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26.10.2009 von dragonX6.
Unter den in der Regel routinisiert wirkenden alljährlichen Gedenkreden zum 20. Juli fiel in diesem Jahre jene aus dem Rahmen, die der frischgebackene Wirtschaftsminister zu Guttenberg als Vertreter der Bundesregierung an der Gedenkstätte Plötzensee zu halten hatte. Da wurde kein Referentenentwurf vorgelesen. Aus einer Art subjektiver Nachdenklichkeit spiegelte Guttenberg die heutige politische Gedenkpraxis in der Erinnerung an seine Vorfahren der dritten und vierten Generation, die damals in der militärischen Opposition gestanden und z.T. ihr Leben verloren hatten.
Und: in welcher Weise sind sie Vorbilder für die Gegenwärtigen, die Angehörigen der Generationen Nachkriegsgeborener, die ihre Abkünftigkeit von jenen oft explizit verleugnen?
„Auffällig ist indes, dass wiederholt ein anderes Extrem gesucht wird: der belehrende, akribisch die Schwächen suchende und nicht selten zur Marginalisierung neigende Unterton in der Beschreibung der Widerstandsbewegung. Worauf richtet sich dieses Ansinnen? Möglicherweise auf das Verständnis von Vorbildern.Tatsächliche Vorbilder für verantwortungsvolles Handeln entspringen jedoch nicht der Erkenntnis von Übermenschlichkeit, sondern im Ergebnis ist es gerade das Menschliche, was die Taten groß, auch heldenhaft erscheinen lässt.“
Fotos von der privaten Hompage von Dr. zu Guttenberg .
Damit richtet sich der Focus auf Erkenntnis und Charakter derjenigen, die zum Widerstand fanden. Beides setzt einen Lernprozess voraus. Dann folgen Entscheidung und Tat – ohne Möglichkeit der Umkehr. Die „Helden“ des Widerstandes waren eben keine Übermenschen, sie waren „normal“ bis zur Stunde der Entscheidung.
„Es wäre ein Ausweis der Armseligkeit, wenn der moralisierende Maßstab des Übermenschlichen - angelegt von allzu menschlichen Vertretern - das Land seiner Vorbilder berauben würde.
Immer wieder wird im Zuge des 20. Juli “mangelndes Demokratiebewusstsein unter den Verschwörern” beklagt. Was für ein komfortables, ja manchmal hochmütiges Urteil - sei es aus dem angeblich gefestigten Wissen unserer Zeit oder aus Gründen individueller Geschichtsbewältigung.“
Guttenberg weiß um die aussichtslos erscheinende Lage dessen, der sein persönliches Ethos zu bewahren versucht und gerade dadurch allgemeine Ausgrenzung erfährt. Theodor W. Adorno setzte wohl in seinen „Minima moralia“ genau auf solche Menschen, die bei der Verwirklichung „des Richtigen im Falschen“ notwendig scheitern müssen und sich dennoch treu bleiben. Heute jedoch triumphiert, nicht nur im linken Spektrum, instrumentierende Geschichtspolitik.
Die Person des handelnden Akteurs also muss im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Das war auch ein maßgebliches Motiv für die seinerzeitige Luftwaffenführung der Bundeswehr, Werner Mölders als Zeugen guter deutscher soldatischer Tradition zum Namensgeber eines Geschwaders zu machen. Nicht das Flieger-Ass und der Ritterkreuzträger zählte, sondern der „gerade Gang“, die umsichtige Führungskraft, Kameradschaft und Menschlichkeit. Diejenigen, die den Anstoß zur damnatio memoriae gegeben hatten, wollten exakt das Gegenteil: alles das abwertend und für bedeutungslos erklärend wurde der Mensch und Soldat – auch der katholische Christ – Mölders demontiert, herabgewürdigt und verunglimpft. Dem ist die Hohe Führung öffentlich nicht deutlich und klar genug entgegengetreten. Wissenschaftliche Beiträge aus dem Bereich der Bundeswehr trugen ebenfalls nicht zur Klärung bei – im Gegenteil.
