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Und es geschieht in diesen Tagen……

  

…irgendwo in Syrien

Weihnachten ist dort angekommen, woher es stammt: in den Heiligen Ländern. So drückt es Patriarch Gregor Laham aus, wenn er vom Nahen Osten spricht. Gregor ist ein gebildeter, weltläufiger und weiser Mann, der den Platz seiner Gemeinden aus religiösen Gründen zwischen Damaskus und Kairo sieht. Seine Position im gegenwärtigen Konflikt um Syrien ist eindeutig.

 

Salz, Licht und Sauerteig

Ranghöchster Katholik im Nahen Osten wünscht sich Palästinenserstaat

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT spricht das Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche im Nahen Osten, Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien, über die Situation der Christen in der Region seit Beginn des „Arabischen Frühlings“.

Weitere Themen des Interviews, das in unserer Radioreihe „Weltkirche aktuell“ ausgestrahlt wurde, sind der Konflikt im Heiligen Land und die besonderen Beziehungen seiner Kirche zum Islam. Dabei plädiert der Patriarch unter anderem für einen eigenständigen Palästinenserstaat. Das Interview führte Volker Niggewöhner.

 

Eure Seligkeit, was ist die besondere Sendung der arabischsprachigen Christen im Nahen Osten?
Jesus ist in Palästina geboren, aber das Christentum wurde in den arabischen Ländern geboren – in Syrien, Libanon und Jordanien. All das sind heilige Länder für das Christentum. Darum ist es unsere Sendung, in diesen Ländern zu bleiben, um die Frohe Botschaft des Evangeliums Jesu Christi zu leben.

Sie leben eng mit den Muslimen zusammen und haben in einem Interview einmal gesagt, Sie seien „Die Kirche des Islam“. Wie war das gemeint?
Diese Aussage hat ein paar Leute schockiert. Ich hatte gesagt, dass wir die „Kirche der Araber“ sind. Aber weil die Araber überwiegend Moslems sind und wir in vorwiegend islamisch geprägten Ländern leben, habe ich hinzugefügt, dass wir die „Kirche des Islam“ sind, das bedeutet eine Kirche mit dem Islam, für den arabischen Raum.

Ich wollte damit die Zusammengehörigkeit von Christentum und Islam im Nahen Osten herausstreichen. Wir haben die Verantwortung, christliche Werte zu leben und den Muslimen unsere christliche Liebe zu zeigen. Papst Johannes Paul II. hat betont, dass es die Essenz von Kirche sei, für andere da zu sein. Darum sind wir die „Kirche des Islam“, denn wir sind auch für die Muslime da.

Die Christen leben schon seit Jahrhunderten im Nahen Osten, doch ihre Lage hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschlechtert. Warum?
Ich glaube, die Gründe dafür sind nicht religiöser Natur und daher auch nicht in dem Verhältnis zwischen Islam und Christentum zu suchen. Es hat vor allem politische und wirtschaftliche Gründe, dass inzwischen so viele Christen nach Europa und Amerika ausgewandert sind.

Es sind die sich ständig wiederholenden Krisen in unserer Region, vor allem der seit Jahrzehnten ungelöste Konflikt zwischen Israel und Palästina, der einen großen Schatten über die Christen des Nahen Ostens geworfen hat. Sobald wir den Konflikt zwischen Israel und den Arabern beilegen, wird die Region Ruhe finden und die Christen werden nicht länger auswandern.

Ist der Konflikt in Palästina auch der Auslöser für das Erstarken eines fundamentalistischen, politischen Islam, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet haben?
Der Islam war schon immer eine missionarische Religion. Aber wir Christen sind auch missionarisch! Wir sollten also von den Muslimen lernen, anstatt vor ihnen Angst zu haben. Wir sollten stärker in unserem Glauben verankert sein und ihn strahlend vortragen und leben.

„Wir leben seit Jahrzehnten in einem Krisengebiet”

Wie ist Ihre Haltung zu einem eigenständigen Palästinenserstaat?
Wir wünschen uns einen solchen Staat. Die Beschlüsse der Vereinten Nationen haben immer klar gesagt, dass es zwei Staaten geben muss: einen israelischen und einen palästinensischen. Die Europäer haben im September die Chance verpasst, Palästina anzuerkennen. Glauben Sie mir: Wenn Sie sich wünschen, dass es weiterhin Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten geben soll, müssen Sie mutig für die Anerkennung eines Staates Palästina eintreten.

