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Juli 2011
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Archive für Juli 2011

“Bombardierungen werden intensiver, aber Gheddafi scheint noch immer stark zu sein“, sagt Mons. Martinelli

Tripolis (Fidesdienst)- “Heute Nacht hörten wir außerordentlich heftige Explosionen. Ich weiß nicht, wo die Bomben eingeschlagen habent, denn ich habe nur die Explosionen zwischen 2 und 3 Uhr morgens gehört. Eine sehr unruhige Nacht“, erklärte S.E. Lons. Giovanni Innocenzo Martinelli, der Apostolische Vikar in Tripolis.„Die Bomben werden intensiver – ich weiß nicht weshalb. Vielleicht wird irgend eine Entscheidung von Tripolis erwartet, aber ich glaube nicht, dass es so leicht ist Gheddafi zum Aufgeben zu bringen; er scheint noch immer stark zu sein und die Bomben helfen m.E. nicht ihn zu beugen“.

      

Indessen sind die Todesumstände des Rebellenanführers Fattah Zounes noch nicht vollends geklärt; er war gestern in einem von einem offenbar von Tripolis geschickten Kommando getötet worden. Der ehemalige Innenminister unter Gheddafi hatte sich mit den Rebellen von Bengasi liiert und den Oberbehfehl der Militäraktionen der Rebellen übernommen. Seine Führung wurde jedoch von Khalifa Hifter, einem anderen Rebellenführer angefeindet. (L.M.)

(Agenzia Fides 29/7/2011)

Bürgerkrieg in Spanien – die DDR lebt!

Die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg, der am 17.Juli 1936, d.h. vor nunmehr 75 Jahren, begann,

 

fand öffentlich wenig Beachtung. Warum auch? Die „geschichtspolitische“ Deutung scheint abgeschlossen, die Erinnerungsarbeit ist – zumal in Spanien selbst – weit fortgeschritten.

 

Auf der Folie „faschistische Aggressoren vs. republikanische Verteidiger der Demokratie“  ist das  Kolossalgemälde eines Blutbades so gut wie abgeschlossen. So weit, so schlecht!

Natürlich hatte der Bürgerkrieg tatsächlich längst vor 1936 begonnen. Auf die Morde der vereinigten Linken reagierte die unter Franco gesammelte nationale Rechte, zumal zu Beginn des Krieges, nicht weniger grausam. Durch die Intervention ausländischer Mächte wurde die Katastrophe noch zusätzlich befeuert. Sie machte allein die Idee eines Kompromisses, den in Spanien selbst auch faktisch niemand wollte, illusorisch. (Die gegenwärtige Situation in Libyen zeigt uns eine Bestätigung der inneren Logik einer solchen Konstellation.)

Es ist tragisch, dass die Katholiken Spaniens und die Kirche insgesamt die seinerzeitige Parteinahme für Franco nicht früher überprüft und korrigiert haben. Der Generalissimo war wirklich nicht der rettende Held, als der er von dieser Seite lange Zeit dargestellt wurde.

Die Linke wiederholt – ganz im Sinne des „Gemäldes“ – die Parolen der DDR. Der Politruk Hans Beimler, der für einige Monate für die (Moskauer) Parteilinie der deutschen Anteile der internationalistischen Kämpfer verantwortlich war, bevor er wahrscheinlich von der GPU ermordet wurde, tritt immer noch als Namensgeber zahlreicher Straßen in den Neuen Bundesländern auf. Seine Rolle bei der Ermordung zahlreicher spanischer (und anderer) Feinde der Kommunisten einmal kritisch zu hinterfragen, haben sich die SED und ihre Nachfolger immer erspart. Der revolutionäre Zweck heiligt eben immer noch jedes Mittel.

Demgegenüber ist der junge Fliegeroffizier Werner Mölders einer vollständigen Damnatio memoriae verfallen. Ihm sind rechtliche und moralische Vorwürfe bei seinem Einsatz in der „Legion Condor“ nicht zu machen. Er trug eben schlicht die „falsche Uniform“.

Damit ist keine Verherrlichung des Einsatzes deutscher Soldaten in diesem Krieg gerechtfertigt.

