sich spricht. Den Wert soldatischen Dienens und die davon abgeleitete Würde des Soldaten von politischen Zwecksetzungen des Einsatzes abhängig zu machen, wird einmal auf Struck selbst zurückfallen. Seine „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dürfte an moralischer Qualität den seinerzeitigen Spanieneinsatz damaliger deutscher Soldaten wohl nur bedingt übertreffen.
Auch die eher glücklosen Nachfolger Strucks haben die „Causa Mölders“ entweder als Petitesse rubriziert oder unter (partei-) taktischen Aspekten abgetan. Zumal von den beiden – wie man meinte - prononcierten Katholiken, die Struck nachfolgten, hätte man mehr erwarten dürfen. Ihr politisches Scheitern äußert sich auch in diesem Versagen.
Mölders´ Grab auf dem Berliner Invaliden-Friedhof spricht seine eigene, schlichte Sprache. Die Ehefrau der wenigen Monate, Luise Petzold-Mölders, hat den Gatten fast 70 Jahre überlebt; sie starb am 21.April 2011 im Alter von 98 Jahren im weit entfernten Starnberg. Auch ihre Stimme ist verstummt, ohne dass Mölders und seiner engagierten Frau Gerechtigkeit widerfahren wäre.

Beter scheinen eher seltene Besucher auf jenem Invalidenfriedhof zu sein. Was sollten sie Gott auch sagen – in der (abgelehnten) Vertretung der hier Ruhenden? (Minister de Maizieres Einladung zum Gebet selbst für den „terroristischen“ Gegner blieb selten unbestimmt.) Zeitgenössische (Soldaten-) Gebetbücher deutscher Zunge finden dazu ebenfalls keine Worte mehr. Einen möglichen Grund für dieses Schweigen hat vielleicht der berühmte Wehrmachtspilot und spätere Luftwaffeninspekteur Günther Rall benannt:
“…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.
Wie kann man dann beten? Im Judentum wird auch für die Gefallenen des Krieges das Kaddisch gesprochen, ein einziges Lob Gottes angesichts der Endlichkeit des Irdischen. Es macht nachdenklich, wenn neuerdings die hehren Kriegszwecke zum Inhalt solchen Betens werden.
Ein deutscher Soldat fand während des Krieges bei einem gefallenen Russen den folgenden Text:
Hörst du mich, mein Gott?
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so mit dir gesprochen…
Doch heute, heute will ich dir dafür danken.
Du weißt, seit meiner Kindheit hat man mir gesagt,
dass du nicht existierst.
Und ich habe es geglaubt. Ich war ein Narr.
Die Schönheit deiner Schöpfung tat sich nie vor mir auf.
Auch heute Nacht gebe ich dir Recht,
aus der Tiefe des in mir aufgerissenen Kraters,
über dem der Sternenhimmel glüht.
Staunend verstehe ich deine Nachricht….
Ich weiß nicht, mein Herr,
ob du deine Hand nach mir ausstreckst,
trotzdem möchte ich dir sagen,
und Du verstehst bestimmt:
es ist ein Wunder, dass inmitten der sichtbaren Hölle
mein Herz sich leicht anfühlt und
ich dich erkenne.
Was könnte ich sagen?
Nur das, dass ich glücklich war,
als ich dich erkannte.
Es ist sehr gut bei Dir zu sein …

Diese Worte haben auch heute auf dem Invalidenfriedhof ihren Platz und ihre Berechtigung. Auch am Grab von Werner Mölders.
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20.11.2011 von dragonX6.
Westliche Medien berichten unter Berufung auf den libyschen NTC, dass der Sohn und politische Nachfolger des abgesetzten und ermordeten „Rais“ Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam-al-Gaddafi (39) beim Versuch, nach Niger zu flüchten (wie es heißt), „gefasst“ worden sei.

Die Tatsache als solche wird von libysch-loyalistischen Quellen mit Fragezeichen versehen. Aber unbeschadet dieser Unsicherheit fällt – wieder einmal – die überstarke Tendenz der Medien auf, den führenden „Gegner“ des eigenen Lagers zu dämonisieren, zu kriminalisieren und in seiner Ehre als Kämpfer herabzusetzen. Wie der Vater, jetzt der Sohn und Hoffnungsträger seiner Anhänger. Dabei wird die Andersartigkeit der libyschen Kultur und Gesellschaft schlicht ignoriert.

