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19.2.2012 von dragonX6.
War schon weder in der Heimat noch in der deutschen Hauptstadt damit gerechnet worden, dass der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki Erzbischof der Berliner Katholiken (und der kleinen Schar in Brandenburg und Vorpommern) werden sollte, so kam die postwendende Ernennung zum Kardinal als doppelte Überraschung daher.
Es sieht fast so aus, als wollte Benedikt XVI. in seiner deutschen Heimat eine kirchlich berechenbare oberhirtliche Garde junger Kirchenmänner positionieren, die für die nächsten Jahrzehnte das Überleben der katholischen Kirche sichern sollen. Dabei kommt sicherlich dem ebenfalls im politischen Berlin präsenten Militärbischof Franz Josef Overbeck, der als Essener „Ruhrbischof“ und als Adveniat-Beauftragter gleich an drei Fronten kriselnder Kirchentümer zu kämpfen hat, eine ebenfalls zentrale Rolle zu.
Erzbischof Woelki hatte in Berlin keinen leichten Start; die Vorbehalte waren erheblich. Innerhalb wie außerhalb der Kirchenmauern hatte sich die DDR-Kirche Georg Sterzinskys, die auch zum Maßstab für das immer schon freie Berlin erhoben worden war, reichlich verschlissen. Eine nur mit westdeutschen Kirchensteuermitteln abgewandte Pleite des Erzbistums und das kläglich gescheiterte Volksbegehren zum staatlichen Religionsunterricht belegen die gegenwärtige Randständigkeit übrigens beider Volkskirchen. Woelki punktete vor allem wegen persönlicher Bescheidenheit und einer unaufgeregten Prinzipienklarheit.
Die zweistündige Direktübertragung des RBB von den Feierlichkeiten in Rom, die Begleitung durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Kabinettsmitglieder aus Potsdam und Schwerin, den evangelischen Landesbischof Markus Dröge und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, belegen, dass sich für die Katholiken der mitteldeutschen Diaspora etwas tut. Und hoffentlich nicht nur für sie.

Es ist mir unvergesslich, dass der gerade zum Kardinal berufene Berliner Bischof Joachim Meisner bei einem Zwischenstopp in Köln-Bonn (um dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Kölner Erzbischof Josef Höffner, seine Aufwartung zu machen) in eine Arbeitsgruppensitzung im Sekretariat der Konferenz hereinplatzte. Es ging um die jeweiligen Friedenshirtenbriefe. Der „Ost“ war schon publiziert, der westdeutsche befand sich in der Endphase der Vorbereitung. Bischof Meisner berichtete von einem langen Gratulations-Handschreiben des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker von völlig ungewohnter Freundlichkeit. „Ja, diese Herren „ – so sein Kommentar – „wissen, was es heißt, einem Zentralkomittee anzugehören“.
Es wäre dem Erzbischof, den Gläubigen und den Vertretern des offiziellen Berlin und allen seinen Bürgern sehr zu wünschen, in der Präsenz der katholischen (Welt-)Kirche eine Chance der Vermittlung und Versöhnung zu sehen – zwischen Konfessionen, Religionen, Kulturen und den sozialen Zerklüftungen, die sich gerade in der deutschen Hauptstadt immer weiter öffnen. Nicht zufällig ist Woelki auch der Caritas-Bischof der DBK.
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12.2.2012 von dragonX6.
Als der Mythos Friedrich „des Großen“ im 19. Jahrhundert geschaffen wurde, hatte sich der Lebensentwurf und das Verständnis monarchischer Regierung, wie sie sein Vater Friedrich Wilhelm verstanden hatte, schon längst erledigt. Der nationale Großstaat, das Zeitalter von Wissenschaft und Fortschritt und der Krieg als Vater aller politischen Dinge standen auf der Agenda – auch wenn das im Zeitalter des Wilhelminismus offiziell nicht so gänzlich zugegeben wurde.
So galt König Friedrich Wilhelm I. in Preußen und Kurfürst von Brandenburg
als eher kauziger und grausamer Einzelgänger, als der „Soldatenkönig“, lediglich als Vorgänger eines „Großen“.
Trotz seiner persönlichen Neigung zum Militärischen sah Friedrich Wilhelm den Krieg keineswegs als beliebiges Mittel der Politik. Im Gegenteil, er warnt seinen Nachfolger in einer Art politischen Testamentes nachdrücklich vor „ungerechtem Krieg“:

………………………………………………….
formidabeler zu machen’, und sie nicht zu separriren so wie mein Vatter friderich König: in Preussen im letzten frantzösischen Krig getahn hat. sondern eure Armee stehfts zusammen behalten, alsden werdet Ihr sehen wie von allen Pu[i]ssancen der weldt Ihr recherchiret werden wierdt und werdet in eurohPa die Ballance halten könnet den es von euch dependiret. den wehr die Ballance in die weldt halten kann ist ümer was dabey zu Profittieren vor eure lender und Respectable vor eure freunde und formidable vor eure feinde ist.
Mein lieber Successor mus sein dahge nicht seine schöne Armee ceparriren und keine truppen vor geld und Subsidieen an Keißer Engelandt Hollandt gehben ………Ihr habet zu viell verstandt so ein Pas de Kleck (Fehltritt) zu thun, Euer Reichscontingent bestehet aus 14000. Man. müßet ihr gehben aber nicht von euer armee aber Ihr müßet fremde truppen von Kleine teutsche fürsten vor jerliche Subsidien von Gotta Dormstat Bareit-ansbach Eisenach io.esqua: lo.Batt: die müssen vor die 14000.Man passieren. ein von euer gennerahls müßet Ihr mit zum Komandeur mitschiecken. Die Ministris werden aber alles anwenden euer Armee zu Separriren aber folget mein räht der ist guht ich habe alles selber aus die erfahrung. und was will das sagen warumb sollet Ihr euer Armee Sacrificieren laßen, geldt Kriget Ihr ümmer wieder, aber wen euer landt depeubliret ist das hellet schwehr wieder zu Krigen. die wohlfahrdt ein Regendt ist das wen sein landt guht Peupliret ist. das ist der rechte reichtuhm eines landes. wen euer Armee außer landes Marchieret so werden die accissen nicht das 3.te teill so viell tragen als wen die Armee im lande, die Rerum precium (Warenpreise) werden fallen alsden die emter nicht ihre Pacht werden richtig abgehben Können ist ein totall Ruin.
Mein lieber Succeßor bitte ich umb Gottes willen kein ungerechten krihg anzufangen und nicht ein agressör sein den Gott die ungerechte Krige verbohten und Ihr iemahls müßet rechenschaft gehben von jeden Menschen der dar in ein ungerechten Krig gebliben ist. bedenck was Gottes gericht scharf ist.
lehset die Historie da werdet Ihr sehen das die ungerechte Krige nicht guht abgelauffen sein als da habet Ihr Ludewig der 14. König in franckreich der König August aus Pohlen den Kurfürsten zu Bairen zum exempell und noch mehr, die beyde letztere sein von landt und leutten verjaget und darzu detroniret worden den sie ein ungerechten Krig anGefangen, seidt versicherdt das Gott das hertz der Armee giebet und nimmets auch weg von den soldahten. den der König Augusto ein sehr ungerechten Krig angefangen hatte da wahren seine Sexische Armee so furchtsahm vor die schwehden das in viellen Battallien und Rancontern wen die Saxen auch noch einmahl so stark gewehsen als die Schweden doch von ihre feinde geschlagen worden, den eine furcht unter die Saxen steh[t]s in den ungerechten Krig gewehsen das sie nicht haben stehen wollen und fechten, da Kan mein lieber Successor sehen die handt
also bitte ich mein lieber Successor nicht ein ungerechten Kri anzufangen alsden der liebe Gott euch und eure Armee bestendigen sehgen und Bravur gehben wierdt. Ihr seidt zwahr ei grohser herre auf erden aber Ihr müßet von allen unrechtmeßigen Krig und Bluht das Ihr vergißen laßet vor Gott rechenschaft tuhn ist eine harte sache also bitte ich euch haltet rein gewiße vor Gott alsden Ihr eine glückliche Regirung führen werdet…….
Instruktion König Friedrich Wilhelms I. in Preußen für seinen Nachfolger - Potsdam, den 22. Januar 1722
(Zur Kriegführung – Auszug)
Die „Gretchenfrage“ zum Einsatz militärischer Gewalt beantwortet Friedrich Wilhelm eindeutig – religiös. Ungerechter Krieg verstößt gegen Gottes Gebot und ist darum verboten. Die Lebensgeschichte des Königs zeigt, dass er diesem Grundsatz treu geblieben ist.
Interesssant ist zudem, wie lebensklug und realitätsnah er die moralisch ungerechtfertigte Kriegführung als Faktor des Niederganges der Kampfmoral der eigenen Truppen einschätz:
„aber sobald Ihr Köhnig im ungerechten Krig wahr da wahr Ihr hertze fordt.“
Die Ideologisierung der Kriegsziele, die Hasserziehung auf den Gegner und maßlose Propaganda sollen davon ablenken. Die Geschichte der letzten beiden Jahrhunderte zeigt, wohin das führt – alles im Sinne der Nation oder wahrer Aufklärung, versteht sich.
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8.2.2012 von dragonX6.
Letztlich wirkt es doch einigermaßen gequält, wie – über den Beitrag des Bundespräsidenten hinaus - das intellektuelle Deutschland mit dem 300. Geburtstag des vorgeblich „großen“ Friedrich umgeht – gleich ob von „links“ oder von „rechts“. Das zeigt, dass im Vergleich zum letzten Jubiläum 1962 sich doch manches verändert hat: die letzte Generation, die Idee und Wirklichkeit des preußischen (Frei-) Staates noch erlebt hat, ist nicht mehr. Die Verballhornung eines Otto Gebühr ist schließlich vollends obsolet geworden. Und im eigentlichen „Preußen“ im Osten ist alles getilgt, was an Jahrhunderte von Aufbau erinnern könnte.
Preußen ist endgültig gestern.