    

 Es gab und gibt in diesem Zusammenhang mehr Grautöne, als die damalige und die heutige Propaganda zuläßt. Um so schlimmer ist, dass der heutige Blick für die Opfer der anderen (unterlegenen) Seite mit der moralischen Diskreditierung der geschichtlich nur scheinbaren Sieger verbunden wird.

Diese Art ideologischer Geschichtspolitik dient natürlich dem politischen Kampf heute. Wenn das Neue Deutschland immer noch die Klerikalfaschismus-These predigt, soll dadurch die katholische Kirche heute getroffen werden.

 

Es wird Munition für den Deutschlandbesuch Benedikt XVI. gesammelt. Wie gut, dass sich die Päpste der Gegenwart auf die Seite der Opfer – auch des Spanischen Bürgerkrieges – gestellt haben (s.a. Bilder unter http://subito1.magix.net/album ”Spanische Märtyrer”)

Libyen: verraten – verloren?

Die militärische Lage sieht für die Regierung und das „System Gaddafi“ nicht gut aus. Dasselbe gilt für die politischen Umstände, die den Handlungsspielraum von Tripolis immer stärker einschränken. Beides kann auf verschiedene Weise bewertet und kommentiert werden. Nur schweigen können die „zivilisierten“ Staaten und Gesellschaften zu jenem Drama nicht, das sich gegenwärtig in Nordafrika abspielt.

Zu den wenigen Stimmen, die die „andere Seite“ repräsentieren, gehören der Apostolische Vikar von Tripolis, Msgr. Giovanni Lorenzo Martinelli, dessen Äußerungen im Dragon-Blog lebhaft verfolgt und dokumentiert werden, sowie der gelernte Journalist und Kriegsberichterstatter Fulvio Grimaldi, ein Italiener mit weltweiter Berufserfahrung.

   

 Ein „Linker“, dessen Welt nicht mit ideologischen Brettern vernagelt ist.

Grimaldi stellt jetzt eine Film-Dokumentation unter dem Titel „Verfluchter Frühling – Die Wahrheit über Libyen und die NATO-Angriffe“ vor. Zumindest der Trailer ist allgemein erreichbar und u.E. sehr zu empfehlen. Er gibt dem Libyen-Krieg ein Gesicht.

Jedem, der dazu neigt, auf Hohem Ross menschenrechtspolitischer Werte durch die neue Welt alter Kriege zu reiten oder sich hinter (quasi-) scholastischen Denkschablonen versteckt, sollte sich mit diesem Gesicht des Krieges auseinandersetzen. Dazu bieten wir eine Fotosammlung (Auswahl) an (s. dort unter „Spezial“: „Libyen-1“)

H.O.

Msgr Martinelli: weekly Mass sign of hope among bombs and fighting

This morning, hundreds attended the Eucharistic celebration in the church of the Apostolic Vicariate of Tripoli. Filipinos and sub-Saharan Africans living presence among the Muslims of Tripoli tired of the war. Air raids continue to pound Tripoli.

                                

Tripoli (AsiaNews) - Bombs and fighting between the army and rebels have failed to discourage migrant Filipino Catholics and sub-Saharan Africans living in Tripoli. This morning hundreds of people attended the weekly Mass in the Church of the Apostolic Vicariate. Archbishop Giovanni Innocenzo Martinelli, the bishop of the capital, underlines the importance given by the continuity of the Eucharistic celebrations, which in these five months have seen greater and unexpected participation, despite the war.

“For those who remained in Tripoli - says the prelate - Mass became a symbol of communion and strength, which transforms the Friday holy day for Muslims, into a day of real hope, also to be transmitted to the Muslims who are sorely tested war “.