So wird einfach behauptet, die Angehörigen des Gaddafi-Clans hätten sich feige abgesetzt (zu ihren angeblich in Sicherheit gebrachten Raubvermögen im Ausland). Das ist unrichtig. Die Männer, die im politischen Feld engagiert waren, sind bei der kämpfenden Truppe geblieben. Der grausame, ja schändliche Tod des „Rais“ und seines Offiziers-Sohnes Mutassim gewann diese Qualität nicht durch die Ermordeten, sondern durch die Mörder und ihre Hintermänner, die damit durchschaubare Motive verbanden.

Von Saif al-Islam war aus loyalistischen Kreisen und ihren Medien schon seit einiger Zeit bekannt, dass er die Führung eines Stämmebündnisses, insbesondere von Tuaregs, übernehmen wollte und zu diesem Zweck nach Niger strebte. Das hat mit (feiger) Flucht nichts zu tun. Auch kann man, wenn korrekte Maßstäbe angelegt würden, nicht davon reden, er sei – quasi wie ein flüchtiger Dieb – „gefasst“ worden. So wird die Führung der gegnerischen Kriegspartei noch während des Kampfes kriminalisiert, der sich nicht einseitig für beendet erklären lässt. „Gefangennahme“ ist etwas anderes. Die prompte Weigerung der neuen Machthaber, den Gaddafi-Sohn an den Gerichtshof in Den Haag zu überstellen, sondern – nach „islamischem Recht“ – selbst abzuurteilen, lässt Schlimmstes erwarten. Die Anklagen sind umfänglich.
Carl Schmitt, jener Rechts- und Staatsphilosoph, der das Politische grundsätzlich durch das Freund-Feind-Schema definiert sehen wollte, erfährt so in der Gegenwart eine krude Wiedergeburt, ja Verschärfung seines Denkens: Der politische und militärische Gegner wird als Feind nicht nur der physischen Vernichtung, sondern auch der Bestreitung der moralischen Existenz unterworfen.
Schmitt hat zu Unrecht behauptet, das biblische Gebot der Feindesliebe sei auf den persönlichen, privaten Bereich beschränkt. Ganz im Gegenteil verlangt die jesuanische Weisung „Liebe“ auch noch in der verwirklichten Feindschaft, die dann auch nie „total“ werden kann. Die Tür zu einem Friedens-Schluss bleibt so immer – zumindest einen kleinen Spalt breit – offen. Auch der Feind, dessen Selbstverständnis nicht nur nicht geteilt, sondern bekämpft wird, behält so seine Würde – auch kollektiv.
(Wenn für den Feind gebetet wird, genauer gesagt: gebetet würde, denn es geschieht ja nicht, dann doch nicht für den Sieg seiner „Sache“ oder seiner „Ideologie“, sondern um die Gnade Gottes, deren er nicht weniger bedarf als der Beter selbst – gerade bei der Anwendung kriegerischer Gewalt.)
Die traditionelle Kultur des Feindes zu ignorieren, ist politisch und militärisch dumm, sie als Ausdruck des Menschlichen zu leugnen, ist unwürdig.
Ein Zeugnis solcher Tradition, die ganz offenkundig an die nahezu in´s Mystische erhobene Gestalt des libyschen Naitonalhelden Omar Mukhtar anknüpft, findet sich in einem von den westlichen Medien völlig übergangenen Text, auch wenn dessen Authentizität von uns nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden kann:

Botschaft Saif al- Islam al-Gadaffis an das libysche Volk
(27. Oktober 2011)
„Ich versichere meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern, dass es mir gut geht. Wie alle, die mich kennen, wissen, konnte ich niemals meines Vaters Willen verraten, als er noch lebte. Wie könnte ich seinen Willen hintergehen, wenn sein Blut tot ist?
Den Getreuen des libyschen Volkes kann ich sagen, dass, falls wir hätten davon gehen wollen, dann wären wir fortgegangen, bevor dieser ganze Preis bezahlt wurde. Aber jetzt haben wir die Linie überschritten. Wir überschritten sie mit dem Blut, das geopfert wurde, das vergossen wurde, das Blut, mit dem die NATO-Ratten versuchen, mächtige Männer in die Knie zu zwingen, die außer Allah niemand in die Knie zwingen kann.