Hier ist Genugtuung überfällig, von höchster Stelle. Die persönliche Ehre des jung verunglückte Offiziers und derer, die sich für ihn einsetzten, bedarf neuer Anerkennung, in welcher Form auch immer. Der neue Minister darf ohnehin nicht darauf hoffen, den Respekt oder gar die Unterstützung der „antifaschistischen“ Linken zu finden. Im Gehgenteil, es liegt in der Logik des Arguments, dass auch die Soldaten der Bundeswehr demnächst als Mittäter eines ungerechten Angriffskrieges entlarvt werden.
Doch diese politische Perspektive, das hat K.T. zu Guttenberg klar (an-)erkannt, kann kein tragender Grund für die notwendige Korrektur eines Unrechts sein. Es geht vielmehr um Grundfragen von Werten, Verantwortung und Ethos, eher um die Zukunft als die Vergangenheit deutscher Streitkräfte.
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19.10.2009 von dragonX6.
Manfred Hettling/Jörg Echternkamp (Hg.):
Bedingt erinnerungsbereit: Soldatengedenken in der Bundesrepublik Deutschland
Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht 2008
Mit der Indienststellung des Ehrenmals der Bundeswehr am Berliner Bendlerblock sind die Fragen noch längst nicht beantwortet, zu deren Beantwortung das Ehrenmal einen Beitrag leisten will. In dieser Woche – vom 19. Bis 23. Oktober – bemühen sich die katholischen Militärseelsorger in der Bundeswehr unter Leitung von Militärbischof Walter Mixa bei ihrer jährlichen Gesamtkonferenz, diesmal in Berlin-Steglitz, um eine eigene Standortbestimmung. Dass die säkularisierte Symbolik des Bauwerks für den katholischen Theologen und Liturgen Probleme aufwerfen könnte, ist dabei durchaus im Blick, zumal der Architekt, Prof. Andreas Meck, die Meinung vertrat, er habe den Raum kirchenähnlich schaffen wollen. So werden die Militärgeistlichen und Pastoralreferenten wohl auf manches Problem im Hintergrund stoßen, das im oben angeführten Band schon deutlich angesprochen ist.
(Rezension hier)
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15.10.2009 von dragonX6.
In der Jesuitentheologie des 16. Jahrhunderts entstand der Begriff der „Propaganda“ (Pro-Pagani, d.h. also für die Heiden). Gemeint war die strategisch zu planende und durchzuführende Evangelisierung der Völker Südamerikas – und zwar in eigener kirchlicher Zuständigkeit, in Konkurrenz zur Kolonialisierungspolitik von Spaniern und Portugiesen. Die zu diesem Zweck gebildete päpstliche Zentralbehörde erhielt den Namen „Propaganda fidei“. Die Inhalte der „Propaganda“ waren vorgegeben durch die doctrina catholica, wurden also als wahrheitsfähig unterstellt und durch die Inquisition überwacht.
Die Moderne hat den Sachverhalt umgekehrt. Propaganda bedeutet heute gezielte, versteckte und nur auf Wirkung (und nicht mehr auf Wahrheit) bezogene, organisierte Kommunikation, um Einstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen bestimmter Zielgruppen im Sinne eigener Interessen zu beeinflussen. Zumal im Krieg hat Propaganda Hochkonjunktur. So wurde im NS-Staat schon am ersten Kriegstag der neue Straftatbestand des Rundfunkverbrechens geschaffen, denn „im modernen Krieg kämpft der Gegner nicht nur mit militärischen Waffen, sondern auch mit Mitteln, die das Volk seelisch beeinflussen und zermürben sollen“. In den angelsächsischen Staaten, zumal den USA, ist psychologische Kriegführung, seit dem I. Weltkrieg eine Selbstverständlichkeit. Das NS-Regime versuchte mit umfassender Kriminalisierung und grausamer Bestrafung jeden kommunikativen Kontakt zwischen eigenen Truppen bzw. der eigenen Zivilbevölkerung (mehr noch der zahlreichen ausländischen Zwangsarbeiter) mit „dem Feind“ zu unterbinden – mit fortschreitendem Krieg zunehmend erfolgloser. Die Diskrepanz zwischen den Informationen der gleichgeschalteten deutschen Medien und den erlebbaren Tatsachen wurde unüberwindbar. Das stärkte die Wirkungen der Propaganda des Gegners, zumal man sich hier weithin an die Tatsachenwahrheit hielt.