                                                   

Msgr. Martinelli explains that the population is tired of “this stressful situation which seems to have no end.” The Bishop points out that calls for a ceasefire in the month of Ramadan have gone unheeded by both sides. “Last night - he says - there were new raids near Tripoli and in recent days a few kilometres from the capital, the planes unleashed 30 aerial bombs very close to houses. To avoid casualties, NATO warned the population with leaflets launched by the bombers. This is a gesture of attention, but you have to be here to understand what it means for a person to evacuate their homes and flee, at the risk of not finding anything on return. ”

According to Msgr. Martinelli, the situation has now reached a dead end. “Unfortunately - he says – the regime and NATO both claim to want dialogue, but neither are making any concrete steps. To this day I still see and hear only news of war and bombs and killings. ”

In recent days, France, USA and Italy put forward the hypothesis of a painless exit for Gadaffi, who could stay in the country without holding any political office. Yesterday Mahmoud Jibril, head of the National Transitional Council, warned that “if Gaddafi does not leave power, there is no room for an exchange of ideas. We are not going to negotiate with Gaddafi as long as he stays in power “.

Despite the openings, the Rais says he does not trust the rebels and shows no signs of backing down. “There will be no talks between me them until the Day of Judgement,” Gaddafi said in a message released last night on national TV. AsiaNews sources explain that Gaddafi is doing everything possible to counter a possible invasion of Tripoli and in recent days suggested a meeting with all the tribes still loyal to the regime, to make a march on Misurata to dislodge the rebels.

Today, the CNT announced the capture in Zliten (160 km east of Tripoli), one of the main commanders of the Libyan army and stress that they will soon be the gates of the capital. (Sc)

 

AsiaNews-07/22/2011 14:40

“Mich verwundert die Gleichgültigkeit der Nato und Europas gegenüber dem Waffenstillstands-Vorschlag für die zeit des Ramadan ” sagt Mons. Martinelli

AFRIKA/LIBYEN - “Mich verwundert die Gleichgültigkeit der Nato und Europas gegenüber dem Waffenstillstands-Vorschlag für die Zeit des Ramadan ” sagt Mons. Martinelli

                                   

Tripolis (Fidesdienst) - “Weiterhin fallen Bomben. Wenigstens wurde aber eine ‘neue humanitäre Strategie’ entworfen in dem Bemühen Zivil-Opfer zu vermeiden“ erklärt S.E. Giovanni Innocenzo Martinelli, der Apostolische Vikar in Tripolis, gegenüber dem Fidesdienst. „Bevor die Nato eine bestimmte Zone bombardiert, streut sie aus, um die Bevölkerung zu warnen, dass das Viertel in den nächsten Tagen bombardiert werde. Die Menschen sind eindeutig verärgert, denn sie müssen ihre Häuser verlassen und sich provisorische Unterkünfte suchen. Immerhin bemüht man sich aber zu vermeiden, dass Unschuldige zu Opfern werden.“
Der Apostolische Vikar in Tripolis fügt hinzu, dass „ in der vergangenen Woche ist das Gebiet von Tajura äußerst heftig bombardiert worden; mehr als 30 Bomben sind gefallen. Ich kann mir nicht erklären, weshalb gerade dieses Gebiet so heftig getroffen wurde; sicher aber ist, dass weiter bombardiert wird in der Hoffnung Gheddafi zu treffen. Die Bomben fallen weiterhin, und es wurde bereits angekündigt, dass es für die Zeit des Ramadan – der Ende des Monats beginnt – keine Waffenruhe geben werde“, fügte er hinzu. „Was mich verwundert, ist die Gleichgültigkeit der Nato und Europas hinsichtlich des Vorschlags der Waffenruhe während des Ramadan. Der Ramadan ist für alle Libyer (pro oder contra Gheddafi) eine heilige Zeit, eine Empfindung, die respektiert werden sollte“, schließt Martinelli. (L.M.)

 

(Fidesdienst 21/7/2011)

Rebels take Brega as civilians fear retaliation and violence

For the National Transitional Council, it is the greatest victory since the war against Gaddafi began. Human Rights Watch slams rebel violence against civilians. “Our government abandoned us. Foreign media see as Gaddafi supporters,” says an Italian businesswoman in Tripoli. Video shows Libyans protesting against NATO.

Tripoli (AsiaNews) – Benghazi-based rebels took Brega over night. The town, which is 740 km east of Tripoli, is the country’s main oil hub. The National Transitional Council (NTC) called the fall of the city its greatest victory since the war against Gaddafi began. However, doubts remain about rebel intentions. Human Rights Watch (HRW) has accused them of retaliatory violence against pro-Gaddafi regime civilians.