Manche Leute glauben, dass nun alles vorbei sei. Aber die Wahrheit ist, dass alles erst begonnen hat.
Ich war treu in der Verteidigung Libyens und nehme Rache an den Verrätern und Mördern, die der Welt ihr wahres Gesicht zeigten. Und auch wenn ich nicht ein Verfechter solcher Dinge bin: ihre Aktionen werden mich zwingen, mit aller Härte ihre Tage in Nächte zu verwandeln und ihre Nächte in die Hölle. Und ihnen Todesangst einzupflanzen, wo immer sie sind.
Ich werde kein Beileid akzeptieren, weder für meinen Vater noch meine Brüder, bis ich meine Mission beendet habe - und sollte es 50 Jahre dauern. Ich rufe die Leute, die an mich glauben, die mit mir die Liebe zu dem ehrenhaften Libyen teilen - und sie sind zahlreich, jene die mit mir das Gefühl teilen, eine Person aus ihrem Herzen verloren zu haben - und sie sind zahlreich, und die mit mir die Narben teilen, die Rache und die Pflicht zum Widerstand: ich rufe sie auf, nicht eine verlorene Krone, sondern das verlorene Libyen zurück zu holen, die verlorene Ehre wieder herzustellen.
Sie haben das Feuer angesteckt - und deshalb sollen sie brennen. Sie haben Blut vergossen, so lasst den Fluss aus Blut explodieren. Wir werden ihnen niemals Gnade gewähren.
Die NATO wird mit Sicherheit, auch wenn sie ihre Operationen nicht stoppt, nicht in der Lage sein, sie alle in ihren Häusern, in ihren Autos, bei ihren Feiern und an ihren Arbeitsplätzen zu schützen. Muammar al- Gaddafi hielt uns davon ab, sie zu verbrennen, wenn wir dazu in der Lage waren. Er hielt uns davon ab, die Ölquellen zu sprengen. Ich riet ihm, den Flughafen von Tripolis zu zerstören, bevor Tripolis fiel. Doch er lehnte das ab.
Doch wo ist bei ihnen einer, der uns vor ihnen schützt? Und wer von ihnen wird gnädig sein? Ich werde sie verbrennen, bis meine Mutter lächelt und bis sie zufrieden ist. Und bis (sc meine Schwester) Aisha feiert und ihr Herz glücklich ist, bis das Glück in jedes libysche Herz zurück kehrt, in das Sorgen gepflanzt wurden.

Sie sind nicht mutig und sie werden es niemals sein. doch (sc. mein Bruder) der Märtyrer Mutassim hat ihnen gezeigt, was Mut ist. Und die Brigade von Mutassim wird ihnen für wahr noch mehr zeigen.
Ich bin der Sohn meines Vaters, ich bin der Bruder von Al Mutassim und ich bin ein Sohn Libyens - ich bin einer von den Tausenden, über die die Narben und das Blut kamen. Wir würden nicht das Blut der Opfer von Libyen ehren, wenn wir nicht die Mörder verfolgen, überall, bis sich die Erde über ihnen schließt.”
Diese Sprache und eine Tradition der (Blut-) Rache kann nie Ausdruck einer christlichen Zivilisation sei. Sie zu überwinden, kann jedoch durch den Einsatz von Gewaltmitteln nie gelingen. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch ein solcher Gegner als Feind im Kriege die Zuerkennung von Respekt verdient.
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18.11.2011 von dragonX6.
(Vorbemerkung: Dieser Blog fühlt sich ethischen und theologischen Aspekten und Fragestellungen verpflichtet. Der dabei unbedingt zu beachtende Grundsatz ist der der Interessenlosigkeit. Um in keine „klappernde“ Scholastik abzugleiten, ist es jedoch unerlässlich, einen empirischen Bezugsrahmen zu beschreiben, auf den hin das wertende Argument formuliert wird. Um eine solche „Skizze“ handelt es sich im Folgenden.)
Jean-Claude Juncker, Ministerpräsident von Luxemburg und Vorsitzender der Euro-Gruppe, der „föderalistische“ Europäer,
hat dem Bonner General-Anzeiger ein viel beachtetes Interview gegeben. Er spricht klug und präzise (er war schließlich 20 Jahre lang luxemburgischer Finanzminister und Gouverneur seines Landes bei der Weltbank) über die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise Europas. Dann fällt der Satz:
„In Deutschland wird oft so getan, als hätte das Land keine Probleme, als wäre Deutschland schuldenfrei und alle anderen hätten überhöhte Schulden. Ich halte die Höhe der deutschen Schulden für besorgniserregend. Deutschland hat höhere Schulden als Spanien. Nur will das hier keiner wissen. Es erscheint bequemer zu sagen, die Menschen im Süden wären faul und die Deutschen würden malochen. So ist das aber nicht.“
Es geht hier nicht um die Frage, ob die deutschen Bundesregierungen der letzten 25 Jahre den zugegebenermaßen beachtlichen luxemburgischen Standards der Haushalts- und Finanzpolitik gerecht wurden. Es geht um die – offen verschwiegenen – auch materiellen Kosten der deutschen Einheit, die die (alte) Bundesrepublik belasten. (Auch „Personen“ gehören zu diesen übernommenen Lasten.)

