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30.4.2011 von dragonX6.
Tripolis (Fidesdienst) – „Heute morgen haben mich verschiedene Menschen aus zahlreichen Ortschaften besucht, die bombardiert wurden und wo es Opfer unter den Zivilisten gab“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli. „Sirte, Zentan und Misrata sind betroffen. Dort werden die Gefechte auch fortgesetzt. Ich weiß nicht, von welcher Seite die Zivilisten getroffen wurden, doch in Misrata ist die Situation wirklich tragisch“, so Bischof Martinelli. „Ich hoffe, dass es mir in den kommenden Tagen gelingen wird, in ein Krankenhaus zu gehen und die Verletzten zu besuchen“, so der Apostolische Vikar von Tripolis.
„Die Bomben, wie genau sie auch sein mögen, fordern immer Opfer unter den Zivilisten. Bombardierungen sind als solche unmoralisch. Ich frage mich, ob es moralisch ist, einen Staatschef zu ermorden. Welches Recht haben wir, so etwas zu tun?“, so Bischof Martinelli, der sich damit auf die Angriffe gegen die Residenz des libyschen Staatsoberhaupts Gaddafi bezieht. „Auch die die Behauptung des Bündnisses der Länder, die Libyen bombardieren, dass man Zivilisten vor Aggressionen schützen will, entspricht nicht der Wahrheit. Denn diese Bombenangriffe fordern oft Opfer gerade unter den Zivilisten, die sie angeblich schützen sollen. Wir brauchen unbedingt einen Waffenstillstand“, so der Apostolische Vikar von Tripolis.

„Wir bitten um die Fürsprache von Papst Johannes Paul II., der Wunder wirken kann. Ich erinnere auch daran, dass dieser Papst es war, der 1997 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Libyen anregte, gegen dieses Land noch ein internationales Embargo in Kraft war. Ich wäre gerne nach Rom gekommen, um an der Seligsprechung dieses großen Papstes teilzunehmen. Und ich bete unermüdlich dafür, dass es durch seine Fürsprache zu einer friedlichen Lösung der Krise kommen wird“, so Bischof Martinelli. „Papst Johannes Paul II. hat uns gelehrt, dass Spannungen und Kontraste sich nicht durch ein Embargo (oder mit Bomben…) lösen lassen, sondern nur durch den Dialog. Dies war eine seiner großen Lehren. Ein Krieg kann keinen Frieden bringen“. (LM)
(Fidesdienst, 30/04/2011)
Bischof von Tripolis kritisiert NATO-Militäreinsatz gegen Libyen – “Ein sinnloser Krieg”
Der Apostolische Vikar erklärte Asianews, daß die Lage “verzweifelt” sei und forderte den Westen auf, die Kriegshandlungen einzustellen. “In den Straßen sieht man weinende Frauen und Kinder. Viele moslemische Frauen flüchten sich weinend in die Kirche und flehen, daß der Papst eingreift, um dem Konflikt ein Ende zu bereiten.” Die Bomben, so der Prälat, würden “nichts lösen.” Die NATO und die Rebellen sollten ihren Militäreinsatz abbrechen und einen diplomatischen Dialog mit dem Regime beginnen.
Scharfe Kritik übte der Bischof an der italienischen Regierung, die jahrelang Gaddafi und sein Regime unterstützt habe und sich nun an den Luftangriffen beteilige.
Posted By GN On 29. April 2011 @ 20:05 (Asianews/Giuseppe Nardi)
Anmerkung H.O.:
Die (katholische) Nachrichtenagentur “Asianews” bietet einen interessanten redaktionellen Beitrag von Maurizio d`Orlando, der den Feldzug in Libyen mit kolonialistischen Aktionen der Vergangenheit und dem Vietnam-Krieg vergleicht.
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28.4.2011 von dragonX6.