Seltsamerweise bleibt durch das ganze gegenwärtige Erinnerungsspektrum ein Aspekt dominant: Friedrich, der Tolerante.
Der Berlin-Brandenburgische Landesbischof Markus Dröge identifiziert die subjektive Facon zum Seligwerden, die Friedrich zugeschrieben wird, als Zeichen von Gleichgültigkeit, ja Verachtung der Religion. Damit dürfte er Recht haben. Er übersieht aber geflissentlich, dass die (protestantische) Kirche bis zuletzt den politischen Summepiskopat verteidigt und schließlich – nach der deutschen Wende – die Bestattung des Königs bei seinen Hunden in Sanssouci nicht verhindert hat. Schon der Kirchenvater des 19. Jahrhunderts, Daniel Schleiermacher, hat sein Religions-Projekt für die Gebildeten unter ihren Verächtern entwickelt. Dieses Kirchentum hat mehr vom Toleranzverständnis des „großen“ Königs übernommen, als man zuzugeben bereit ist.
Toleranz setzt letztlich einen gewissen Respekt dem gegenüber voraus, was ein Subjekt für wertvoll hält. Dafür sind jedoch die Grundlagen, soweit es sich um Religion und nicht Weltanschauung handelt, heute weithin nicht mehr gegeben. Es bleibt nur die Duldung des „Fremden“, das aber keinerlei Anspruch auf öffentliche Geltung erheben darf.
So auch bei Friedrich, dem „Ersten Diener seines Staates“, der sich – die Mühle von Sanssouci lässt grüßen – dem Recht beugt und Religion toleriert. Vorgeblich.
Das zeigt die Geschichte eines katholischen Priesters und Ordensmannes aus dem Dominikaner-Orden. Pater Raimund Bruns aus Halberstadt. Er war – sozusagen in der zweiten Generation – seit 1731 Militärseelsorger, katholischer „Feldprediger,“ bei der mehr als hälftig katholischen Potsdamer Garde, von Friedrich Wilhelm I. und der Truppe sehr geschätzt. Der Chronist berichtet:

„Böswillige Denunciationen, deren Urheber nie mit Beweisen hervorgetreten sind, reichten hin, daß Friedrich II. am 4. October 1742 P. Raimundus (= P.R.). unerwartet ins Gefängniß warf. Als die Soldaten sehr ungestüm beim Könige seine Freilassung nachsuchten, ließ er ihn vier Tage später in aller Frühe in die Festung Spandau bringen, wo der Gefangene „in Ketten bei Wasser und Brod den Karren führen mußte“. Ein Verhör oder Urtheil wurde sowol jetzt, als auch später vergeblich erwartet. Papst Benedict XIV. hörte alsbald von dem Vorfall und ließ dem Könige durch die katholischen würtembergischen Fürsten, die im preußischen Dienste standen, versöhnliche Vorstellungen machen. Doch dieser antwortete:
„Ich weiß, daß der Pater nichts gemacht hat, denn hätte er irgend etwas Unrechtes begangen, so würde ich ihn aufgehängt haben. Ich will aber den Pfaffen und Mönchen zeigen, daß ich auch sie zwingen kann… Er soll zu seiner Zeit herauskommen, aber jetzt gefällt es mir noch nicht.“
Auf die abermalige Verwendung der Kaiserin Maria Theresia erlangte R. nach beinahe elfmonatlicher Haft am 27. August 1743 die Freiheit wieder, mußte aber zuvor noch einen körperlichen Eid „de non vindicando“ ablegen…. P. R. zog es vor, trotz der Bemühungen von Seite des Hofes, ihn in der früheren Stellung zu halten, als Mönch in seinen Mutterconvent zu Halberstadt zurückzukehren.“
Soweit das verbürgte Geschehen. Heutige Träume von einem Philosophen-Königtum, wie man es in Friedrich geistig verwirklicht wähnt, sehen die (christliche) Religion in gleicher Weise, mögen auch die Methoden praktischer Anwendungen andere als damals sein.
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8.2.2012 von dragonX6.
Papst Johannes XXIII. war lange Zeit im diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls tätig. Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, dass die Kontrahenten der Kuba-Krise ihm einen Vermittlungsdienst zutrauten. Es folgte der Appell an die Führer der Weltmächte vom 26.10.1962. Eine Kernaussage seiner Enzyklika „Pacem in terris“ (11.04.1963) – einer unmittelbaren Konsequenz dieser Krisenerfahrung - bestand in der kategorischen Forderung, angesichts des Standes atomarer Rüstung Konflikte „nicht durch Waffengewalt, sondern durch Verträge und Verhandlungen beizulegen“.
Papst Paul VI. erklärte 1968 den 1. Januar eines jeden Jahres zum Weltfriedenstag. In Deutschland wurde dieser Tag zu einem der Soldaten. Mit welchem Recht?
Das II. Vatikanische Konzil sollte – so die überwiegend dem Dominikaner-Orden angehörenden Berater – einen strikt pazifistischen Kurs vertreten. Das Militär wäre demnach eher als Gefährdungsfaktor für den Frieden in den Blick gekommen. Der damalige deutsche Militärbischof Franz Hengsbach, Bischof von Essen, unternahm – wohl auf Rat seines Generalvikars Martin Gritz –
eine einzigartige Intervention. Er arrangierte ein privates Treffen hoher lateinamerikanischer Kirchenfürsten, die ihm über das später als „Adveniat“ bekannt gewordene Hilfswerk verbunden waren, mit dem nach Rom eingeflogenen (katholischen) Generalinspekteur der Bundeswehr Heinz Trettner, einem früheren General und Ritterkreuzträger der Wehrmacht.
Er erläuterte den Lateinamerikanern die Grundzüge der militärischen Bedrohungslage und die darauf reagierende Strategie der NATO. Er überzeugte.
Das Konzil gewann eine tieferen und realistischeren Zugang zum militärischen Faktor: „Wer als Soldat im Dienst des Vaterlands steht, betrachte sich als Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker. Indem er diese Aufgabe recht erfüllt, trägt er wahrhaft zur Festigung des Friedens bei“ (Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ Nr. 79). Dieser Vorgabe folgte auch die Gemeinsame Synode der (west-) deutschen Bistümer (1971-1975).
Es dürfte wiederum Martin Gritz gewesen sein, der – mit Bischof Hengsbach – den Kölner Erzbischof Joseph Höffner, einen profilierten Professor der Soziallehre,
dafür gewinnen konnte, den Weltfriedenstag im Dom mit den in Nordrhein-Westfalen stationierten Soldaten der in- und ausländischen Streitkräfte zu begehen. Das begründete eine bis heute lebendige Tradition, die ohne das persönliche Engagement von Höffners Nachfolger Kardinal Joachim Meisner nicht hätte fortgeführt werden können. Als heimatvertriebener „DDR“-Bürger weiß er um den Wert grundwertgebundener Streitkräfte im demokratischen Staat.
Allerdings kann man Soldaten – selbst die der eigenen Konfession – nicht so einfach in die Kirche befehlen. Dass sich alljährlich weit über Tausend Soldaten in Köln einfinden, bedarf erheblicher pastoraler Anstrengungen der Militärseelsorger. Als Vater dieser Kölner Praxis darf mit Fug und Recht der langjährige Katholische Wehrbereichsdekan III und Kölner Diözesanpriester Hermann-Josef Kusen angesehen werden.