Ministerpräsident Junckers Heimatland hat seinen Wohlstand nach dem Ende von Kohle und Stahl als festländische Doublette der City of London gewonnen. Man suchte eine „Nischenstrategie“. Die „Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie“, deren Einsatz maßgeblich zur jetzigen Krise geführt hat, wurden nicht zuletzt in Luxemburg konstruiert und optimiert. Der (das „Ausland“ treffende) Neo-Liberalismus des Finanz- und Bankenstandortes des Kleinstaates wurde auf Kosten Dritter ausgelebt.
Herr Juncker hat nachvollziehbare persönliche Gründe, der nach-rheinischen, quasi neo-preußischen deutschen Republik gram zu sein und die Einebnung ihrer politischen Macht zu wollen. Das hat nicht zuletzt mit der luxemburgischen Geschichte in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu tun. Ein Freund der Deutschen ist er nicht – trotz der zahlreichen Auszeichnungen, die ihm hierzulande zu teil wurden.
Schon vor über einem Jahr hat sich Juncker für die „Euro-Bonds“ eingesetzt, die vor allem Deutschland belasten würden. In der damaligen Situation meinte der (ehemalige) EU-Kommissar Günther Verheugen, man dürfe nicht vergessen, „dieses ganze Projekt europäische Einheit ist wegen Deutschland notwendig geworden. Es geht immer dabei darum, Deutschland einzubinden, damit es nicht zur Gefahr wird für andere….(Auch 65 Jahre nach Kriegsende) spielt das jeden Tag noch eine Rolle. Und die Art und Weise, wie Deutschland in Europa auftritt, wird anders beurteilt, als wie Luxemburg in Europa auftritt. Und das aus guten Gründen.“ http://www.blog-info.harald-oberhem.net/resources/Finanzkr-Verheugen-101209-ZDF.mp4
Wenn die Politik der Bundesrepublik, nach 66 Jahren demokratischer Läuterung, auf diese Weise der Instrumentierung politischer Pseudomoral im Dienste von Interessen anderer Staaten und Akteure zuarbeitet, handelt sie eindeutig „unethisch“. Völlig absurd wird solcher Moralismus, wenn dabei mehr oder weniger direkt unterstellt wird, von Deutschland gehe auch heute noch eine latente Kriegsgefahr aus. Kein anderer Staat Europas unterliegt einer völkerrechtlichen Truppenobergrenze seiner Streitkräfte, das atomare Privileg Britanniens und Frankreichs bleibt auch in Europa völlig unangetastet. Der jüngste Libyenfeldzug hat darüber hinaus gezeigt, welche europäischen Nationen kriegsbereit und –willig sind, wenn eigene Interessen es angebracht erscheinen lassen.
Politik realisiert Interessen, indirekt ab und zu auch mit ihnen verbundene „Werte“. Moralische Kategorien wie „Freundschaft“ und „Versöhnung“ stehen ebenfalls (weithin) im Dienste solcher Interessenwahrnehmung. Jeder politische Akteur muss, wenn er denn verantwortlich handeln will, diesem Zusammenhang gerecht werden.
In geschickter Weise folgt der Luxemburger Jean-Claude Juncker dieser Maxime. Im zitierten Interview weigert er sich – natürlich – ein Euroland zu benennen, das als nächstes mit einem Angriff der „Märkte“ rechnen müsse. Zeitgleich allerdings, quasi wie verabredet, setzt die Ratingagentur Moody´s

mehrere deutsche Landesbanken in ihrer Bonität herab, weil der deutsche Staat sie erforderlichenfalls nicht „retten“ könnte.
„Honi soit qui mal y pense!“