 

 Weihnachten am Patriarchatssitz in Damaskus

 Wenn Sie das Problem zwischen Israel und Palästina auf diese Weise lösen, lösen Sie damit auf einen Schlag die meisten Probleme der Welt. Allen voran die Probleme zwischen Christen und Muslimen, die Probleme des islamischen Fundamentalismus und das Problem der Auswanderung von Christen aus den Ländern des Nahen Ostens.

Wir sind schon seit so vielen Jahrzehnten ein Krisengebiet, und nach jeder Krise gab es eine neue Auswanderungswelle. Nicht der Islam ist der Grund dafür, warum wir Christen auswandern. Der ungelöste Konflikt im Heiligen Land ist die Wurzel der meisten unserer Probleme.

Haben Sie die Hoffnung, dass aus den Revolutionen rund um den „Arabischen Frühling“ auch für die Christen etwas Gutes erwächst?
Jede schädliche Entwicklung im Nahen Osten stellt eine Gefahr für die ganze Welt dar. Die gegenwärtigen Revolutionen richten sich nicht gegen die Christen, auch wenn sie mancherorts unter den Auswirkungen der Revolutionen zu leiden haben. Wir Christen müssen im „Arabischen Frühling“ unsere Sendung und Rolle entdecken, indem wir mit unseren Landsleuten zusammenarbeiten. Unsere Rolle in diesen Revolutionen ist es, Salz, Licht und Sauerteig zu sein, indem wir die Menschen zum Dialog einladen.

Der Westen sollte nicht immer nur darauf drängen, dass die Regime gestürzt werden, sondern er sollte die bestehenden Regime dabei unterstützen, durchgreifende Reformen umzusetzen. Wir müssen gemeinsam eine Vision für unsere Länder entwickeln. Wir müssen von den Slogans profitieren, die man in den großen Städten des Nahen Ostens gehört hat.

Diese Forderungen und Aussagen haben das Zeug zu einer neuen „Charta“, einer neuen Rechtsordnung für alle Menschen im arabischen Raum. Die eingeforderten Rechte müssen nur an die Wirklichkeit in den arabischen Ländern angepasst werden. Das wäre die richtige Antwort auf diese Revolutionen, die sonst sehr gefährlich sind für alle Menschen im Nahen Osten.

Die Christen sind nicht mehr und nicht weniger von den Revolutionen bedroht als alle anderen. Selbst die Islamisten, die Muslimbrüder, Salafisten und wie sie alle heißen, werden verstehen, dass es gut für den Nahen Osten ist, wenn die Christen dort bleiben können. Denn sie sind ein Erbe der Pluralität in der islamischen Welt.

Was halten Sie für wahrscheinlicher: Dass in der Region Gottesstaaten nach iranischem Vorbild entstehen oder demokratische Staaten?

 

Das müssen wir abwarten. Ein Gottesstaat war immer der Traum und das Ziel der islamischen Religion. Auch wir Christen hatten solche Phasen in unserer Geschichte. Denken Sie nur an das Heilige Römische Reich. Die Idee ist also nicht neu.

Ich denke, selbst wenn Gottesstaaten entstehen sollten, sind diese keine Gefahr für uns Christen, denn wir halten stark an unserem Glauben fest. Wir leben schon seit Jahrhunderten mit dem Islam zusammen und haben daraus gelernt, wie wir mit seinen verschiedenen Strömungen leben können. Die Muslime haben ihrerseits verstanden, dass wir Christen im Nahen Osten einen besonderen Status haben.

Ein „Gottesstaat“ würde sich an der Scharia, der Rechtsordnung des Islam, ausrichten. Aber wenn man den Koran richtig versteht, ist die Scharia etwas, das nur den Moslem angeht. Der Koran sagt ganz klar, dass die islamische Religion nur für Muslime gilt. Die Christen haben „ihr eigenes Buch“, also auch eine Offenbarung.