Deutschland befindet sich gegenwärtig, wie uns die Regierung immer wieder versichert, nicht im Krieg. Das für einen solchen Fall vorgesehene Notstandsrecht ist nicht in Geltung. Vor allem: nicht einmal im Verteidigungsfall sind Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit zulässig. Das hat die Bundesrepublik aus der Geschichte gelernt.
Was die positiven Wirkungen einer offenen und selbstbewussten Informationspolitik beim Auslandseinsatz der Bundeswehr angeht, steht ein solcher Lernprozess wohl noch ziemlich am Anfang. Während die eigenen Ziele des Einsatzes nachdrücklich kommuniziert werden – wie in diesen Tagen bei der Trauerfeier für einen gefallenen Kameraden in Fulda – so bleiben die Konzepte und Grundlagen eigenen militärischen Handelns eben so unzugänglich („Taschenkarte“) wie die Regeln der Kampfführung des „Gegners“ (Layeha).
Um die politische und moralische Überlegenheit der eigenen Sache beim Publikum, in den eigenen Streitkräften und vor allem in der afghanischen Bevölkerung unter Beweis zu stellen, ist ein offensiver Umgang mit den Selbstzeugnissen des Gegners unverzichtbar. Das gilt in besonderer Weise für ein Land wie das unsere, in dem Millionen Muslime schon erfahren sollten, ob die Taliban die Sympathie der Umma verdienen oder nicht.Das erklärte Selbstverständnis und der Anspruch, den Aufstand im Namen Gottes führen zu müssen, wie ihn die Taliban-Bewegung erhebt, sind mehr als „Propaganda“ im westlichen Sinne. Der Sprecher von ISAF hat sich mit einer solchen Bewertung der Layeha 2009 die Sache vielleicht doch zu einfach gemacht. Wer die Bevölkerung gewinnen will, muss die normativen Grundlagen dieser „Kriegsartikel“ ebenso öffentlich überprüfen wie ihre tatsächliche Verwirklichung. Hier wird sich zeigen, wie ernst der neue Ansatz des aktuellen ISAF-Befehlshabers gemeint ist.
Frühere Erfahrungen sind nicht ermutigend. Der Text des früheren Regelbuches blieb – samt O-Ton-Kommentierung – in der Zürcher WELTWOCHE versteckt. Propaganda genügt nicht. Die geistigen Grundlagen müssen „stimmen“. Dazu gehört auch eine geistige Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Gegners. Das ist noch längst keine Propaganda für die Taliban.
P.S. Ein Offener Brief der Talibanführung an die Teilnehmer des Schanghai-Gipfels enthält Anklagen gegen die Koalitionsregierungen und -truppen sowie Absichtserklärungen. Auch dieser sicherlich auch propagandistisch gemeinte Text sollte in Analyse und Wertung aufgenommen werden.
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9.10.2009 von dragonX6.

Günter Rall hat achteinhalb Jahre als Soldat in der Luftwaffe der Wehrmacht (1936-1945) (Major) und fast 20 Jahre in der Bundeswehr (1956-1975) (Generalleutnant), zuletzt als Inspekteur seiner Teilstreitkraft und als Deutscher Militärischer Vertreter im Military Committee der NATO gedient.
Rall wurde weltbekannt durch seine 275 Luftsiege im Zweiten Weltkrieg, vor allem an der Ostfront (Platz 3 im internationalen Ranking der Luft-Sieger). Hoch ausgezeichnet, wurde er zeitlebens – und nicht nur von der seinerzeitigen deutschen Kriegspropaganda – zum Objekt der Verehrung hochstilisiert, ganz ohne sein Zutun und gegen seinen Willen. Darüber hinaus wäre es naiv zu glauben, dass die junge Bundeswehr ihr Ansehen und damit die Integration in die NATO ohne ihre Ritterkreuzträger und vor allem die Flieger-Aces so schnell gefestigt hätte. Dieses Personal-Kapital hatte militärisch und vor allem politisch höchsten Wert. (Wobei den vor allem angelsächsischen „Fans“ wohl kaum klar war bzw. ist, in welcher zu allen anderen Luftwaffen unvergleichbaren Weise die deutschen Piloten von ihrer Führung ausgebeutet wurden.)