Die Menschen in Libyen fühlen sich verraten von Europa und besonders von Italien. Nach den „gezielten Bombardierungen“ der NATO im Land herrsche Entsetzen, sagte im Gespräch mit uns Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, apostolischer Vikar in Tripolis und selbst Italiener. „Es ist ein Widerspruch, dass Italien sich an den NATO-Kriegseinsätzen in Libyen beteiligt. Das libysche Volk und die Menschen, die ich traf, fühlen sich verraten: verraten in einer Freundschaft, in einer langen Zusammenarbeit zwischen Italien und Libyen. Den Leuten ist unverständlich, dass da nun „gezielt“ Bomben abgeworfen werden sollen. Was heißt „gezielt“? Worauf zielen sie?“ In der Nacht auf diesen Donnerstag sei es zu einem Bombenabwurf in der Nähe seiner Residenz gekommen, erzählte Martinelli. „Es ist verrückt zu denken, man könne eine Stadt bombardieren und dabei keine zivilen Opfer haben“, so der Bischof wörtlich.
Er registriert aber auch mehr und mehr Bemühungen, den Konflikt in und mit Libyen auf dem Verhandlungsweg zu lösen. „Doch, Hoffnungszeichen gibt es. Mehr und mehr Länder haben sich gegen den Krieg ausgesprochen. Ich weiß nicht, warum das kaum in den Nachrichten vorkommt. In die Nachrichten schaffen es jene Staaten, die in den Krieg ziehen. Aber einzelne Länder wollen an einem Dialog arbeiten. Das ist, denke ich, der richtige Weg. Die Anwendung von Gewalt führt zu nichts.“ Unterdessen denkt die Nato sechs Wochen nach Beginn des internationalen Luftkriegs gegen das libysche Regime daran, ihren militärischen Druck sogar noch zu erhöhen. Der Kommandeur der Nato-Angriffe sprach von „Erfolgen“. „Die Zahl der zivilen Opfer würde weitaus höher liegen, wäre die Nato nicht in Libyen“, sagte der französische General Charles Bouchard. Die jüngsten Angriffe auf Gaddafis Kommandozentrale in der Hauptstadt Tripolis trügen zu einem Ende der Gewalt bei und schaffen „eine Umgebung für Dialog und Diplomatie“, so der General. Der Krieg in Libyen hat inzwischen mehr als 600.000 Menschen zur Flucht aus dem Land getrieben, gab die Internationale Organisation für Migration (IOM) bekannt.
(Radio Vaticano -/diverse 28.04.2011 gs)
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Bischof Martinelli: „Heute Nacht wurden unschuldige Zivilisten in der Umgebung der Kirche aus dem Schlaf gerissen: Wie können die Vereinten Nationen so etwas zulassen?“
„Ich weiß nicht, welches Ziel in der Nähe der Kirche getroffen wurde, aber die Erschütterung durch die Bombe war schrecklich“, so der Apostolische Vikar von Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli. „Wir wurden eine halbe Stunde nach Mitternacht aus dem Schlaf gerissen und ich weiß nicht, welches Ziel die Bomben treffen sollten“, so Bischof Martinelli. „Hier in der Umgebung wohnen viele Familien mit Kindern. Die Menschen verließen von der Panik ergriffen ihre Wohnungen und gingen auf die Straße. Es heißt, dass die Bomben gezielt abgeschossen werden, doch sie erschüttern das Leben unschuldiger Menschen. Wie kann man denken, dass man eine Stadt bombardiert, ohne dass dies Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hat. Man versetzt die Menschen in Panik. Wie können die Vereinten Nationen so etwas zulassen?“, fragt sich der Apostolische Vikar in Tripolis. Abschließend bedauert Bischof Martinelli, dass er Angesichts der Schwierigkeiten das Land nicht verlassen kann: „Ich hätte gerne an der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. in Rom teilgenommen, denn er hat viel für Libyen getan. Doch leider ist es nicht möglich. Diesen Verzicht wollen wir dem Herrn als Opfer darbringen“. (LM)
(Fidesdienst, 28/04/2011)
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28.4.2011 von dragonX6.

Tripolis (Fidesdienst) – „Am Ostermontag gab es verheerende Luftangriffe auf Tripolis, doch dies hat die Gläubigen nicht daran gehindert, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Insbesondere hat mich die große Anzahl der philippinischen Gläubigen beeindruckt, die nicht nur kamen, um zu beten, sondern auch um sich zu treffen und gemeinsam zu feiern“, so der Apostolische Vikar in Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli. „In diesen Tagen haben wir auch Ortschaften in der Umgebung von Tripolis besucht, um anlässlich des Osterfests den dortigen Christen zu begegnen“, so Bischof Martinelli, „doch leider konnten wir dabei nicht in alle Ortschaften gelangen“.