Und so glaube ich, dass ein Gottesstaat nicht unbedingt eine Gefahr für die Christen darstellt. Gefährlich wird es, wenn die neuen Herrscher die Scharia anders auslegen. In vielen islamisch geprägten Ländern leben wir Christen seit langem in großer Freiheit. Wir dürfen in vielen Ländern unseren Glauben leben. Hin und wieder mit Einschränkungen, aber im Großen und Ganzen doch zufriedenstellend.

Sie sind als Patriarch auch Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche in Syrien: Besteht dort noch die Möglichkeit, den blutigen Konflikt durch Verhandlungen in vernünftige Bahnen zu lenken?
Die Fronten sind verhärtet, denn es gab viel Blutvergießen auf beiden Seiten. Aber ich möchte das Bild der Lage ein bisschen korrigieren. Man meint im Westen immer, nur Assads Truppen hätten Blut vergossen. Wir haben viele Kontakte in ganz Syrien, und es gibt katholische Gemeinden auch in den Brennpunktstädten der Aufstände. Daher kenne ich viele Beispiele und Berichte über Fälle, in denen die meisten Grausamkeiten und Morde von den Demonstranten ausgingen.

Wenn die Demonstranten mit Waffen auf Zivilisten und Sicherheitskräfte losgehen, dann muss der Staat seine Bürger und Soldaten schützen. Es ist auch nicht so, dass die Soldaten leichtfertig Menschen erschießen. Ich habe von vielen Staatsbeamten gehört, dass der Befehl nicht lautete, Demonstranten zu töten, sondern lediglich sich selbst und unbeteiligte Zivilisten zu verteidigen.

Was ich mir vom Westen wünsche, ist, dass man dort mehr von Dialog spricht und nicht einfach nur das Blutvergießen betont. Bitte helfen Sie allen Bürgern in Syrien, den Dialog zu beginnen, und geben Sie nicht nur einer Seite die Schuld an allem. Die Einladung zum Dialog an beide Seiten ist heute das Wichtigste.

Was hätten die Christen in Syrien von einem Regierungsumsturz zu erwarten?
Wir Christen sind syrische Bürger wie alle anderen auch. Ich würde unsere Situation im Vergleich zu unseren Mitbürgern nicht gesondert betrachten. Diese Konflikte spielen sich vor allem unter Muslimen ab. Sunniten und Alawiten haben in Syrien viel mehr Angst voreinander als es zwischen Muslimen und Christen der Fall ist. Diese Revolution ist kein Streit zwischen Christen und Moslems.

Im Gegenteil: Wir Christen sehen uns als Mittler, als Stimme für den Dialog und die Zusammenarbeit, Solidarität und Pluralismus. Wir sind neutral und haben Erfahrungen mit vielen Strömungen des Islam. Wenn die Regierung Assad, was ich nicht hoffe, stürzen wird, sind wir Bürger wie alle anderen auch. Wir hoffen, dass wir dank unserer reichen Erfahrung dann auch mit der neuen Situation zurechtkommen können.

Bei der Revolution in Ägypten sah man Christen und Muslime gemeinsam demonstrieren. Macht Ihnen das Hoffnung?
Natürlich. Ich muss aber auch betonen, dass die Situation in Ägypten eine ganz andere ist, als bei uns in Syrien. Wir hatten nie solche Ausschreitungen und Gewaltakte, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zwischen Kopten und Muslimen vorgekommen sind. In Syrien gab es nie wirkliche Probleme zwischen Christen und Muslimen.

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aus dem 15. Jh - Schüler aus der Werkstatt Albrecht Dürers

Allen Besuchern des DragonBlogs wünsche ich frohe, gesegnete Weihnachten und Frieden im Jahr 2012!

                                          Ihr Harald Oberhem

Katholische Kirche in der Missbrauchs-Falle

„Der Sturm ist noch nicht vorbei“ meinte Bernhard Jürgens von der KNA in seinem Kommentar zum Bericht der niederländischen Deetman-Kommission über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker in unserem Nachbarland. Er irrt fundamental. Wir haben schon vor Monaten hier die Auffassung vertreten: „Mit jedem neuen Missbrauchsfall vermag die Kampagne neu anzurollen“. Dass es sich – unbeschadet  des tatsächlichen Fallgeschehens – um eine Kampagne gegen die katholische Kirche handelt – kann nur bestreiten, wer blind, weltfremd oder als „Hirte“ bereits von Angststarre befallen ist.