In a recent report, HRW said rebels looted and torched homes in towns that had fallen under TNC control. In villages south of Tripoli, Gaddafi loyalists were beaten, their houses set on fire.

Tiziana Gamannossi, an Italian businesswoman in Tripoli, told AsiaNews that the rebels’ push is causing fear in the civilian population. “The rebels threatened me and some of my aides at a checkpoint between Tripolitania and Cyrenaica,” she said. “They seize women to get money, forcing men to get out of their cars to bargain.”

                         

In her view, NATO is funding and arming violent groups that lack any training or code of honour. “Gaddafi’s soldiers committed crimes but they did not harm me, letting me to do my job even though the Italian government is involved in military operations.”

For Gamannossi, a war that was launched to defend civilians is absurd. The latter watch powerless as their cities and country are torn down amid the silence of western media.

        

“These days, hundreds of thousands of people have demonstrated against NATO in Tripoli, Zliten, Ajaylat and Sabha, demanding an end to the air strikes. No newspaper has given such news much importance, calling the protests, demonstrations funded by the regime.”

The businesswoman also complained about the indifference of the Italian government, which left Italian businesses in the war-torn country to fend for themselves after promoting investments in Libya.

“In order avoid the collapse of my company,” Ms Gamannossi, “I’ve had to stay in Tripoli despite the airstrikes. Those who stayed behind to protect their investments and help the population are looked upon suspiciously by foreign journalists who see them as Gaddafi supporters.”

On Friday, the 30-member contact group on Libya, including the United States, China and Russia, met in Istanbul (Turkey). The group formally recognised the TNC as the sole representative of the Libya people. This will give the council access to about US$ 200 billion in Libyan government assets held in foreign banks to fund the rebel advance.

AsiaNews-07/18/2011 16:24

Filipinos Catholics, heroic witnesses in Libya

“When the war is over, the work of Catholics will remain one of the most heroic pages of the Church in Libya,” said Mgr Martinelli. Despite the war, more than 2,000 Filipino nurses and doctors have remained in the country to serve the population.

Tripoli (AsiaNews) – “When the war is over, the work of Catholics will remain one of the most heroic pages of the Church in Libya,” said Mgr Giovanni Innocenzo Martinelli, apostolic vicar of Tripoli. Speaking to AsiaNews, he praised the “precious work” of more than 2,000 Filipino Catholics employed in local hospitals who have remained in the country to help the population.

     

“After NATO bombing started, most migrants lost their job and fled,” the prelate said. “Those who stayed behind have had to face enormous difficulties.”

Fuel is regularly in shortage supply in the main cities of eastern Libya (Tripolitania), Mgr Martinelli said. People have to join long line-ups to get bread and basic necessities.

“Filipino nurses and doctors chose to remain, not for money, but to serve the people of Libya and the Church,” he explained. “They face the hardships of war with courage and a sense of responsibility.”

Many Sub-Saharan migrants, mostly construction workers, also chose to stay. They have shown a great deal of courage, the bishop explained. “These people are giving their time and life for the Church and are a sign of hope for Libyans.”

After almost six months, the war is at a stalemate. NATO airstrikes continue to hit strategic sites controlled by Gaddafi’s forces. This has allowed the Benghazi rebels to come closer to Tripoli.

However, soldiers loyal to Libya’s strongman are far from being defeated. Yesterday, they repelled an attack and retook a few villages about 100 kilometres from the capital.

Tomorrow, the Libya contact group is set to meet in Istanbul (Turkey) to renew their pressure on Gaddafi, who still refuses to go, and increase funding for the rebels.

Mgr Martinelli now hopes for a truce in connection with Ramadan, which begins in early August.

“People are tire of this conflict,” the prelate said. “But we cannot tire to pray God to enlighten leaders so that they can lay down their weapons.” (S.C.)

AsiaNews-07/14/2011 16:04

Bishop of Tripoli: bombs and weapons are useless and divide the country. Find a way to communicate with Gaddafi

African Union and Russia meet in Moscow to find a peaceful solution to the crisis in Libya. Hundreds of thousands demonstrate in favour of Gaddafi in Tripoli and other cities. Wrong to financially and militarily support Benghazi rebels.