Am 12. Januar feierten der Kölner Erzbischof Joachim Meisner, katholische Soldaten und ihre Seelsorger, und zahlreiche Gäste – darunter Verteidigungsminister Thomas de Maiziere und Generalinspekteur Volker Wieker – zum 35. Male den Weltfriedenstag.
Motto und Papstbotschaft – „Die Jugend zum Frieden erziehen“ wirken hingegen etwas müde und angestrengt. In Zeiten sich beständig verschärfender Konflikte, zu deren „Lösung“ nicht zuletzt militärische Mittel zum Einsatz kommen, wirkt die kirchliche Botschaft reichlich matt. Bei der Vorstellung im Vatikan war das mit Händen zu greifen.
Mit dem Ende der weltweiten Blockkonfrontation (lyrisch-exkulpatorisch auch „Kalter Krieg“ genannt) vor gut 20 Jahren hat sich eine neue Unbefangenheit, den Einsatz militärischer Mittel betreffend, etabliert.
Ist die vielfach beschworene „Enttabuisierung des Militärischen“ so weit fortgeschritten, dass der Ruf des seligen Papstes Johannes nicht einmal mehr die eigene Kirche erreicht?
P-S.
Es dürfte kein Zufall sein, dass kein einziger Geistlicher der skizzierten Weltfriedenstags-Tradition je Uniformträger war (Paul VI., Hengsbach, Gritz, Höffner, Meisner, Kusen). Nur Johannes XXIII. war Wehrpflichtiger (1901, für 12 Monate) und im I. Weltkrieg Militärgeistlicher an der Isonzo-Front.
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8.2.2012 von dragonX6.
„Wir dürfen nicht tatenlos zuschauen“ – so verlautbarte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, nach dem Scheitern des vorgeblich marokkanischen Sicherheitsrats-Resolutionsentwurfes in Sachen Syrien für die katholische Kirche in Deutschland. Von brutaler Gewalt und „abgrundtiefer Verachtung fundamentaler Menschenrechte“ ist die Rede, aber auch von Rechtsstaat und Sicherheit für die Christen des Landes. Nicht ohne Ironie weist das Neue Deutschland darauf hin, dass er damit der deutschen Kanzlerin Rückendeckung gewähre.

Wer sind die Adressaten dieser Anklagen und Forderungen? Zollitsch erweckt – im Mainstream der westlichen Medien – den Eindruck, es sei der Präsident Baschar al-Assad, dessen Abtreten allein die Wende zum Besseren eröffnen könne.
Das Gute zu tun, das Böse zu lassen – dieses Grundprinzip der scholastischen Moral zu bemühen, hilft in der verwickelten politischen Situation, wie sie sich im Nahen Ost darstellt, allerdings wenig. Zumal dann, wenn man wirklich dem „Moral Point of View“ Geltung verschaffen will, statt sich unter dem Schutzschirm der öffentlichen Meinung in´s Warme zu bringen. Die Ignoranz der Medienberichterstattung gegenüber der Zollitsch-Äußerung zeigt, dass sogar dies misslungen ist-
Es wäre Sache kirchlichen Dienstes an der moralischen Wahrheit einzufordern, dass sich die tatsächlichen Akteure der Krise bekennen bzw. zu erkennen geben. Man weiß so gut wie nichts von Ihnen. Auch die von ihnen – sieht man von der syrischen Regierung ab – behaupteten Tatsachen blieben bisher weithin ohne Belege und Beweise. Vor allem die Frage, wann von wem und mit welchem Ergebnis Gewalt ausgegangen ist bzw. noch geht, bleibt unbeantwortet.
Hier aber ist der Dreh- und Angelpunkt moralischer Beurteilung der syrischen Sache. Die aber ist – zum Leidwesen der betroffenen Menschen – in die Mühlen des neuen „Great Game“ der US-Weltpolitik geraten.
Selbst der katholische Patriarch von Antiochien, Ignatius Joseph III., meint:
“Wir, die Christen des Nahen Ostens, sind enttäuscht von der Politik der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten. Denn wir stellen fest, dass die Europäer und die Amerikaner die Fragen des Nahen Ostens nur unter politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass es unvermeidbar ist, dass in diesen Ländern islamische religiöse Fanatiker an die Macht kommen werden, und sie haben resigniert. Wir Christen fühlen uns von ihnen verraten.”
Das ist eine vornehme Umschreibung der Gesamtstrategie „des Westens“, die wenig mit Menschenrechten und Demokratie, viel aber mit geostrategischen Interessen zu tun hat, die sich auf die schiitischen Kräfte und Staaten vom Libanon bis zum Iran richten. Letztlich dürfen sich Russland und China mit Recht als letztes Ziel solch aggressiver Politik verstehen.
Dies sind zuerst politische Fragen, die von Christen in der Politik und Publizistik zu diskutieren und bewerten sind. Wie das allerdings geschieht, zeigt etwa eine wahrhaft vielsagende Debatte im Deutschen Bundestag am 19. Januar dieses Jahres. Von der Mündigkeit der Laienchristen, die manche lieber gegenüber dem kirchlichen Amt zu demonstrieren versuchen, ist hier wenig zu bemerken. Stattdessen wird offensichtlich pure Propaganda betrieben.
Vertreter des kirchlichen Amtes und die katholischen Christen unseres Landes sind es den Menschen Syriens, zumal den Mitchristen, schuldig, sich nachdrücklich in die Politik Deutschlands, der EU und der NATO mit dem Ziel einzubringen, den Nebel der (Kriegs-) Propaganda zu lichten und jene Grenzen zu benennen, die einer ethisch gebundenen Politik gesetzt sind. Das darf zumal weder „Linken“ noch anderen vorgeblichen oder tatsächlichen Systemgegnern überlassen werden.
Wer in die Abgründe machtpolitischer Strategien schaut, mag schaudern. Politik zu beeinflussen, zu gestalten und zu verantworten ist anders jedoch nicht möglich.
Die Kirche in Deutschland muss, was Syrien und Nahost betrifft, zuerst auf die Kirche der Region hören. Diesem Aspekt wurde im Dragon-Blog verschiedentlich Rechnung getragen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die politische Bewegungsfreiheit der dortigen Kirchen durch die gegebenen Verhältnisse begrenz sind. Doch der Tenor ist – nach wie vor, auch konfessionsübergreifend – durchgängig derselbe: das Baath-Regime bietet unter den gegebenen Bedingungen die besten Bedingungen für einen säkularen Staat und das Zusammenleben der vielfältig zerklüfteten syrischen Gesellschaft. Nur der Fortbestand des gegenwärtigen Staates bietet einen Schutz vor Chaos und islamistischer Diktatur. Die offene Gewaltanwendung aller Akteure (sowie die Provokation der Sicherheitskräfte) muss sofort beendet werden, damit in einem politischen Dialog (der „von aussen“ gestützt werden sollte) neue Machtkompromisse austariert werden können.
Der erste Bericht der Beobachtergruppe der Arabischen Liga – der Öffentlichkeit wohlweislich vorenthalten – zeigt sehr wohl, wie unübersichtlich die Gemengelage von Gewaltanwendung und politischer Stabilität in Syrien derzeitig ist. Der „Westen“ hat bisher alles getan, die Gewalteskalation zu fördern und das Regime zu destabilisieren. Das ist kein Weg zum Frieden.
Die erwartbaren Ergebnisse der gewählten Strategie dürften ähnliche sein wie bei früheren Menschenrechts-Interventionen in der Region: Irak und Libyen, von denen unsere Medien jetzt so beredt schweigen. Russland und China dürften auch die Christen dankbar sein, wenn diese Mächte durch ihr Veto im Sicherheitsrat eine Resolution zu Fall brachten – wo konnte man ihren Text lesen? – die als Türöffner zu einer weiteren Eskalation der Gewalt zum Regime-Change angelegt war. Wo bleibt – bei andauerndem Schweigen des Vatikans – die politische Unterstützung der abendländischen Christenheit für ihre Brüder an der „Wiege der Zivilisation“ (Johannes Paul II.). Das Wort von Erzbischof Zollitsch kann nicht das letzte gewesen sein.
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21.12.2011 von dragonX6.
…irgendwo in Syrien
Weihnachten ist dort angekommen, woher es stammt: in den Heiligen Ländern. So drückt es Patriarch Gregor Laham aus, wenn er vom Nahen Osten spricht. Gregor ist ein gebildeter, weltläufiger und weiser Mann, der den Platz seiner Gemeinden aus religiösen Gründen zwischen Damaskus und Kairo sieht. Seine Position im gegenwärtigen Konflikt um Syrien ist eindeutig.
Salz, Licht und Sauerteig
Ranghöchster Katholik im Nahen Osten wünscht sich Palästinenserstaat
Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT spricht das Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche im Nahen Osten, Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien, über die Situation der Christen in der Region seit Beginn des „Arabischen Frühlings“.
Weitere Themen des Interviews, das in unserer Radioreihe „Weltkirche aktuell“ ausgestrahlt wurde, sind der Konflikt im Heiligen Land und die besonderen Beziehungen seiner Kirche zum Islam. Dabei plädiert der Patriarch unter anderem für einen eigenständigen Palästinenserstaat. Das Interview führte Volker Niggewöhner.