Der Apostolische Vikar von Tripolis beklagt im Gespräch ein weiteres Mal, dass man sich nicht um eine friedliche Lösung der Krise bemüht: „Die Vereinten Nationen haben beschlossen, dass Krieg geführt wird, und ziehen den Dialog als Mittel für eine Überwindung der Kontroverse nicht in Betracht. Alle wollen die Lösung mit Bomben erreichen. Dies ist sehr traurig, es ist schrecklich, denn es wird sich nichts ändern. Es ist eine Niederlage für die Menschlichkeit“.

Was den Beschluss der Behörden in Tripolis anbelangt, einheimische Stämme an der Vermittlung auf der Suche nach einem Ausweg aus der Krise in der Stadt Misurata zu beteiligen, die seit Wochen Zentrum dramatischer Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und regulären Streitkräften ist, und wo die Situation der Zivilisten sich dramatisch zugespitzt hat, sagt Bischof Martinelli: „Ich glaube, dass dies sehr vernünftig ist, denn die libysche Krise beschränkt sich nicht auf die Person Gaddafi alleine, sondern es betrifft das gesamte System der Beziehungen. Man sollte sich dabei nicht auf Misurata beschränken, sondern einen Weg finden, der alle Stämme und den Reste der libyschen Bevölkerung am Dialog beteiligt“, so der Apostolische Vikar von Tripolis. (LM)
(Fidesdienst, 27/04/2011)

“Das Leuchten Christi erreiche auch die Völker des Nahen Ostens, damit das Licht des Friedens und der Menschenwürde die Finsternis der Teilung, des Hasses und der Gewalt überwinde.

Mögen in Libyen die Diplomatie und der Dialog an die Stelle der Waffen treten und in der augenblicklichen Konfliktsituation der humanitären Hilfe der Zugang zu denen erleichtert werden, die unter den Folgen der Auseinandersetzung leiden. In den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens mögen alle Bürger – und im besonderen die jungen Menschen – sich dafür einsetzen, das Gemeinwohl zu fördern und Gesellschaften aufzubauen, in denen die Armut überwunden wird und jede politische Entscheidung von der Achtung vor der menschlichen Person getragen ist.”
Benedikt XVI. in der Botschaft zum Segen „Urbi et orbi“ am Ostersonntag, 24. April 2011
P.S. „Krieg und Ostern“
Kurz vor dem Osterfest 1999 – die NATO-Luft-Operationen gegen Serbien waren in vollem Gange – wandte sich ein bekannter Journalist an den damaligen deutschen Katholischen Militärbischof mit der Bitte, den Verteidigungsminister zu ersuchen, dass wenigstens keine deutschen Luftwaffenkräfte über Ostern in Serbien zu Einsatz kommen sollten. Eine Feuerpause über Ostern sei nicht nur diesem christlichen Fest höchst angemessen. Dazu komme die Erinnerung der Serben an den Osterangriff 1941 auf Belgrad durch die deutsche Luftwaffe („Unternehmen Strafgericht“/Castigo). (USAF und RAF bombardierten die serbische Hauptstadt am (orthodoxen) Osterfest 1944 kaum minder grausam.) Auf den Brief des Bischofs an den BMVg gab es (m.W.) keine Reaktion. Der Krieg machte 1999 keine Pause.
So auch 2011 in Tripolis. An den Ostertagen erfolgten die bisher heftigsten Luftangriffe, offensichtlich nach dem 5-Ringe-Modell A. Wardens. (Original-Text:)
www.airpower.maxwell.af.mil/airchronicles/battle/chp4.html
M.W. hat kein Vertreter der Kirche(n) überhaupt nur die Forderung nach einer österlichen Kampfpause erhoben. Soweit das neue (nachchristliche) Europa.
H.O.
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20.4.2011 von dragonX6.
Tripolis (Fidesdienst) – „Heute Morgen Weihen wir das Öl und morgen früh werden wir die Abendmahlsmesse feiern. Unsere priesterliche Gemeinschaft versammelt sich also bereits zum Beginn der österlichen Feiern. Wir haben drei philippinische Priester, einen Ägypter und einen Malteser und ich selbst bin zwar Italiener, doch ich fühle mich zu drei Vierteln als Libyer“, so Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, der Apostolische Vikar in Tripolis.