Es ist an der Zeit, sich in den harten Auseinandersetzungen um Europas Finanz- und politisches System mehr an den tradierten Regeln der Kriegsethik denn einer verquasten „Polit-Moral“ zu orientieren.
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17.11.2011 von dragonX6.
Endlich – ganz Deutschland, zumindest die Unions-Christen – spricht von IHM, dem KOMPASS. Mein erster Gedanke: herzlichen Glückwunsch, liebe KOMPASS-Redaktion –(Soldat in Welt und Kirche) - die Monatszeitschrift der Katholischen Militärseelsorge.

Auslöser war die Grundsatzrede der CDU-Bundesvorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Parteitag in Leipzig. 15 mal wurde der KOMPASS beschworen: als „festes Wertefundament“, als „Halt und Orientierung“, als „unabänderlich“, Inbegriff der „Grundwerte“ (mit seiner Hilfe „dienen.wir deutschland“ – eine Nation freiwilliger Wehrfreude. Glückwunsch, Lothar de Maiziere!).
Der Kompass „ist unveränderlich“, während die Zeiten sich verändern. Er – das „Wertefundament“ – bleibt. Er ist ein „fester KOMPASS“, ohne „dogmatisches Ideologieverständnis“ (Einheitssozialisten und Katholiken in einem Streich niedergemacht – unser KOMPASS!).

Und schließlich besteht der KOMPASS in „unserem christlichen Menschenbild“ und manifestiert sich in den „Erfolgen der Vergangenheit“.
Kurz: der Weg ist das Ziel!
Bisher waren wir der Meinung, der Kompass sei ein schlichtes Instrument, um Ziele anzupeilen und damit zu helfen, Werte zu verwirklichen. Die Zeiten haben sich wohl geändert. Beim angerufenen KOMPASS handelt es sich offensichtlich um einen Kreiselkompass, dem zwar keine magnetischen Missweisungen unterlaufen, der aber bei schnellen Eigenbewegungen völlig versagt.
Also war doch nicht das Militär-Bistumsblatt gemeint. Gar nicht schlimm! Dem KOMPASS von Josef König und Mitstreitern ist zu wünschen, dass sie im Interesse von Soldat in Welt und Kirche festen Boden unter den Füßen behalten.

KOMPASS-Redaktion (v.r.: Josef König, Jörg Volpers, Barbara Ogrinz) (Foto:KMBA/Eggen)
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14.11.2011 von dragonX6.
Seit über 20 Jahren, in denen ich regelmäßig nach Fulda komme – in der Zeit von Militärbischof Johannes Dyba mehrmals im Jahr- , besuche ich jedes Mal hinter der ehrwürdigen Abtei- und heutigen Domkirche, im Hof des Priesterseminars, das Grab eines mir immer noch unbekannten Soldaten. Er liegt dort als 20jähriger Gefreiter, gefallen am 1. April 1945, in einer Begräbnisstätte, wie sie ursprünglich für die Soldaten der Wehrmacht vorgesehen war.
Was hat diesen jungen Menschen, der sich kaum um das Nazireich besondere Verdienste erworben haben kann, hierhin verschlagen? Warum musste er wenige Tage vor dem Zusammenbruch noch sein Leben verlieren? Wofür glaubte er kämpfen zu sollen? Fragen, die sich heute vielleicht ebenso wenig beantworten lassen wie damals.

Franz Matezik, dem Namen nach wohl österreichischer Herkunft, hat dennoch Glück gehabt. Er ruht bis zum Tag der fröhlichen Auferstehung in der auch geistigen Mitte Deutschlands, nahe bei dessen Apostel und geistlichen Vater Bonifatius. Sein Opfer-Status ist klar: er verlor sein Leben – und wir wissen nicht warum. Die Kirche gibt ihm Heimat, ohne selbst einen tieferen Sinn seines Todes ergründen zu können.
Die Presse des Landes hat in diesem Jahr kaum ein Wort zum Volkstrauertag gefunden; ein vorgebliches Scandalum wurde mit Getöse angeschoben. Nur in der Provinz, in der die kriegstoten Soldaten oft, in Stein gemeißelt, noch „Helden“ oder „Krieger“ heißen, sprechen die Redner – immer öfter die Pastoren – von Gewalt und Krieg (man beachte die Reihenfolge!), die doch überwunden werden müssten – endlich!