Eure Seligkeit, was ist die besondere Sendung der arabischsprachigen Christen im Nahen Osten?
Jesus ist in Palästina geboren, aber das Christentum wurde in den arabischen Ländern geboren – in Syrien, Libanon und Jordanien. All das sind heilige Länder für das Christentum. Darum ist es unsere Sendung, in diesen Ländern zu bleiben, um die Frohe Botschaft des Evangeliums Jesu Christi zu leben.
Sie leben eng mit den Muslimen zusammen und haben in einem Interview einmal gesagt, Sie seien „Die Kirche des Islam“. Wie war das gemeint?
Diese Aussage hat ein paar Leute schockiert. Ich hatte gesagt, dass wir die „Kirche der Araber“ sind. Aber weil die Araber überwiegend Moslems sind und wir in vorwiegend islamisch geprägten Ländern leben, habe ich hinzugefügt, dass wir die „Kirche des Islam“ sind, das bedeutet eine Kirche mit dem Islam, für den arabischen Raum.
Ich wollte damit die Zusammengehörigkeit von Christentum und Islam im Nahen Osten herausstreichen. Wir haben die Verantwortung, christliche Werte zu leben und den Muslimen unsere christliche Liebe zu zeigen. Papst Johannes Paul II. hat betont, dass es die Essenz von Kirche sei, für andere da zu sein. Darum sind wir die „Kirche des Islam“, denn wir sind auch für die Muslime da.
Die Christen leben schon seit Jahrhunderten im Nahen Osten, doch ihre Lage hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschlechtert. Warum?
Ich glaube, die Gründe dafür sind nicht religiöser Natur und daher auch nicht in dem Verhältnis zwischen Islam und Christentum zu suchen. Es hat vor allem politische und wirtschaftliche Gründe, dass inzwischen so viele Christen nach Europa und Amerika ausgewandert sind.
Es sind die sich ständig wiederholenden Krisen in unserer Region, vor allem der seit Jahrzehnten ungelöste Konflikt zwischen Israel und Palästina, der einen großen Schatten über die Christen des Nahen Ostens geworfen hat. Sobald wir den Konflikt zwischen Israel und den Arabern beilegen, wird die Region Ruhe finden und die Christen werden nicht länger auswandern.
Ist der Konflikt in Palästina auch der Auslöser für das Erstarken eines fundamentalistischen, politischen Islam, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet haben?
Der Islam war schon immer eine missionarische Religion. Aber wir Christen sind auch missionarisch! Wir sollten also von den Muslimen lernen, anstatt vor ihnen Angst zu haben. Wir sollten stärker in unserem Glauben verankert sein und ihn strahlend vortragen und leben.
„Wir leben seit Jahrzehnten in einem Krisengebiet”
Wie ist Ihre Haltung zu einem eigenständigen Palästinenserstaat?
Wir wünschen uns einen solchen Staat. Die Beschlüsse der Vereinten Nationen haben immer klar gesagt, dass es zwei Staaten geben muss: einen israelischen und einen palästinensischen. Die Europäer haben im September die Chance verpasst, Palästina anzuerkennen. Glauben Sie mir: Wenn Sie sich wünschen, dass es weiterhin Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten geben soll, müssen Sie mutig für die Anerkennung eines Staates Palästina eintreten.