„Gestern habe ich Journalisten und Mitarbeiter verschiedener Nichtregierungsorganisationen aus London getroffen, die sich über die Bedürfnisse der Bevölkerung informieren wollten“, so Bischof Martinelli. „Etwas hat mich bei diesem Gespräch besonders beeindruckt: meine Gesprächspartner baten mich immer wieder, die Wahrheit zu berichten, denn ihrer Ansicht nach seien in den vergangenen Wochen über Libyen zu viele Lügen verbreitet worden. Darauf habe ich geantwortet“, so der Apostolische Vikar weiter, „dass ich nur erzählen kann, was mir selbst in den vergangenen Wochen passiert ist. Was die internationalen Medien berichten kann ich nicht bestätigen, da ich vieles nicht selbst erlebt habe. Fest steht, dass es Vorurteile gegenüber der libyschen Führung gibt, und einige Entscheidungen zu rasch getroffen wurde. Es wurde für den Krieg entschieden, ohne vorher einen diplomatischen Weg zu suchen, der vielleicht möglich gewesen wäre. Dies ist etwas, was mir sehr leid tut“.
„In den 40 Jahren meines Dienstes in Libyen kann ich nur sagen, dass wir nie Schwierigkeiten hatten, wenn es um die katholische Gemeinde des Landes ging. Ich durfte Kranke und deren Pflegepersonal besuchen. Viele Ärzte und Krankenpfleger, die in Libyen tätig sind und die zum größten Teil Christen sind, haben ebenfalls keine Schwierigkeiten. Ich kann diese 40 Jahre, die ich hier zusammen mit meiner Herde erlebt habe nicht verleugnen“, so der Apostolische Vikar.
„Die Libyer sind praktizierende Muslime aber keine Fanatiker und sie stehen anderen und insbesondere den Christen offen gegenüber. Wir sind uns beim Dienst an den Mitmenschen und bei unserem Engagement im sozialen Bereich in der libyschen Gesellschaft oft begegnet. Viele Christen, die in Libyen geblieben sind, haben dies getan, weil sie überzeugt sind, dass sie dem Land einen Dienst leisten und dass die Libyer dies schätzen. Der Krieg darf diese Beziehungen nicht zerstören.“
„Gewiss, die Krise hätte verhindert werden können, wenn man den Bedürfnissen der jungen Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet hätte. Doch der Krieg kann eine soziale Krise nicht lösen. Im Gegenteil, er verschlimmert das Ganze und es kommt zu einer Spirale der Zerstörung, aus der man nur schwer wieder herausfindet“, so Bischof Martinelli. „Ich danke an dieser Stelle dem Heiligen Vater noch einmal für seine Worte der Verbundenheit im Gebet“, so der Apostolische Vikar abschließend. (LM)
(Fidesdienst, 20/04/2011)
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18.4.2011 von dragonX6.
Am 15. April meldete die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW), die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi hätten im Kampf gegen Rebellen in einem von Zivilisten bewohnten Viertel der Großstadt Masurata international völkerrechtlich geächtete Streu-Munition zum Einsatz gebracht. Diese Meldung wurde von der westlichen Presse sofort ungeprüft übernommen und als Beleg skrupelloser, menschenverachtender und grausamer Bekämpfung der eigenen Bevölkerung durch Muammar Gaddafi und als schwerstes Kriegsverbrechen gewertet. Als Konsequenz wurde gefordert, die NATO instand zu setzen, dieser neuartigen Qualität der Bedrohung von Zivilisten mit militärischen Mitteln entgegen treten zu können, ja Gaddafi selbst zum Schutz der Bevölkerung „auszuschalten“.

Nachdem sich zwischen Gaddafi auf der einen und der NATO mit ihren willigen Helfern auf der anderen Seite ein militärisches Patt abzuzeichnen begann, könnte der – angebliche - Einsatz der Cluster-Munition eine weitere Verschärfung der Kriegführung rechtfertigen. Erinnert sei an die „Brutkasten“-Lüge in der Irak-Kuweit-Krise 1990. Das macht einige zusätzliche Überlegungen erforderlich.
Zuerst ist zur Kenntnis zu nehmen, dass die Regierungsseite den eigenen Einsatz der Cluster-Waffe nachdrücklich in Abrede stellt.