Von “Freiheitskämpfern” in Sirte ermordete (gefangene) libysche Regierungssoldaten
Welche Scheinheiligkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten, zumal der GRÜNEN unter ihnen: Sehen sie die ungezählten Opfer der Menschenrechts-Kämpfer, die von ihnen gezogene Blutspur, nicht? (In Libyen schätzt man zwischen 30.000 und 100.000 „Opfer“.)
Es ist der Krieg, der uns nicht selber trifft, der uns alle in – nennen wir es nur beim Namen – in desinteressierter Distanz verharren lässt, ohne dass Herz und Seele ergriffen würden.
Worum dann also trauern?

Die Gefallenen der Bundeswehr sind in gewisser Weise „Opfer“ dieses Sachverhalts. Selbst der Bundespräsident hat ihnen in seiner diesjährigen Ansprache im Bundestag diesen anonym-sinnstiftenden Status aberkannt. Wie ihre Vorgänger, die deutschen Soldaten der Weltkriege, „starben“ sie, „verloren sie ihr Leben“. Kein Dank des Vaterlandes; man kann auch nicht – wie im Vorjahr – erneut eine Gefechtsmedaille stiften. Die Tröstungsaufgabe wurde diesmal an den Generalinspekteur am Ehrenmal der Bundeswehr delegiert.
Die Politik wendet sich – so Bundespräsident Wulff – gegen Gewalt und Krieg (!), sie hofft auf Versöhnung, trägt und übernimmt Verantwortung für den Frieden.
Zum „Opfer“ wird, wer auf diesem Weg einen Preis zahlen muss.

Mein „unbekannter Soldat“ hat auch darum Glück, weil er sich weder Heldentod noch die Hingabe an höchste Ziele zusprechen lassen muss, die allesamt mehr mit Gewalt zu tun haben, als Redner zu bedenken oder auszusprechen vermögen. Seine Leiden und die der Seinen, die weithin nicht mehr dieser Welt angehören dürften, sind ausgestanden. Es bleibt ihm der Friede des behüteten Grabes und die Erwartung der Ewigkeit.
Harald Oberhem
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14.11.2011 von dragonX6.
Warschau/Berlin, 14.11.2011: Zum zweiten Mal fand auf Einladung des polnischen Militärordinariats in der Kathedrale des katholischen Feldbischofs ein ökumenisches Totengedenken statt. An dem Gottesdienst nahmen neben dem deutschen Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch, einem Unterstaatssekretär des polnischen Verteidigungsministeriums, polnischen Militärgeistlichen beider Konfessionen, Soldaten der polnischen Streitkräfte sowie der Bundeswehr katholische Gläubige der Hauptstadt teil.

Die Kranzniederlegung, fand – wie das Militärordinariat in einer Pressemeldung mitteilte – in der Luftwaffenkapelle der Basilika statt, in der auch der im April 2010 zusammen mit Staatspräsident Lech Kaczynski tödlich verunglückte polnische Feldbischof Tadeusz Ploski bestattet ist. Ploski hatte sich sehr um die Beziehungen zwischen der polnischen und der deutschen Militärseelsorge verdient gemacht.
Das Gedenken galt ausdrücklich den gefallenen deutschen und polnischen Soldaten beider Weltkriege (in denen hunderttausende Polen auch auf deutscher Seite gekämpft hatten) sowie den Gefallenen beider Länder in Afghanistan.

Erklärungsbedürftig erschien, wie aus dem Text des Militärordinariats hervorgeht, der besondere Charakter des deutschen „Volkstrauertages“ („Dzien Żałoby Narodowej“), für den es in Polen keine direkte Entsprechung gibt. Hier wird, wie in den übrigen Ländern der ehemals verbündeten westlichen Staaten, am Nationalfeiertag der Gefallenen gedacht.
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