Weihnachten am Patriarchatssitz in Damaskus
Wenn Sie das Problem zwischen Israel und Palästina auf diese Weise lösen, lösen Sie damit auf einen Schlag die meisten Probleme der Welt. Allen voran die Probleme zwischen Christen und Muslimen, die Probleme des islamischen Fundamentalismus und das Problem der Auswanderung von Christen aus den Ländern des Nahen Ostens.
Wir sind schon seit so vielen Jahrzehnten ein Krisengebiet, und nach jeder Krise gab es eine neue Auswanderungswelle. Nicht der Islam ist der Grund dafür, warum wir Christen auswandern. Der ungelöste Konflikt im Heiligen Land ist die Wurzel der meisten unserer Probleme.
Haben Sie die Hoffnung, dass aus den Revolutionen rund um den „Arabischen Frühling“ auch für die Christen etwas Gutes erwächst?
Jede schädliche Entwicklung im Nahen Osten stellt eine Gefahr für die ganze Welt dar. Die gegenwärtigen Revolutionen richten sich nicht gegen die Christen, auch wenn sie mancherorts unter den Auswirkungen der Revolutionen zu leiden haben. Wir Christen müssen im „Arabischen Frühling“ unsere Sendung und Rolle entdecken, indem wir mit unseren Landsleuten zusammenarbeiten. Unsere Rolle in diesen Revolutionen ist es, Salz, Licht und Sauerteig zu sein, indem wir die Menschen zum Dialog einladen.
Der Westen sollte nicht immer nur darauf drängen, dass die Regime gestürzt werden, sondern er sollte die bestehenden Regime dabei unterstützen, durchgreifende Reformen umzusetzen. Wir müssen gemeinsam eine Vision für unsere Länder entwickeln. Wir müssen von den Slogans profitieren, die man in den großen Städten des Nahen Ostens gehört hat.
Diese Forderungen und Aussagen haben das Zeug zu einer neuen „Charta“, einer neuen Rechtsordnung für alle Menschen im arabischen Raum. Die eingeforderten Rechte müssen nur an die Wirklichkeit in den arabischen Ländern angepasst werden. Das wäre die richtige Antwort auf diese Revolutionen, die sonst sehr gefährlich sind für alle Menschen im Nahen Osten.
Die Christen sind nicht mehr und nicht weniger von den Revolutionen bedroht als alle anderen. Selbst die Islamisten, die Muslimbrüder, Salafisten und wie sie alle heißen, werden verstehen, dass es gut für den Nahen Osten ist, wenn die Christen dort bleiben können. Denn sie sind ein Erbe der Pluralität in der islamischen Welt.
Was halten Sie für wahrscheinlicher: Dass in der Region Gottesstaaten nach iranischem Vorbild entstehen oder demokratische Staaten?
Das müssen wir abwarten. Ein Gottesstaat war immer der Traum und das Ziel der islamischen Religion. Auch wir Christen hatten solche Phasen in unserer Geschichte. Denken Sie nur an das Heilige Römische Reich. Die Idee ist also nicht neu.
Ich denke, selbst wenn Gottesstaaten entstehen sollten, sind diese keine Gefahr für uns Christen, denn wir halten stark an unserem Glauben fest. Wir leben schon seit Jahrhunderten mit dem Islam zusammen und haben daraus gelernt, wie wir mit seinen verschiedenen Strömungen leben können. Die Muslime haben ihrerseits verstanden, dass wir Christen im Nahen Osten einen besonderen Status haben.
Ein „Gottesstaat“ würde sich an der Scharia, der Rechtsordnung des Islam, ausrichten. Aber wenn man den Koran richtig versteht, ist die Scharia etwas, das nur den Moslem angeht. Der Koran sagt ganz klar, dass die islamische Religion nur für Muslime gilt. Die Christen haben „ihr eigenes Buch“, also auch eine Offenbarung.
Und so glaube ich, dass ein Gottesstaat nicht unbedingt eine Gefahr für die Christen darstellt. Gefährlich wird es, wenn die neuen Herrscher die Scharia anders auslegen. In vielen islamisch geprägten Ländern leben wir Christen seit langem in großer Freiheit. Wir dürfen in vielen Ländern unseren Glauben leben. Hin und wieder mit Einschränkungen, aber im Großen und Ganzen doch zufriedenstellend.
Sie sind als Patriarch auch Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche in Syrien: Besteht dort noch die Möglichkeit, den blutigen Konflikt durch Verhandlungen in vernünftige Bahnen zu lenken?
Die Fronten sind verhärtet, denn es gab viel Blutvergießen auf beiden Seiten. Aber ich möchte das Bild der Lage ein bisschen korrigieren. Man meint im Westen immer, nur Assads Truppen hätten Blut vergossen. Wir haben viele Kontakte in ganz Syrien, und es gibt katholische Gemeinden auch in den Brennpunktstädten der Aufstände. Daher kenne ich viele Beispiele und Berichte über Fälle, in denen die meisten Grausamkeiten und Morde von den Demonstranten ausgingen.
Wenn die Demonstranten mit Waffen auf Zivilisten und Sicherheitskräfte losgehen, dann muss der Staat seine Bürger und Soldaten schützen. Es ist auch nicht so, dass die Soldaten leichtfertig Menschen erschießen. Ich habe von vielen Staatsbeamten gehört, dass der Befehl nicht lautete, Demonstranten zu töten, sondern lediglich sich selbst und unbeteiligte Zivilisten zu verteidigen.
Was ich mir vom Westen wünsche, ist, dass man dort mehr von Dialog spricht und nicht einfach nur das Blutvergießen betont. Bitte helfen Sie allen Bürgern in Syrien, den Dialog zu beginnen, und geben Sie nicht nur einer Seite die Schuld an allem. Die Einladung zum Dialog an beide Seiten ist heute das Wichtigste.
Was hätten die Christen in Syrien von einem Regierungsumsturz zu erwarten?
Wir Christen sind syrische Bürger wie alle anderen auch. Ich würde unsere Situation im Vergleich zu unseren Mitbürgern nicht gesondert betrachten. Diese Konflikte spielen sich vor allem unter Muslimen ab. Sunniten und Alawiten haben in Syrien viel mehr Angst voreinander als es zwischen Muslimen und Christen der Fall ist. Diese Revolution ist kein Streit zwischen Christen und Moslems.
Im Gegenteil: Wir Christen sehen uns als Mittler, als Stimme für den Dialog und die Zusammenarbeit, Solidarität und Pluralismus. Wir sind neutral und haben Erfahrungen mit vielen Strömungen des Islam. Wenn die Regierung Assad, was ich nicht hoffe, stürzen wird, sind wir Bürger wie alle anderen auch. Wir hoffen, dass wir dank unserer reichen Erfahrung dann auch mit der neuen Situation zurechtkommen können.
Bei der Revolution in Ägypten sah man Christen und Muslime gemeinsam demonstrieren. Macht Ihnen das Hoffnung?
Natürlich. Ich muss aber auch betonen, dass die Situation in Ägypten eine ganz andere ist, als bei uns in Syrien. Wir hatten nie solche Ausschreitungen und Gewaltakte, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zwischen Kopten und Muslimen vorgekommen sind. In Syrien gab es nie wirkliche Probleme zwischen Christen und Muslimen.
KIN-111220