Saif al Islam, ein Sohn M. al Gaddafis
Unbeschadet eines möglichen militärischen Vorteils machten in der Tat die damit verbundenen Schäden politisch keinen Sinn; schließlich will Gaddafi seine Herrschaft im ganzen Land auf Dauer wieder herstellen. Ein wirklicher „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“ wäre dazu kaum förderlich. Auch ist die moralische Autorität von HRW u.a. wegen ihrer Abhängigkeit von bestimmten Sponsoren durchaus nicht unumstritten. Ihre kürzliche Entlarvung von libyschen Regierungstruppen, die verbotene Landminen eingesetzt haben sollen, wurde von anderen Beobachtern so erklärt, dass diese Minen von den Menschenrechts-Rebellen (vorab unschädlich gemacht) selbst vergraben worden waren, um dann medienwirksam „gefunden“ zu werden. Im Kriege müssen alle Aussagen der Konfliktparteien aber auch die von NGO´s unter Propagandaverdacht gestellt werden. Die Ermittlung “verwertbarer” Tatsachen könnte nur durch Gremien des Auftragsgebers (d.h. der VN) oder das Internationale Kommitee vom Roten Kreuz (ICRC) glaubwürdig geleistet werden.
Weiterhin ist der moralische Gehalt der Anklage nicht wirklich der, der er zu sein vorgibt. Denn der Einsatz von Streumunition ist mitnichten „völkerrechtlich geächtet“. Bisher haben 56 (von 190) Mitgliedsstaaten der VN den entsprechenden Pakt ratifiziert und sind damit an seine Regeln gebunden. Libyen hat ihn nicht einmal unterzeichnet. Dasselbe gilt für Staaten wie die U.S.A., Russland, Indien und Israel, die sogar von vornherein nicht an den entsprechenden Verhandlungen teilgenommen haben, um so jedwede Einschränkung in der Entwicklung, Produktion und dem Einsatz derartiger Waffen von sich abzuweisen. Deutschland hat seine Ratifikation insofern eingeschränkt, als es auch weiterhin militärisch mit Bündnispartnern handeln dürfen will, die Cluster-Bomben und –granaten einsetzen. Deutschland selbst sieht solche Streumunition als nicht der Konvention unterliegend an, deren Submunition sich nach dem Einsatz automatisch unschädlich macht. Nicht die Waffe als solche ist damit also als das „humanitäre“ Problem verstanden, sondern das technisch bedingte „Blindgänger“-Problem. Unter diesem Aspekt hätte auch der behauptete Einsatz in Misurata moralisch (und rechtlich ohnehin) zulässig erfolgen können.
Um die moralische Qualität des „Westens“, was den Waffeneinsatz anbetrifft, näher hin zu erläutern, sei an den Gebrauch von Streumunition durch die US-Forces in dem dreimonatigen Afghanistan-Feldzug 2001/1002 mit 123 Zielorten, über 1200 Containern mit über 250 000 Bomblets erinnert. Gegenwärtig kommt in Libyen die von nicht wenigen Fachleuten als für betroffene Soldaten und die Zivilbevölkerung äußerst schädliche Verwendung von uran-gehärteter DU-Munition seitens der beteiligten NATO-Kräfte dazu.
Damit soll an dieser Stelle in keiner Weise ethisch behauptet werden, die beiden o.g. Waffen sollten nicht völkerrechtlich geächtet werden. Wir sind nur davon überzeugt, dass ein derartiges Verbot nur bedingte Wirkungen erzielen könnte. Entscheidend ist und bleibt vielmehr eine wirksame Durchsetzung des Gewaltverbotes im System der Vereinten Nationen.