Tripoli (AsiaNews) - “Nothing has changed after more than one hundred days of air raids. Bombs and war are unnecessary. Nothing will change in the future if we continue on this road. To avoid dividing Libya we need a form of dialogue that includes Gaddafi and his supporters”, Mgr. Giovanni Martinelli, Apostolic Vicar of Tripoli, returns to reiterate as the meeting between the African Union (AU), Russia and NATO countries gets underway today in Moscow. According to the prelate, the Contact Group for the crisis in Libya should aim to restore unity in the country. “Without this prospect - he says - there will never be peace.”

Since the beginning of the NATO mission in Libya, Russia and African Union representatives have been working for a diplomatic solution to the crisis. Today, Jacob Zuma, president of South Africa and the EU High Representative, will present to the International Contact Group on Libya a new plan to find an agreement between Gaddafi and the Libyan Transitional Council.

Archbishop Martinelli points out that there are still many supporters of the Rais in the country, who criticize the one way attitude of the international community in favour of the rebels of Benghazi. Yesterday, Turkey also recognized the Transitional Council of Libya, promising funding for over 200 million dollars. “On July 2 - said the bishop - hundreds of thousands of people took to the streets of Tripoli and other cities to support Gaddafi”. According to the prelate, the population fears a radical change of regime, it does not know the rebels in Benghazi, and for many Gaddafi is still a guarantee for their future.

“France, Turkey and other NATO countries - says Martinelli – is wrong to fund and arm the rebels. This attitude, which violates the UN standards, leads nowhere and is likely to provoke divisive hatred among the population. ” (S.C.)

 AsiaNews-07/04/2011 14:16

Bischof Martinelli aus Tripolis: „Ich bete für die Aussöhnung unter den Libyern“

Tripolis (Fidesdienst) – „Damit Libyen geeint bleibt ist ein ehrlicher Dialog notwendig. Ich hoffe, dass den Libyern die Aussöhnung gelingt. Ich wünsche mir eine aufrichtige Versöhnung zwischen Tripolis und Bengasi ohne Vorurteile und besondere Forderungen. Ich bete dafür, dass Libyen sich nicht spaltet und dass es unter den Libyern eine Aussöhnung gibt“, so der Apostolische Vikar in Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, zum Fidesdienst.
Nachdem von interner und internationaler Seite Forderungen nach dem Rücktritt Gaddafis laut wurden und das Internationale Strafgericht einen Haftbefehl gegen Gaddafi erlassen hat, sagt Bischof Martinelli:

     

 „Man kann sich kaum vorstellen, dass Gaddafi spontan zurücktritt, denn er will, wie auch sein Sohn vor kurzem bestätigte, in Libyen bleiben. Unter formellen Gesichtspunkten ist Gaddafi weder Staatsoberhaupt noch Regierungschef in Libyen, aber er ist mit Sicherheit die Symbolfigur dieses Landes, das in den vergangenen 40 Jahren mit ihm gewachsen ist. Ich glaube, dass wir die geistige Haltung dieses Menschen verstehen sollten, der sich als ‚Vater’ des modernen Libyen betrachtet. Mit Sicherheit gibt es verschiedene Anklagen gegen ihn, doch man muss auch diesen Sachverhalt berücksichtigen, damit der Dialog auf einer soliden Basis stattfinden kann.“
Bischof Martinelli erinnert auch daran, dass „tausende Menschen, manche sprechen auch von einer Million Anhängern, was mir jedoch übertrieben erscheint, am Freitag, den 1. Juli und an den darauf folgenden Tagen an Pro-Gaddafi-Kundgebungen teilnahmen“. Zur Lage in Tripolis sagt Bischof Martinelli, dass „die Bombenagriffe fortgesetzt werden, obschon in den vergangen zwei bis drei Tagen keine Bomben, sondern nur Kampfflugzeuge, die hoch über der Stadt flogen, zu hören waren. (LM)

Fidesdienst, 04/07/2011

Rainer Woelki neuer Erzbischof von Berlin

Es war eine Überraschung: niemand hatte mit der Ernennung des Kölner Weihbischofs Rainer Maria Woelki (54) zum Hauptstadtbischof gerechnet.