aus dem 15. Jh - Schüler aus der Werkstatt Albrecht Dürers
Allen Besuchern des DragonBlogs wünsche ich frohe, gesegnete Weihnachten und Frieden im Jahr 2012!
Ihr Harald Oberhem
Geschrieben in Syrien, Kirche, Allgemein | 2 Kommentare »
20.12.2011 von dragonX6.
„Der Sturm ist noch nicht vorbei“ meinte Bernhard Jürgens von der KNA in seinem Kommentar zum Bericht der niederländischen Deetman-Kommission über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker in unserem Nachbarland. Er irrt fundamental. Wir haben schon vor Monaten hier die Auffassung vertreten: „Mit jedem neuen Missbrauchsfall vermag die Kampagne neu anzurollen“. Dass es sich – unbeschadet des tatsächlichen Fallgeschehens – um eine Kampagne gegen die katholische Kirche handelt – kann nur bestreiten, wer blind, weltfremd oder als „Hirte“ bereits von Angststarre befallen ist.
Welcher Verallgemeinerungscharakter soll der Kirche der Niederlande zukommen? Jeder zeitgeschichtlich Erfahrene weiß, dass die Kirche Hollands schon vor dem Konzil auch spirituell-disziplinär in Europa eine Sonderrolle spielte: ultramontane Hörigkeit und calvinische Geistigkeit und Moral bildeten eine einzigartige Melange. Das wirkt, wenn man Deetmans Bericht liest, selbst nach post-konziliaren Chaos-Jahrzehnten immer noch nach. Insofern handelt es sich im vorliegenden Fall bei Studie und Untersuchungsgegenstand um Singuläres.
Warum dann aber ein weltweites Medienecho, über Holland hinaus –sei es in Kanada, Costa Rica, Taiwan und Australien, um nur – was die bisherige Skandalisierung des vorgeblich spezifisch „katholischen“ Problems angeht, eher bisher randständige Länder zu nennen. Der Tenor überall derselbe: zigtausende von Opfern, aberhunderte von Tätern – z.T. immer noch im kirchlichen Dienst. Missbrauch: flächendeckend!
Das muss strukturelle Ursachen haben. Die in der WELT zu analysieren wird nicht etwa dem Springer-Hofberichterstatter in catholicis, Gernot Facius, sondern dem weiland Chaos-Kommunisten und bekennenden Atheisten Alan Posener übertragen. Sein Fazit: „Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche beschränken sich nicht auf wenige Länder. Das Problem liegt in der Struktur der Institution“. Es geht – so darf man das verstehen - letztlich darum, dass nach katholischem Glauben moralisch-ethische Prinzipien und Normen einem objektiven Wahrheitsanspruch unterliegen, den zu wahren und zu hüten Aufgabe des kirchlichen Lehramtes ist. Benedikt XVI. wird nicht müde, diesen Anspruch zu verteidigen.
Der herrschende wirtschaftliche, politische und kulturelle Neo-Liberalismus kann das nicht akzeptieren. „Tradition“ mit ihrem Beharrungsanspruch – darin besteht die soziale Basis absoluter Moral - und das umfassende „Modernisierungs“-Postulat stehen sich unversöhnlich gegenüber, wobei Modernisierung bedeutet, alle Lebensbereiche uneingeschränkt den Marktmechanismen unterwerfen zu können.
Die „absolute Moral“ – das ist denn auch der Topos, der dem Protestantismus die Erklärung der Nichtbetroffenheit erlaubt -wird nun dadurch de-legitimiert, dass ihre Verwalter als an ihrem Kern Gescheiterte entlarvt werden. Der Sache nach wird die aufklärerische Ideologie vom Priestertrug in neuem Gewande zum Einsatz gebracht. Nur umfassender, deutlicher, radikaler. Der missbrauchende „Pfaffe“ gilt nicht mehr als Sünder, sondern als Verbrecher. Warum aber – wieder und immer noch – durch Taten im Bereich der Sexualmoral? Weil sie de facto immer noch in der klerikalen, zölibatären Männerkirche als Nukleus jeder Art von Moralität gilt. „Die“ Kirche misst sich daran – und muss nun öffentlich eingestehen, daran gescheitert zu sein. Immer wieder neu. Eben flächendeckend.
Der Münchner Moraltheologe Konrad Hilpert hat zu Recht die Frage nach dem „systemischen“ Kontext der Moral der Missbrauchs-Kirche aufgeworfen. Die Unfähigkeit vieler Kleriker, Sexualität nicht nur verantwortlich, sondern auch „leib-gerecht“ zu leben, ist hier sicherlich zu bedenken. Nachdenklicher stimmt aber Hilperts Hinweis, dass sich die Ideologie dieser Art von (Sexual-) Moralität nur sehr verhalten ändern dürfte. Und zwar aus Gründen, die mit der inneren Struktur der kirchlichen Hierarchie zusammenhingen.
Dem ist wohl tatsächlich so. Es erklärte auch die – an sich, im sozialen Vergleich – seltsam anmutende Tatsache, dass unter die Missbrauchs-Täter nur die leiblichen Verursacher von Zwang und Leid, nicht aber ihre duldenden, wegschauenden, vertuschenden und offen ignorierenden, Beweismittel beseitigenden Vorgesetzten gerechnet werden. Dies haben wir in diesem Blog mehrfach angemerkt.
Entschuldigungen und pekuniärer Freikauf, wie sie jetzt in Holland als Wiedergutmachung vorgesehen sind, bieten keinen Ausweg. Unerträglich ist es, wenn nicht mehr im Amt befindliche, aber noch lebende Amtsträger den Medien zum Fraß vorgeworfen werden.
Täter beider Gruppen – die Oberen zuerst – müssen ermittelt und öffentlich erkennbar bestraft werden. (Die Reconciliation ist dabei natürlich, bei Erfüllung der Voraussetzungen, ein wichtiges Ziel; die Beibehaltung bzw. Beförderung in hohe und höhere Ämter wäre mit solcher Strafe hingegen unvereinbar.) Maßstab sei dabei das geltende kirchliche Recht.
Diese Art der Umkehr und Buße erwartet nicht nur die „Gesellschaft“, auch die katholischen Christgläubigen haben ein Recht darauf.
Und der Klerus, der sich jetzt vielfach einem Generalverdacht ausgesetzt sieht? Ob Studien hier wirklich hilfreich sein können, wird sich noch herausstellen müssen. Sie dürften wenig nutzen, wenn es bei der Aufspaltung des Täterprofils bleibt. Noch so gut gemeinte innerkirchliche Begründungen dürften nicht viel Motivation einbringen – zumal dann, wenn sie von verantwortlichen Projektleitern ohne kirchlichen Bezug öffentlich anderslautend kommentiert werden. Der Deetman-Report ist dafür ein trauriges Beispiel.
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20.12.2011 von dragonX6.
Nach dem für Libyen entwickelten Drehbuch der westlichen Mächte hätte der Bericht des UN-Menschenrechtsrates zur Lage in Syrien den Startschuss für eine militärische Intervention des Landes bieten sollen. Der Widerstand Russlands und Chinas im Welt-Sicherheitsrat (und die Vorlage eines eigenen Resolutionsentwurfes ohne militärisches Vorgehen und wirtschaftliche Sanktionen) sowie die unerwartete Widerständigkeit der syrischen Institutionen und großer Teile der Gesellschaft des Landes führten offensichtlich zu einer Neuorientierung der Strategie des Westens.
In den Medien wird die Rolle der Kirchen im Konfliktverlauf wenig beachtet; in diesem Blog soll sie zur Sprache gebracht werden. So machte der Moskauer orthodoxe Patriarch Kyrill I. – in Unterstützung der Politik seines Landes – im November seinen ersten Besuch in Syrien. Die Botschaft des Kirchenführers deckte sich mit der des Papstes und der Hierarchien des Landes: Gewaltverzicht, Dialog, keine militärische Intervention und keine die gesamte Gesellschaft belastenden Sanktionen.
Vor wenigen Tagen verabschiedeten die katholischen Bischöfe Syriens (Lateiner und Unierte) eine gemeinsame Plattform zur politischen Zukunft des Landes, die dann – nahezu wortidentisch – von den drei Patriarchen (syrisch-orthodox, melchitisch-katholisch, griechisch-orthodox) übernommen und vom päpstlichen Nuntius bekräftigt wurde:
Catholic patriarchs call for peace in Syria as Moscow puts pressure in the United Nations
Catholic patriarchs issue a press release on the country’s situation that differs from previous statements of unconditional support for the regime. Syrian media ignore a proposed Russian resolution in the UN Security Council to solve the crisis.

Ignatius Zakka I. Iwas, syrisch-orthodoxer Patriarch von Antiochien
Damascus (AsiaNews) – Syrian media have ignored so far a Russian proposal for a new resolution at the United Nations Security Council to find a solution to the country’s crisis. But the three patriarchs of Antioch (Syriac Orthodox, Melkite Greek Catholic and Greek Orthodox),
Gregorios III., melchitisch (katholischer) Patriarch von Antiochien
whose sees are in Damascus, and the Assembly of the Catholic hierarchy in Syria have expressed, in identical terms, their deep concern for the situation in Syria.

Ignatius Josef III., syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien
Russia has circulated a UN Security Council resolution aimed at resolving the crisis in Syria, in a move that surprised Western nations. The draft proposal condemns violence by Syria’s government and the opposition, but does not mention sanctions.