Dem Wehrmachtsmajor Rall ist anzusehen, welchen Preis er für die über 700 Feindflüge zu entrichten hatte. Mehrere schwere Verwundungen und psychische Belastungen begleiteten das weitere Leben. Darüber hat Rall offen gesprochen. Da war kein Platz für „Heldisches“.
Die Gegenwart hat dafür keinen Sinn mehr, wie selbst der kurze Nachruf Stephan Löwensteins – und noch mehr manche Zuschriften dazu - zeigen. Die politische Folie der Beurteilung der Rolle und Stellung der Wehrmacht im NS-Staat überlagert, oft verständnislos und grausam, persönliche Leistungen und Leiden der damaligen Soldaten. Darum fühlte sich Rall wohl auch persönlich verletzt, als der seinerzeitige Verteidigungsminister Peter Struck im März 2005 paradigmatisch die „damnatio memoriae“ über den Wehrmachtspiloten Werner Mölders verfügte. Rall hatte ihn als Inspekteur der Luftwaffe 1973 zum Namensgeber des Jagdgeschwaders 74 in Neuburg/Donau bestimmt, weil seine Person – als Menschenführer, Anti-Nazi und Pilot – ihm als Vorbild deutscher Luftwaffensoldaten geeignet erschien (wohl nicht zuletzt auch in Absetzung von anders geprägten angelsächsischen Leitbildern und Traditionen).
Das Vorleben des Luftwaffeninspekteurs wird, auch von der Bundeswehr, hinter einem einzigen Satz verborgen. Das scheint schon politisch, wenn man von innenpolitischen Profilierungen absieht, unklug, denn in anderen Ländern und Streitkräften, zumal den verbündeten, wird das überhaupt nicht verstanden. Hier haben ohnehin jüngste Ereignisse das Bewusstsein geschärft, klarer zwischen deutschen Soldaten damals und heute zu unterscheiden – übrigens keineswegs zugunsten der Bundeswehr. Menschlich ist dieses Verleugnen der Vergangenheit keineswegs akzeptabel, denn das ganze Leben zählt.
Zumal die praktisch-politischen Konsequenzen eines solchen Lebens verdienen Beachtung. Günther Rall fasst sie so zusammen:
“…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was esfür ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbstnicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebendennicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eineSchande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.

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1.10.2009 von dragonX6.
Die Wahlen zum 17. Deutschen Bundestag sind entschieden
Die Suche nach den Ursachen für Verluste und Gewinne der Parteien wird in den jeweiligen Parteizentralen -wahrscheinlich eher interessengeleitet als der Wahrheit nahekommend - professionell in die Wege geleitet. Sie dienen zumeist eher den eigenen Protagonisten und sind von ihren Ergebnissen her eher tauglich dafür, eigenen Versäumnisse schönzureden, zu vertuschen und machen erfahrungsgemäß den Weg frei für die Fortsetzung des Gewohnten und Bekannten. Bislang werden Protagonisten eher ausgewechselt und Parteitage vorbereitet, die dann wiederum das Gewohnte und Bekannte bestätigen. Man stellt sich auf die durch den Wählerentscheid zugewiesene Rolle in politischem System ein. Regierung und parlamentarische Opposition – die Rollenverteilung ist bekannt. Was tut nun Not, um jenseits parteilicher Interessen und Machtkalkülen, einen Einblick in die Befindlichkeiten der deutschen Wählerinnen und Wähler zu gewinnen, “von denen alle Macht ausgeht” aber durch sie nicht unmittelbar ausgeübt wird? Gott Lob, denn dann könnte einem Angst und Bange werden. Also belassen wir es lieber beim parlamentarisch repräsentativen System. Wobei auch hier anzumerken ist, dass die Hälfte der Mitglieder des Deutschen Bundestages schon lange vor dem Wahltermin feststeht und noch niemand am Wahltag seine Kreuze gemacht hat. Landeslisten – und die durch Parteiführungen vorgegeben „sicheren“ Plätze - sind das Zauberwort, welches anspornt und zum leitenden Kriterium des eigenen Engagements wird.