Welcher Verallgemeinerungscharakter soll der Kirche der Niederlande zukommen? Jeder zeitgeschichtlich Erfahrene weiß, dass die Kirche Hollands schon vor dem Konzil auch spirituell-disziplinär in Europa eine Sonderrolle spielte: ultramontane Hörigkeit und calvinische Geistigkeit und Moral bildeten eine einzigartige Melange. Das wirkt, wenn man Deetmans Bericht liest, selbst nach post-konziliaren Chaos-Jahrzehnten immer noch nach. Insofern handelt es sich im vorliegenden Fall bei Studie und Untersuchungsgegenstand um Singuläres.

Warum dann aber ein weltweites Medienecho, über Holland hinaus –sei es in  Kanada, Costa Rica, Taiwan und Australien, um nur – was die bisherige Skandalisierung des vorgeblich spezifisch „katholischen“ Problems angeht, eher bisher randständige Länder zu nennen. Der Tenor überall derselbe: zigtausende von Opfern, aberhunderte von Tätern – z.T. immer noch im kirchlichen Dienst. Missbrauch: flächendeckend!

Das muss strukturelle Ursachen haben. Die in der WELT zu analysieren wird nicht etwa dem Springer-Hofberichterstatter in catholicis, Gernot Facius, sondern dem weiland Chaos-Kommunisten und bekennenden Atheisten Alan Posener übertragen. Sein Fazit: „Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche beschränken sich nicht auf wenige Länder. Das Problem liegt in der Struktur der Institution“. Es geht – so darf man das verstehen - letztlich darum, dass nach katholischem Glauben moralisch-ethische Prinzipien und Normen  einem objektiven Wahrheitsanspruch unterliegen, den zu wahren und zu hüten Aufgabe des kirchlichen Lehramtes ist. Benedikt XVI. wird nicht müde, diesen Anspruch zu verteidigen.

Der herrschende wirtschaftliche, politische und kulturelle Neo-Liberalismus kann das nicht akzeptieren. „Tradition“ mit ihrem Beharrungsanspruch – darin besteht die soziale Basis absoluter Moral - und das umfassende „Modernisierungs“-Postulat stehen sich unversöhnlich gegenüber, wobei Modernisierung bedeutet, alle Lebensbereiche uneingeschränkt den Marktmechanismen unterwerfen zu können.

 Die „absolute Moral“ – das ist denn auch der Topos, der dem Protestantismus die Erklärung der Nichtbetroffenheit erlaubt -wird nun dadurch de-legitimiert, dass ihre Verwalter als an ihrem Kern Gescheiterte entlarvt werden. Der Sache nach wird die aufklärerische Ideologie vom Priestertrug in neuem Gewande zum Einsatz gebracht. Nur umfassender, deutlicher, radikaler. Der missbrauchende „Pfaffe“ gilt nicht mehr als Sünder, sondern als Verbrecher. Warum aber – wieder und immer noch – durch Taten im Bereich der Sexualmoral? Weil sie de facto immer noch in der klerikalen, zölibatären Männerkirche als Nukleus jeder Art von Moralität gilt. „Die“ Kirche misst sich daran – und muss nun öffentlich eingestehen, daran gescheitert zu sein. Immer wieder neu. Eben flächendeckend.

Der Münchner Moraltheologe Konrad Hilpert hat zu Recht die Frage nach dem „systemischen“ Kontext der Moral der Missbrauchs-Kirche aufgeworfen. Die Unfähigkeit vieler Kleriker, Sexualität nicht nur verantwortlich, sondern auch „leib-gerecht“ zu leben, ist hier sicherlich zu bedenken. Nachdenklicher stimmt aber Hilperts Hinweis, dass sich die Ideologie dieser Art von (Sexual-) Moralität nur sehr verhalten ändern dürfte. Und zwar aus Gründen, die mit der inneren Struktur der kirchlichen Hierarchie zusammenhingen.

Dem ist wohl tatsächlich so. Es erklärte auch die – an sich, im sozialen Vergleich – seltsam anmutende Tatsache, dass unter die Missbrauchs-Täter nur die leiblichen Verursacher von Zwang und Leid, nicht aber ihre duldenden, wegschauenden, vertuschenden und offen ignorierenden, Beweismittel beseitigenden Vorgesetzten gerechnet werden. Dies haben wir in diesem Blog mehrfach angemerkt.