Erzbischof Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien
Western diplomats said the proposal was not tough enough but that they were prepared to work on the document. The latter includes a new reference to “disproportionate use of force by Syrian authorities” and urges the Syrian government to put an end to suppression of those exercising their rights to freedom of expression, peaceful assembly and association”.
Meeting yesterday in St Ephrem Monastery, residence of Ignatius Zakka I Iwas, Syriac-Orthodox patriarch, in Saidnaya, not far from Damascus, the three patriarchs signed a joint message, released to the faithful and all Syrian citizens.
Interestingly, the terms of the message, except for some grammatical differences, are identical to those of a press release issued a day earlier by the Assembly of the Catholic Hierarchy in Syria at the end of its regular session, the first in two years (although it should meet twice a year according to its own constitution).
The meeting was held at the headquarters of the Syriac Orthodox Archbishopric in Damascus, chaired by Melkite Greek Catholic Patriarch Gregorios III, with the participation of Syriac Catholic Patriarch Ignatius Yusuf III and Mgr Mario Zenari, apostolic nuncio to Syria.
At the start of their proceedings, the heads of the Churches sent a message to the pope to confirm their loyalty to and communion with the successor of Peter, and indicate that the meeting would not only focus on the outcome of the Special Assembly for the Middle East of the Synod of Bishops, and the preparation of the Synod on the new evangelisation, but would also look at the situation in Syria.
Their final communiqué on the current situation, picked up as far as Syria is concerned in the message of Ignatius Zakka I, Ignatius IV (Greek Orthodox) and Gregorios III, deserves to be cited in full because it goes against previous statements made by the same patriarchs and other prelates of unconditional support for President Bashar Al-Assad, whose name this time is not mentioned, even once.
“Among the topics that concern the most excellent Fathers, the main and most important one is what is happening in our beloved Syria, namely the events unleashed nine months ago,” the press release said. “The Fathers examined the events and what they have caused in the country and among the faithful: tragedies and sufferings on more than one level. They have expressed their deep sorrow for what has happened, their sadness for the fallen victims and their fear that the economic situation might get worse. They express a keen desire that Syria heal its wounds and that its children find reconciliation with love and tolerance, cooperation and wisdom, giving precedence to the national good above all other interests by going back to their roots, heritage, conscience and confidence in mutual exchanges to find a solution to their problems their own way.”
“The Fathers reject all foreign intervention of any kind and from any origin,” the statement says. “They call for an end to the sanctions imposed on Syria, whatever the pretext. Equally, they reject any recourse to violence in any form and appeal for peace and reconciliation of everyone in the name of God and the fatherland. They have encouraged the reforms and the steps undertaken by the government, demanding respect for the principles of justice, freedom, human dignity, social justice and the rights of citizens.”
“Finally, they have raised fervent prayers to God Almighty to have pity on the fallen, bring comfort to the hearts of those who are troubled, protect Syria and its leaders, guiding them to the shore of security, peace, sovereignty and prosperity. Hence, they call on everyone to pray incessantly so that fear may not take hold, and that hair may not fall from our heads unless it is the will of God, our celestial Father, as Christ the Lord taught us.”
Syria’s official news agency SANA, which had initially ignored the statement issued by the Catholic prelates, released a report Thursday evening in English and French and in Arabic on Friday morning summarising the message of the three patriarchs, insisting on their rejection of foreign intervention and their appeal for an end to sanctions against Syria.
AsiaNews-12/16/2011 14:01
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26.11.2011 von dragonX6.

Es ist still geworden um den vor jetzt 70 Jahren in Breslau abgestürzten deutschen Jagdflieger. Der Medienhype um seine „Entehrung“ ist selbst schon Geschichte. Mit den beiden Biografien von Horst Braatz und vor allem von Hermann Hagena, dem eine beachtliche Vertiefung von seitens des MGFA leichtfertig in Abrede gestellten Tatsachenerkenntnissen gelang, ist das Historische weithin ausgeleuchtet.
Stationen eines Lebens, das nur 28 Jahre dauerte: Halbwaise, Gruppenführer im katholischen Schülerbund „ Neudeutschland“, Offiziersausbildung im Heer der Reichswehr, Jagdflieger in der Luftwaffe, zuerst in Spanien – Legion Condor – dann an West- und Ostfront des Zweiten Weltkrieges.
Was hat die Person des Werner Mölders in das Gedächtnis so vieler Menschen eingegraben? Natürlich auch die propagandistische Vermarktung des „Flieger-Asses“ durch die damalige politische Führung (die sich darin nicht von der Praxis der übrigen kriegführenden Staaten unterschied); durch einen Heldenkult um das Ritterkreuz, mit dem sich das „neue Deutschland“ selbst feierte – im Gegensatz zu dem Glauben, dem der „NDer“ Mölders treu blieb. Und schließlich durch die untergründige Erkenntnis, dass dieser Fliegeroffizier weder PG noch vom Typ her „bewährter Kämpfer“ im Sinne der ehrabschneidenden Antifa-DDR-Kommunisten war.
Mölders war und blieb schlicht „anständig“, als andere sich dem Taumel des NS-Regimes oder dem Karrierismus einer (noch) siegreichen Armee hingaben. Er wollte einem – neuen – Deutschland dienen. Ahnungen, dass der NS-Staat diesen Motiven in keiner Weise entsprach, sind ihm wohl im Verlauf des Russlandfeldzuges verstärkt bewusst geworden. Sein Abschied von dieser Welt war ein wortloses Schulterzucken in der abstürzenden Maschine.

Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck hat sich in seinen „Memoiren“ in der Darstellung der „Mölders-Affäre“ ein Charakterbild geschaffen, das für sich spricht. Den Wert soldatischen Dienens und die davon abgeleitete Würde des Soldaten von politischen Zwecksetzungen des Einsatzes abhängig zu machen, wird einmal auf Struck selbst zurückfallen. Seine „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dürfte an moralischer Qualität den seinerzeitigen Spanieneinsatz damaliger deutscher Soldaten wohl nur bedingt übertreffen.
Auch die eher glücklosen Nachfolger Strucks haben die „Causa Mölders“ entweder als Petitesse rubriziert oder unter (partei-) taktischen Aspekten abgetan. Zumal von den beiden – wie man meinte - prononcierten Katholiken, die Struck nachfolgten, hätte man mehr erwarten dürfen. Ihr politisches Scheitern äußert sich auch in diesem Versagen.
Mölders´ Grab auf dem Berliner Invaliden-Friedhof spricht seine eigene, schlichte Sprache. Die Ehefrau der wenigen Monate, Luise Petzold-Mölders, hat den Gatten fast 70 Jahre überlebt; sie starb am 21.April 2011 im Alter von 98 Jahren im weit entfernten Starnberg. Auch ihre Stimme ist verstummt, ohne dass Mölders und seiner engagierten Frau Gerechtigkeit widerfahren wäre.

Beter scheinen eher seltene Besucher auf jenem Invalidenfriedhof zu sein. Was sollten sie Gott auch sagen – in der (abgelehnten) Vertretung der hier Ruhenden? (Minister de Maizieres Einladung zum Gebet selbst für den „terroristischen“ Gegner blieb selten unbestimmt.) Zeitgenössische (Soldaten-) Gebetbücher deutscher Zunge finden dazu ebenfalls keine Worte mehr. Einen möglichen Grund für dieses Schweigen hat vielleicht der berühmte Wehrmachtspilot und spätere Luftwaffeninspekteur Günther Rall benannt:
“…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.
Wie kann man dann beten? Im Judentum wird auch für die Gefallenen des Krieges das Kaddisch gesprochen, ein einziges Lob Gottes angesichts der Endlichkeit des Irdischen. Es macht nachdenklich, wenn neuerdings die hehren Kriegszwecke zum Inhalt solchen Betens werden.
Ein deutscher Soldat fand während des Krieges bei einem gefallenen Russen den folgenden Text:
Hörst du mich, mein Gott?
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so mit dir gesprochen…
Doch heute, heute will ich dir dafür danken.
Du weißt, seit meiner Kindheit hat man mir gesagt,
dass du nicht existierst.
Und ich habe es geglaubt. Ich war ein Narr.
Die Schönheit deiner Schöpfung tat sich nie vor mir auf.
Auch heute Nacht gebe ich dir Recht,
aus der Tiefe des in mir aufgerissenen Kraters,
über dem der Sternenhimmel glüht.
Staunend verstehe ich deine Nachricht….
Ich weiß nicht, mein Herr,
ob du deine Hand nach mir ausstreckst,
trotzdem möchte ich dir sagen,
und Du verstehst bestimmt:
es ist ein Wunder, dass inmitten der sichtbaren Hölle
mein Herz sich leicht anfühlt und
ich dich erkenne.
Was könnte ich sagen?
Nur das, dass ich glücklich war,
als ich dich erkannte.
Es ist sehr gut bei Dir zu sein …

Diese Worte haben auch heute auf dem Invalidenfriedhof ihren Platz und ihre Berechtigung. Auch am Grab von Werner Mölders.
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20.11.2011 von dragonX6.
Westliche Medien berichten unter Berufung auf den libyschen NTC, dass der Sohn und politische Nachfolger des abgesetzten und ermordeten „Rais“ Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam-al-Gaddafi (39) beim Versuch, nach Niger zu flüchten (wie es heißt), „gefasst“ worden sei.