   

Der Köln-Mühlheimer mit Wurzeln im deutschen Osten – die Eltern sind Heimatvertriebene aus dem ostpreußischen Ermland – wuchs in der quasi kircheneigenen Siedlung „Bruder Klaus“ auf. Die Pfarrei trägt denselben Namen. Sie war Mutterboden einer Reihe geistlicher Berufungen, schon zu früheren Zeiten  eine Wagenburg Gottes. Wenn man von dort heute zum Rhein fährt, durchquert man nahezu geschlossene türkische Wohngebiete; über 50% der Mühlheimer Zuwanderer stammen aus Anatolien. Keine Spur also vom ehemals „hillije Kölle“, selbst wenn man es nur auf der „schäl Sick“ betrachtet. Weihbischof Woelki sollte es bemerkt haben.

Dieses gestrige Köln hat sich allerdings an der Burgmauer, einem idyllischen Refugium für kirchliches Spitzenpersonal in Domnähe, erhalten. Dort wohnt Weihbischof Woelki derzeit.

Von den 25 Jahren seines priesterlichen Dienstes war Woelki fünf Jahre in der Seelsorge tätig, vor allem in der Neusser Pfarrei St. Marien, einem Bollwerk des rheinisch-katholischen Establishment.  Der anschließende, nur wenige Monate dauernde Dienst in der Militärseelsorge wurde, wie zu hören war, wohl als priesterlich wenig sinnstiftend erlebt. Er blieb darum, wie auch der früher abgeleistete Wehrdienst als Panzerartillerist, eher eine biografische Fußnote.

Die vergangenen 20 Jahre verbrachte der Mühlheimer Priester in typischen Karriereverwendungen: Sekretär des Kardinals, Konviktsdirektor, Weihbischof. Die theologische Promotion an der römischen Opus-Dei-Universität vom Heiligen Kreuz dürfte weitere Möglichkeiten zur Klärung von Kirchen- und Weltbild geboten haben. Insgesamt gesehen verläuft der Lebensweg eines katholischen Klerikers, der Gemeindepfarrer sein möchte, anders.

 

Woelki ist sich der unterschiedlichsten Kulturbrüche in der Weitergabe des Glaubens bewusst:

 

„Wir kommen jetzt immer mehr in eine Situation, die evangeliumsgemäß ist. Es wird deutlich, dass es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, als Christ zu leben. Wir stehen vor der großen Herausforderung, das Evangelium neu auszusäen.“

Er setzt auf kleine Gemeinschaften des Glaubens, die aus tiefer Christus- und Gottesfreundschaft heraus Gemeinde neu bilden sollen. Woelkis bischöfliches Motto lautet daher konsequenterweise: „Nos sumus testes“ („Wir sind Zeugen“).

In freundlicher Weise macht ihn die Presse quasi zur Begrüßung auf den hohen Grad der „Säkularisierung“ Berlins aufmerksam. Sie sei eine „große Herausforderung“ für den neuen Erzbischof.

In einem im vergangenen Jahr geführten Interview, wie die Kirche im Jahre 2035 aussehen werde, meinte Woelki:

„Wir werden dann ein ganz entschiedenes Christentum leben. Das, was jetzt noch Fassade ist, wird dann weggebrochen sein. Wir werden ein Entscheidungschristentum in Deutschland haben. Die Kirche wird sich auf das Wesentliche zurückführen lassen müssen. Das ist ein großer Prozess, den der Herr schon jetzt begonnen hat einzuleiten. Ich bin davon überzeugt, dass es Gemeinschaften des Glaubens geben wird, die aus einer tiefen Christus- und Gottesfreundschaft heraus den gemeindlichen Alltag und den Lebensalltag der Menschen gestalten. So werden wir auch eine neue Attraktivität für all diejenigen bekommen, die nach Sinn, Halt und Ordnung suchen.“

Erst vor Ort wird der neue Erzbischof sich Vorstellungen machen können, was jetzt auf ihn zukommt.