Entschuldigungen und pekuniärer Freikauf, wie sie jetzt in Holland als Wiedergutmachung vorgesehen sind, bieten keinen Ausweg. Unerträglich ist es, wenn nicht mehr im Amt befindliche, aber noch lebende Amtsträger den Medien zum Fraß vorgeworfen werden.

 

Täter beider Gruppen – die Oberen zuerst – müssen ermittelt und öffentlich erkennbar bestraft werden. (Die Reconciliation ist dabei natürlich, bei Erfüllung der Voraussetzungen, ein wichtiges Ziel; die Beibehaltung bzw. Beförderung in hohe und höhere Ämter wäre mit solcher Strafe hingegen unvereinbar.) Maßstab sei dabei das geltende kirchliche Recht.

 

Diese Art der Umkehr und Buße erwartet nicht nur die „Gesellschaft“, auch  die katholischen Christgläubigen haben ein Recht darauf.

Und der Klerus, der sich jetzt vielfach einem Generalverdacht ausgesetzt sieht? Ob Studien hier wirklich hilfreich sein können, wird sich noch herausstellen müssen. Sie dürften wenig nutzen, wenn es bei der Aufspaltung des Täterprofils bleibt. Noch so gut gemeinte innerkirchliche Begründungen dürften nicht viel Motivation einbringen – zumal dann, wenn sie von verantwortlichen Projektleitern ohne kirchlichen Bezug öffentlich anderslautend kommentiert werden. Der Deetman-Report ist dafür ein trauriges Beispiel.   

Syrien: Ökumene für den Frieden

Nach dem für Libyen entwickelten Drehbuch der westlichen Mächte hätte der Bericht des UN-Menschenrechtsrates zur Lage in Syrien den Startschuss für eine militärische Intervention des Landes bieten sollen. Der Widerstand Russlands und Chinas im Welt-Sicherheitsrat (und die Vorlage eines eigenen Resolutionsentwurfes ohne militärisches Vorgehen und wirtschaftliche Sanktionen) sowie die unerwartete Widerständigkeit der syrischen Institutionen und großer Teile der Gesellschaft des Landes führten offensichtlich zu einer Neuorientierung der Strategie des Westens.

In den Medien wird die Rolle der Kirchen im Konfliktverlauf wenig beachtet; in diesem Blog soll sie zur Sprache gebracht werden. So machte der Moskauer orthodoxe Patriarch Kyrill I. – in Unterstützung der Politik seines Landes – im November seinen ersten Besuch in Syrien. Die Botschaft des Kirchenführers deckte sich mit der des Papstes und der Hierarchien des Landes: Gewaltverzicht, Dialog, keine militärische Intervention und keine die gesamte Gesellschaft belastenden Sanktionen.

Vor wenigen Tagen verabschiedeten die katholischen Bischöfe Syriens (Lateiner und Unierte) eine gemeinsame Plattform zur politischen Zukunft des Landes, die dann – nahezu wortidentisch – von den drei Patriarchen (syrisch-orthodox, melchitisch-katholisch, griechisch-orthodox) übernommen und vom päpstlichen Nuntius bekräftigt wurde:

 

Catholic patriarchs call for peace in Syria as Moscow puts pressure in the United Nations

Catholic patriarchs issue a press release on the country’s situation that differs from previous statements of unconditional support for the regime. Syrian media ignore a proposed Russian resolution in the UN Security Council to solve the crisis.

Ignatius Zakka I. Iwas, syrisch-orthodoxer Patriarch von Antiochien 

Damascus (AsiaNews) – Syrian media have ignored so far a Russian proposal for a new resolution at the United Nations Security Council to find a solution to the country’s crisis. But the three patriarchs of Antioch (Syriac Orthodox, Melkite Greek Catholic and Greek Orthodox),

 

Gregorios III., melchitisch (katholischer) Patriarch von Antiochien 

whose sees are in Damascus, and the Assembly of the Catholic hierarchy in Syria have expressed, in identical terms, their deep concern for the situation in Syria.