Ein erstes Kriterium: Wie steht es um die Parteien und der Parteienlandschaft in Deutschlandl? Nennen wir mal die Volksparteien zuvörderst. Zieht man die Ergebnissen der wissenschaftlichen Parteienforschung zu Rate, dann geht das sehr schnell: Allesamt sind sie Gerentologenparteien, von denen sich junge Erwachsene abwenden und ihre Interessen eher dort vertreten sehen, wo z. B. eine Piratenpartei mit 2 % “nicht schlecht absahnt” Junge Erwachsene wenden sich ferner ab, weil ihnen die Rituale der Willens- und Entscheidungsfindung suspekt geworden sind. Sie erkennen sehr schnell, dass es dabei weniger um die Sache geht, sondern um Anderes, welches im Geheimen und Verborgenem bleibt. Zumeinst wird eine Sache vorgeschoben - aber auf den zweiten vertiefenden Blick geht es um Anderes. Also kann der Schluss gewagt werden: Parteiarbeit hat nichts mit einer Sache -zum Wohle des höheren Ganzen - zu tun. Worum es eigentlich geht, das wird nach dem Ende der Vorstandssitzungen „an der Theke und beim Bier” dann doch bekannt. Also: der Platz des Eigentlichen ist die “Theke” und nicht der nach den Statuten einer Partei vorgesehen.Welche Schlüsse ziehen junge Erwachsene daraus?
Ein zweites Kriterium: Wer transportierte wie und in welcher Art und Weise eigene Politikerfahrungen transparent und zugunsten jüngerer weiter? Bleibt es bei dem wiederholten und ständigen Aufzählen von Anektoden, die eher Unterhaltungswert haben, als dass damit Einsichten in das Politische vermittelt werden? Politikerfahrung kann anhand einiger Paradigmen anschaulich gemacht werden. Dafür stehen Beispiele in der jüngeren Gesichte unseres Landes. Aber, Paradigmen erschöpft sich nicht in anekdotische Aussage. Anektoden sind ein „tool“, welches hinführen kann zum Eigentlichen des Politischen. Auch hier: welche Schlüsse ziehen junge Erwachsenen daraus, sofern Politik auf Anektoden reduziert.
Ein drittes Kriterium: Was kann und was leisten heute schulische und außerschulische Bemühungen in der politischen Bildung. Und dies bitte jenseits des Streites um hessische, rheinlandpfälzische und nordrheinwestfälische Rahmenrichtlinien für den politischen Unterricht an den staatlichen Schulen. Was leistet die Bildungsarbeit der Stiftungen der Parteien, der Gewerkschaften, der großen Körperschaften und nicht zuletzt der Verbände in der Kirche. Dies gilt auch für katholische Jugendverbände in Deutschland, die mit staatlichen Förderprogrammen ausgestattet komfortable Voraussetzungen haben.
Ein viertes Kriterium: Wie ist es um die Medien in Deutschland bestellt, die wegen „Quoten“ zunehmend mehr an inhaltlicher Substanz verlieren und alles zum „Talk“ verkümmern lassen. Der „Talk“ wird dann zum Politikersatz. Die Protagonisten aller Parteien wissen um die Wirkung und ziehen es vor, im „Talk“ mehr zu verlautbaren als in den parlamentarischen Orten, wo sie eigentlich hingehört. Politik und Medien - in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit zu durchschauen und zu skandalieren ist dann notwendig, sofern in Talkrunden mit einem verantwortlichen Bundesminister alle weiteren drei bis fünf teilnehmenden Experten, verdeckt oder offen, in „Lohn und Brot“ des Haushaltsplanes des jeweiligen Bundesministers stehen. Gibt es weitere Kriterien, die es erleichtern könnten, einen Einblick in die Befindlichkeiten der deutschen Wählerinnen und Wähler zu gewinnen und welche Konsequenzen wären zu ziehen?
Verfasser: Josef König, Berlin
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