Er wird eine (katholische) Kirche vorfinden, die unter seinem Vorgänger aus dem Geist der weiland DDR-Pastoral geleitet, besser: verwaltet wurde. Die Mitgliederzahlen blieben nur dank der Zuzüge aus dem Bundesgebiet stabil. Missionarische Potenz hatte und hat diese Erzdiözese nicht. Der Staatssozialismus hatte der unpolitischen katholischen Minderheit, besonders ihrem Klerus, eine Überlebensgarantie in der Wagenburg (westdeutsch: hinter der Burgmauer) gesichert. Seit 1990 lebt man geistig und geistlich von dieser Substanz und westdeutschen Kirchensteuermitteln.

Berlin, vor allem sein Osten, ist nicht „säkularisiert“ , sondern weithin religionsfrei – chemisch rein. Da hilft kein „Aussäen des Glaubens“ mehr, wie bisherige Versuche zeigen. Zudem will selbst die hauptstädtische Christenpartei  sich zu einer „modernen Großstadtpartei“ mit ihren vielfältigen Lebensformen mausern. (Als ob es mit den GRÜNEN eine solche Partei nicht schon längst gäbe.) Insgesamt herrscht ein Geist der Toleranz, der vor den Katholiken halt macht. Das zeigte mit aller Klarheit die Volksabstimmung über den Religionsunterricht. Beide Kirchen samt CDU erlebten ein Debakel. Die Humanistische Union mit Bündnispartnern setzen in Berlin den christlichen Kirchen und ihrem Einfluss Grenzen.

Und schließlich die Ökumene, die der (Ost-Berliner) katholische Bundestagsvizepräsiden Wolfgang Thierse über die Presse vom neuen Erzbischof gebieterisch einfordert:  „Ich wünsche mir, dass er sich auf die Stadt einlässt und dass er bereit ist, mit den Christen beider Konfessionen in diesem Bistum zu kommunizieren“(Sic!). Der Abstand zur Grünen-Bürgermeisterkandidatin und Mitglied im Beirat der Humanistischen Union Renate Künast ist da gar nicht so groß:

Sie hofft, „dass Woelki wie sein Vorgänger die Vielfalt und Buntheit Berlins wahrnehmen, anerkennen und dessen beeindruckendes humanitäres Engagement fortsetzen möge.“ Der evangelische Landesbischof Dröge meint:

„Wir sind Zeugen« eröffnet in einem pluralen und multireligiösen Umfeld neue Perspektiven. Wir haben in unserer Region viele positive Erfahrungen mit dem gemeinsamen ökumenischen Zeugnis gemacht. Gemeinden vieler unterschiedlicher Konfessionen und Sprachen befinden sich in einem regen Austausch.“

„Buntheit wahrnehmen und anerkennen“. Kann man dieser Grundforderung entsprechen, ohne die christliche, katholische Identität zu verlieren? Wer dächte da nicht unwillkürlich an die berühmte Areopag-Rede des hl. Paulus (Apg 17, 16-34). Ihr Facit waren Spott und Desinteresse des Publikums am Ende der seinerzeitigen Talk-Show.

Am Beispiel Berlins dürfte sich bestätigen, dass eine vordergründige „Areopag-Methode“ von falschen Voraussetzungen ausgeht. Ähnliches gilt von dem Versuch, Neuevangelisierung und Areopag-Predigt kurzschlüssig miteinander zu verbinden.

In Berlin heute und morgen authentisch katholisches Christsein zu leben, verlangt zuerst neue Fragen an die Welt, in der wir leben. Und neues Verstehen, neue Erkenntnisse. Es genügt nicht - man verzeihe die militärische Sprache - aus vermessenen Stellungen, nach alten Koordinaten auf unbekannte Ziele zu feuern. Katholiken in Berlin müssen es neu lernen, Wagenburgen und Burgmauern hinter sich zu lassen und sich an die Front des Lebens zu begeben. Das verlangt allerdings eine Führung, die vorangeht.

Auf den neuen Erzbischof und die Seinen kommen keine leichten Zeiten zu.