Im Fall Libyen hebt die Ermächtigung zu militärischem Handeln durch Res. 1973 des Sicherheitsrates auf den Schutz der Zivilbevölkerung ab. Kommt es jedoch zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Truppen der Regierung und bewaffneten Kräften des Widerstandes („Rebellen“), ist zu beachten, dass „Kämpfer“ (Kombattanten) unbeschadet ihrer (Nicht-) Uniformierung ihren Zivilstatus verlieren. Damit dürfen sie bekämpft werden so wie sie ihrerseits die Regierungssoldaten bekämpfen. Der Schutz, der durch die mandatierten militärischen Maßnahmen gewährleistet werden soll, kann sich damit nicht auf die Rebellen selbst erstrecken. Vielmehr muss deren Führung ihrerseits – zumindest nach Kräften – sicherstellen, dass die dann ihrer Obhut unterliegende tatsächliche „Zivil-„-Bevölkerung nicht in die Kämpfe einbezogen wird. Das kann etwa durch Evakuierung oder durch die – mit der Gegenseite abgestimmte - eingerichtete Neutrale Zonen geschehen. Wird aber etwa eine Stadt wie eine Festung verteidigt, sind die „Kollateralschäden“, soweit sich die Gegenseite an die zulässige Kampfführung hält, den Führern der Verteidigung rechtlich und moralisch zuzurechnen.
Und genau hier liegt die Crux. Die Rebellen brauchen anders als reguläre Soldaten „ihre“ Zivilisten als Unterstützer und vor allem als moralischen Rückhalt. Sie nehmen sie dadurch aber zugleich – objektiv betrachtet – quasi als Geiseln ihrer Kampfführung. Unter dieser Voraussetzung kann die Gegenseite zu dem Schluss kommen, eine Unterscheidung von Kombattanten und Nicht-Kombattanten sei jetzt sinnlos. Die Folge ist zumindest eine Tendenz zu unterschiedsloser Kampfführung.
Auf diesem Hintergrund wird die tatsächlich fiktive Vorstellung vom Zivilisten-Schutz, zumal sie nur für die Rebellenseite gilt, zu einem Widerspruch in sich – vor allem in moralischer Hinsicht. Je länger sich eine militärische Patt-Situation hinzieht, desto schwerwiegender sind die Folgen.
Der Putsch in Libyen ist missglückt. Jetzt gilt das Diktum der christlichen Kirchen des Landes vom 13. April:
„Die Gewalt und das Blutbad müssen sofort beendet werden, denn der Krieg ist nicht die Lösung der Probleme.“
Das ist die Wahrheit!
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16.4.2011 von dragonX6.
Tripolis (Fidesdienst) – „Nach dem Gottesdienst warteten am Ausgang der Kirche ein Dutzend libysche Frauen auf mich. Es waren Muslime. Dies ist mir in den 40 Jahren, in denen ich Gottesdienste in Libyen feiere noch nie passiert. Sie kamen mit mir in die Sakristei und weinten. Einige unter ihnen kannten katholische Ordensschwestern, mit denen sie zusammenarbeiten“, so der Apostolische Vikar in Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, zum Fidesdienst.
„Diese Frauen wiederholten die ganze Zeit: Bitte, tun Sie etwas dafür, dass der Krieg und die Bombenangriffe ein Ende nehmen. Sie haben unsere Familien zerstört, sie haben unser Leben erschüttert, unsere Kinder gehen nicht mehr zur Schule! Wir sind verzweifelt! Dann haben sie mir berichtet, was sie in Misurata gesehen haben“, so der Bischof weiter. Dort seien Frauen vergewaltigt und verstümmelt worden und Familien ihre Häuser eingesperrt sein. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was dort passiert“, so die Frauen zu Bischof Martinelli.
„Ich habe diese Informationen an eine Arbeitsgruppe des Außenministeriums der Europäischen Union weitergeleitet, der auch libysche Staatsbürger angehören, die in Europa und Ägypten leben. Der Ausschuss befasst sich damit, wie humanitäre Hilfen in Libyen in der Zeit nach dem Krieg organisiert werden sollen. Ich habe betont, dass man sich erst um die Beendigung des Konflikts bemühen müsse“, so der Apostolische Vikar von Tripolis.
Bischof Martinelli erinnert an die gemeinsame Erklärung der christlichen Konfessionen in Libyen (vgl. Fidesdienst vom 13/04/2011) und betont: „Man muss die Beziehungen zwischen den Stämmen nutzen. Gaddafi war es gelungen, die verschiedenen Stämme zusammenzuführen. In unserer Erklärung schlagen wir deshalb vor, dass man die ‚Ältesten’ mit einbeziehen sollte, wenn man einen Dialog zwischen den verschiedenen Komponenten der libyschen Gesellschaft auf den Weg bringen will“.
