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19.3.2010 von dragonX6.
Zugegeben: durch die Angaben im aktuellen Dumont-Reiseführer Israel (2010) zum Thema „Sicherheitsbefragungen“ waren wir vorgewarnt. Fragebatterien mit dem Warum, Mit wem, Wohin etc. seien zu erwarten. Nur keine Trotzreaktion, und „äußerste Geduld“, sonst …., wurde angeraten.
Im Ben-Gurion-Flughafen, Tel Aviv, kommt die erste Kostprobe. Der Beamte, meinen Pass in der Hand, fragt mich, ob ich Deutscher sei. Sodann interessiert er sich – zweimal - für meinen Vornamen, der ihm vielleicht angesichts des Geburtsdatums (1946) zu germanisch klingt. (Hätte ich ihm erklären sollen, dass ich als Katholik einen langobardischen Schutzpatron des 11. Jahrhunderts habe ?). Dann folgen die W-Fragen und eine Kritik am Passfoto, das – so wage ich einzuwenden – nach zehnjähriger Laufzeit des Dokuments schlecht aktuell sein könne. Die Vernehmung wird unwirsch beendet.
Grenzort Taba auf dem Sinai, das Gepäck war für einen dreitägigen Ausflug sichtlich gemindert. Das interessierte hier auch nicht. Es geht um eine Ausreisegebühr, von der in keiner Information etwas zu lesen war. Es bestehe bei einer Wiedereinreise die Chance, das Geld zurück zu bekommen. Allerdings, wie sich dann herausstellte, nur bei dortiger Unterbringung in Hotels internationaler (U.S.-)Ketten, die auch im nahen Eilat vertreten sind. Während der Rest der Gruppe in solche Verhandlungen verwickelt war, werde ich, aus gehörigem Abstand den Grenz-Check-Point fotografierend, von einem jungen Mann in Freizeitkleidung, mit umgehängtem Schnellfeuergewehr, angesprochen. Keine Fotos! Wo das stehe, meine Antwort. Er teile mir das jetzt eben mit, meint er. „Mit welchem Recht“, war dann meine Rückfrage. „Security“. Und die Uniform? Er berührt sein Gewehr, das sei genug.
Der Härtetest fand dann für einen Inlandsflug nach Tel Aviv in Eilat statt. Nur wenige Fluggäste sind „abzufertigen“, die stattliche Schar der „Securities“ scheint unterbeschäftigt. Sie stürzen sich – fast ausnahmslos junge Frauen -förmlich auf unsere Vierer-Gruppe, das Gepäck wird gründlichst gefilzt. Die Pässe gehen von Hand zu Hand. Unglückseligerweise hatte ein Gruppenmitglied vor Jahren von Australien aus einen Kurztrip nach Indonesien unternommen. Das sollte ihm jetzt leidtun. Nach jedem Ort, nach jedem einzelnen Tag wird gefragt. Aber auch zur aktuellen Reise: jedes Hotel, jeder Ort (offensichtlich sind „holy places“ des Christentums nicht als legitimer Reisegrund anerkannt) – die „W“-Liste nimmt schier kein Ende mehr. Dazu ein aggressiver, feindseliger Ton, der keine unbefohlenen Rückäußerungen zulässt. Ein vorsichtiger Hinweis auf (frühere) Dienste in Bundeswehr und German MoD bleiben ohne jede Wirkung, das habe „no relevance“.
Rückflug, Ben Gurion: 7 Passkontrollen, drei Gepäckdurchsuchungen und – warten. Eine nicht kleine Gruppe orthodoxer Juden mit blauen US-Pässen hat es offensichtlich sehr viel einfacher, ebenso eine Schar von US-Offizieren im Kampfanzug, wahrscheinlich mit einer entsprechenden Clearence ausgestattet. Sie bewegen sich, als ob sie hier zu Hause wären.
P.S. Zu Hause, Berlin-Tegel: Nur der Pass wird flüchtig kontrolliert, ein Zoll-Begrüßungs-Komitee bleibt untätig, aber lächelt. Ein älteres, Ivrit sprechendes Paar vor mir wendet sich in Englisch an den Beamten und legte seine weinroten Pässe mit Bundesadler vor. Ihr jugendlicher Begleiter drängelt mich bei Seite, um Anschluss zu halten, ganz so wie beim Beginn der Reise in Tel Aviv.
Um nicht missverstanden zu werden: Wir wenden uns nicht gegen scharfe Sicherheitsmaßnahmen, wie sie Israel als besonders gefährdeter Staat auch im Reiseverkehr treffen muss. Das war auch vor 32 Jahren so, als ich zum ersten Mal im Heiligen Land war. Doch durch – und dann noch offensichtlich ineffektive – „Vernehmungen“ das Recht auf Freizügigkeit anzutasten, hat in einem Rechtsstaat keinen Platz. Wir Deutschen können uns noch zu gut an das seinerzeitige innerdeutsche Grenzregime erinnern. Ein Land, das eine solche Praxis für nötig hält, darf sich nicht wundern, wenn dann Touristen ausbleiben. Jetzt verstehe ich den Hinweis der Berliner ADAC-Geschäftsstelle vor Antritt der Reise, Länderinformationen für Israel seien mangels Nachfrage nicht mehr verfügbar. Der erste Platz Israels bei der gerade in Berlin zu Ende gegangenen Tourismus-Börse wird daran kaum etwas ändern können. Es sind einfach Grenzen überschritten, die mir jedes Motiv nehmen, unter solchen Bedingungen noch einmal nach Israel zu reisen.
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