Die Tatsache als solche wird von libysch-loyalistischen Quellen mit Fragezeichen versehen. Aber unbeschadet dieser Unsicherheit fällt – wieder einmal – die überstarke Tendenz der Medien auf, den führenden „Gegner“ des eigenen Lagers zu dämonisieren, zu kriminalisieren und in seiner Ehre als Kämpfer herabzusetzen. Wie der Vater, jetzt der Sohn und Hoffnungsträger seiner Anhänger. Dabei wird die Andersartigkeit der libyschen Kultur und Gesellschaft schlicht ignoriert.

So wird einfach behauptet, die Angehörigen des Gaddafi-Clans hätten sich feige abgesetzt (zu ihren angeblich in Sicherheit gebrachten Raubvermögen im Ausland). Das ist unrichtig. Die Männer, die im politischen Feld engagiert waren, sind bei der kämpfenden Truppe geblieben. Der grausame, ja schändliche Tod des „Rais“ und seines Offiziers-Sohnes Mutassim gewann diese Qualität nicht durch die Ermordeten, sondern durch die Mörder und ihre Hintermänner, die damit durchschaubare Motive verbanden.

Von Saif al-Islam war aus loyalistischen Kreisen und ihren Medien schon seit einiger Zeit bekannt, dass er die Führung eines Stämmebündnisses, insbesondere von Tuaregs, übernehmen wollte und zu diesem Zweck nach Niger strebte. Das hat mit (feiger) Flucht nichts zu tun. Auch kann man, wenn korrekte Maßstäbe angelegt würden, nicht davon reden, er sei – quasi wie ein flüchtiger Dieb – „gefasst“ worden. So wird die Führung der gegnerischen Kriegspartei noch während des Kampfes kriminalisiert, der sich nicht einseitig für beendet erklären lässt. „Gefangennahme“ ist etwas anderes. Die prompte Weigerung der neuen Machthaber, den Gaddafi-Sohn an den Gerichtshof in Den Haag zu überstellen, sondern – nach „islamischem Recht“ – selbst abzuurteilen, lässt Schlimmstes erwarten. Die Anklagen sind umfänglich.
Carl Schmitt, jener Rechts- und Staatsphilosoph, der das Politische grundsätzlich durch das Freund-Feind-Schema definiert sehen wollte, erfährt so in der Gegenwart eine krude Wiedergeburt, ja Verschärfung seines Denkens: Der politische und militärische Gegner wird als Feind nicht nur der physischen Vernichtung, sondern auch der Bestreitung der moralischen Existenz unterworfen.
Schmitt hat zu Unrecht behauptet, das biblische Gebot der Feindesliebe sei auf den persönlichen, privaten Bereich beschränkt. Ganz im Gegenteil verlangt die jesuanische Weisung „Liebe“ auch noch in der verwirklichten Feindschaft, die dann auch nie „total“ werden kann. Die Tür zu einem Friedens-Schluss bleibt so immer – zumindest einen kleinen Spalt breit – offen. Auch der Feind, dessen Selbstverständnis nicht nur nicht geteilt, sondern bekämpft wird, behält so seine Würde – auch kollektiv.
(Wenn für den Feind gebetet wird, genauer gesagt: gebetet würde, denn es geschieht ja nicht, dann doch nicht für den Sieg seiner „Sache“ oder seiner „Ideologie“, sondern um die Gnade Gottes, deren er nicht weniger bedarf als der Beter selbst – gerade bei der Anwendung kriegerischer Gewalt.)
Die traditionelle Kultur des Feindes zu ignorieren, ist politisch und militärisch dumm, sie als Ausdruck des Menschlichen zu leugnen, ist unwürdig.
Ein Zeugnis solcher Tradition, die ganz offenkundig an die nahezu in´s Mystische erhobene Gestalt des libyschen Naitonalhelden Omar Mukhtar anknüpft, findet sich in einem von den westlichen Medien völlig übergangenen Text, auch wenn dessen Authentizität von uns nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden kann:

Botschaft Saif al- Islam al-Gadaffis an das libysche Volk
(27. Oktober 2011)
„Ich versichere meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern, dass es mir gut geht. Wie alle, die mich kennen, wissen, konnte ich niemals meines Vaters Willen verraten, als er noch lebte. Wie könnte ich seinen Willen hintergehen, wenn sein Blut tot ist?
Den Getreuen des libyschen Volkes kann ich sagen, dass, falls wir hätten davon gehen wollen, dann wären wir fortgegangen, bevor dieser ganze Preis bezahlt wurde. Aber jetzt haben wir die Linie überschritten. Wir überschritten sie mit dem Blut, das geopfert wurde, das vergossen wurde, das Blut, mit dem die NATO-Ratten versuchen, mächtige Männer in die Knie zu zwingen, die außer Allah niemand in die Knie zwingen kann.

Manche Leute glauben, dass nun alles vorbei sei. Aber die Wahrheit ist, dass alles erst begonnen hat.
Ich war treu in der Verteidigung Libyens und nehme Rache an den Verrätern und Mördern, die der Welt ihr wahres Gesicht zeigten. Und auch wenn ich nicht ein Verfechter solcher Dinge bin: ihre Aktionen werden mich zwingen, mit aller Härte ihre Tage in Nächte zu verwandeln und ihre Nächte in die Hölle. Und ihnen Todesangst einzupflanzen, wo immer sie sind.
Ich werde kein Beileid akzeptieren, weder für meinen Vater noch meine Brüder, bis ich meine Mission beendet habe - und sollte es 50 Jahre dauern. Ich rufe die Leute, die an mich glauben, die mit mir die Liebe zu dem ehrenhaften Libyen teilen - und sie sind zahlreich, jene die mit mir das Gefühl teilen, eine Person aus ihrem Herzen verloren zu haben - und sie sind zahlreich, und die mit mir die Narben teilen, die Rache und die Pflicht zum Widerstand: ich rufe sie auf, nicht eine verlorene Krone, sondern das verlorene Libyen zurück zu holen, die verlorene Ehre wieder herzustellen.
Sie haben das Feuer angesteckt - und deshalb sollen sie brennen. Sie haben Blut vergossen, so lasst den Fluss aus Blut explodieren. Wir werden ihnen niemals Gnade gewähren.
Die NATO wird mit Sicherheit, auch wenn sie ihre Operationen nicht stoppt, nicht in der Lage sein, sie alle in ihren Häusern, in ihren Autos, bei ihren Feiern und an ihren Arbeitsplätzen zu schützen. Muammar al- Gaddafi hielt uns davon ab, sie zu verbrennen, wenn wir dazu in der Lage waren. Er hielt uns davon ab, die Ölquellen zu sprengen. Ich riet ihm, den Flughafen von Tripolis zu zerstören, bevor Tripolis fiel. Doch er lehnte das ab.
Doch wo ist bei ihnen einer, der uns vor ihnen schützt? Und wer von ihnen wird gnädig sein? Ich werde sie verbrennen, bis meine Mutter lächelt und bis sie zufrieden ist. Und bis (sc meine Schwester) Aisha feiert und ihr Herz glücklich ist, bis das Glück in jedes libysche Herz zurück kehrt, in das Sorgen gepflanzt wurden.

Sie sind nicht mutig und sie werden es niemals sein. doch (sc. mein Bruder) der Märtyrer Mutassim hat ihnen gezeigt, was Mut ist. Und die Brigade von Mutassim wird ihnen für wahr noch mehr zeigen.
Ich bin der Sohn meines Vaters, ich bin der Bruder von Al Mutassim und ich bin ein Sohn Libyens - ich bin einer von den Tausenden, über die die Narben und das Blut kamen. Wir würden nicht das Blut der Opfer von Libyen ehren, wenn wir nicht die Mörder verfolgen, überall, bis sich die Erde über ihnen schließt.”
Diese Sprache und eine Tradition der (Blut-) Rache kann nie Ausdruck einer christlichen Zivilisation sei. Sie zu überwinden, kann jedoch durch den Einsatz von Gewaltmitteln nie gelingen. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch ein solcher Gegner als Feind im Kriege die Zuerkennung von Respekt verdient.
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