„Mann muss zudem diplomatische Wege finden, der die Gegebenheiten in Libyen respektiert. In diesem Sinn begrüße ich die Position der BRICS-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), die bei ihrer letzten Sitzung den Einsatz von Waffen ablehnten und die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung der Krise in Libyen hervorheben. Dies scheint mir sehr weise, denn die Diplomatie muss gegenüber der Gewalt privilegiert werden“, so Bischof Martinelli abschließend. (LM)
(Fidesdienst, 16/04/2011)
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16.4.2011 von dragonX6.
Der Ökumenische Rat der christlichen Kirchen in Tripoli hat am 13. April 2011 folgende Deklaration an die Vereinten Nationen gerichtet (Wortlaut). Hier findet sich der Text (englisch/arabisch) in Kopie.
Zum Hintergrund vgl. meinen früheren Beitrag.
Die aktuellen Meldungen zu Äusserungen des Apostolischen Vikars von Tripoli, Bischof Innocenzo Lorenco Martinelli ofm, werden im vatikanischen Nachrichtendienst AGENZIA FIDES veröffentlicht.
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13.4.2011 von dragonX6.
In der dramatischen Situation, in der sich die Menschen Libyens gegenwärtig befinden, haben sich heute die fünf im Lande vertretenen christlichen Kirchen zum Sprecher der Anliegen der Libyer gemacht und einen dringenden Appell an die Vereinten Nationen und damit an die Weltöffentlichkeit gerichtet:
„AFRIKA/LIBYEN -
Christliche Kirchen in Tripolis fordern einen „umgehenden und bedingungslosen Waffenstillstand von allen beteiligten Parteien“
Tripolis (Fidesdienst) – Die Gewalt und das Blutbad müssen sofort beendet werden, denn der Krieg ist nicht die Lösung der Probleme“, so der Ökumenische Rat der Kirchen in Tripolis (Libyen) in einer Verlautbarung, die am heutigen 13. April dem Büro der Vereinten Nationen in der libyschen Hauptstadt überreicht wurde. Die Erklärung, in englischer und arabischer Sprache wurde vom Apostolischen Vikar in Tripolis, Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli, auch dem Fidesdienst zur Verfügung gestellt.
In der Einführung heißt es: „Als Gemeinschaft der Gläubigen sind wir zutiefst traurig über die tragischen Ereignisse, zu denen es in jüngster Zeit kam und die dem Land fortwährendes Leid zufügen und Angst und Sorge unter der Bevölkerung auslösen. Wir möchten uns mit unserer Erklärung mit diesen Menschen solidarisch erklären“.
Die christlichen Kirchen fordern einen „umgehenden und bedingungslosen Waffenstillstand von allen beteiligten Konfliktparteien und humanitäre Hilfe für die Opfer“. Es wird außerdem betont, dass „Dialog und Aussöhnung der einzig mögliche Weg ist, um eine freundschaftliche Lösung zu finden und den Frieden zurückzubringen“. „Aus diesem Grund“, heißt es in der Erklärung weiter, „unterstützen wir mit Nachdruck jedes Bemühen und jede Initiative der Ältesten des Landes, die die wahren Gefühle und Sehnsüchte des libyschen Volkes kennen, und aller internationalen Organisationen, die sich um die Herstellung eines Klimas des Vertrauens und eine friedliche Lösung bemühen.“ „Wir werden weiterhin im Zeichen der Solidarität mit allen libyschen Muslimen beten, die sich in diesem in der Geschichte unseres Landes so schwierigen Moment für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen“, heißt es in der Verlautbarung abschließend.
(LM) (Fidesdienst, 13/04/2011)
2011-04-13“
Die Unterzeichner-Kirchen sind: Katholische Kirche, Griechisch-orthodoxe Kirche, Koptisch-orthodoxe Kirche, Uniting Church in Christ und Anglikanische Kirche.
Sprecher der Christen des Landes, die fast ausnahmslos ausländische Arbeitskräfte, vor allem aus Afrika, sind, ist der 1942 in der süd-libyschen Wüste geborene Bischof Giovanni Innocenzo Martinelli O.F.M., der seit 1985 Apostolischer Vikar von Tripolis ist. Ihm gehört der Respekt aller Seiten, auch der Muslimischen Organisationen und der gegenwärtigen libyschen Staatsführung.
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