 

Ignatius Josef III., syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien 

Russia has circulated a UN Security Council resolution aimed at resolving the crisis in Syria, in a move that surprised Western nations. The draft proposal condemns violence by Syria’s government and the opposition, but does not mention sanctions.

 

Erzbischof Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien 

Western diplomats said the proposal was not tough enough but that they were prepared to work on the document. The latter includes a new reference to “disproportionate use of force by Syrian authorities” and urges the Syrian government to put an end to suppression of those exercising their rights to freedom of expression, peaceful assembly and association”.

Meeting yesterday in St Ephrem Monastery, residence of Ignatius Zakka I Iwas, Syriac-Orthodox patriarch, in Saidnaya, not far from Damascus, the three patriarchs signed a joint message, released to the faithful and all Syrian citizens.

Interestingly, the terms of the message, except for some grammatical differences, are identical to those of a press release issued a day earlier by the Assembly of the Catholic Hierarchy in Syria at the end of its regular session, the first in two years (although it should meet twice a year according to its own constitution).

The meeting was held at the headquarters of the Syriac Orthodox Archbishopric in Damascus, chaired by Melkite Greek Catholic Patriarch Gregorios III, with the participation of Syriac Catholic Patriarch Ignatius Yusuf III and Mgr Mario Zenari, apostolic nuncio to Syria.

At the start of their proceedings, the heads of the Churches sent a message to the pope to confirm their loyalty to and communion with the successor of Peter, and indicate that the meeting would not only focus on the outcome of the Special Assembly for the Middle East of the Synod of Bishops, and the preparation of the Synod on the new evangelisation, but would also look at the situation in Syria.

Their final communiqué on the current situation, picked up as far as Syria is concerned in the message of Ignatius Zakka I, Ignatius IV (Greek Orthodox) and Gregorios III, deserves to be cited in full because it goes against previous statements made by the same patriarchs and other prelates of unconditional support for President Bashar Al-Assad, whose name this time is not mentioned, even once.

“Among the topics that concern the most excellent Fathers, the main and most important one is what is happening in our beloved Syria, namely the events unleashed nine months ago,” the press release said. “The Fathers examined the events and what they have caused in the country and among the faithful: tragedies and sufferings on more than one level. They have expressed their deep sorrow for what has happened, their sadness for the fallen victims and their fear that the economic situation might get worse. They express a keen desire that Syria heal its wounds and that its children find reconciliation with love and tolerance, cooperation and wisdom, giving precedence to the national good above all other interests by going back to their roots, heritage, conscience and confidence in mutual exchanges to find a solution to their problems their own way.”

“The Fathers reject all foreign intervention of any kind and from any origin,” the statement says. “They call for an end to the sanctions imposed on Syria, whatever the pretext. Equally, they reject any recourse to violence in any form and appeal for peace and reconciliation of everyone in the name of God and the fatherland. They have encouraged the reforms and the steps undertaken by the government, demanding respect for the principles of justice, freedom, human dignity, social justice and the rights of citizens.”

“Finally, they have raised fervent prayers to God Almighty to have pity on the fallen, bring comfort to the hearts of those who are troubled, protect Syria and its leaders, guiding them to the shore of security, peace, sovereignty and prosperity. Hence, they call on everyone to pray incessantly so that fear may not take hold, and that hair may not fall from our heads unless it is the will of God, our celestial Father, as Christ the Lord taught us.”

Syria’s official news agency SANA, which had initially ignored the statement issued by the Catholic prelates, released a report Thursday evening in English and French and in Arabic on Friday morning summarising the message of the three patriarchs, insisting on their rejection of foreign intervention and their appeal for an end to sanctions against Syria.

AsiaNews-12/16/2011 14:01

In piam memoriam Werner Mölders (18.03.1913-22.11.1941)

 Es ist still geworden um den vor jetzt 70 Jahren in Breslau abgestürzten deutschen Jagdflieger. Der Medienhype um seine „Entehrung“ ist selbst schon Geschichte. Mit den beiden Biografien von Horst Braatz und vor allem von Hermann Hagena, dem eine beachtliche Vertiefung von seitens des MGFA leichtfertig in Abrede gestellten Tatsachenerkenntnissen gelang, ist das Historische weithin ausgeleuchtet.

Stationen eines Lebens, das nur 28 Jahre dauerte: Halbwaise, Gruppenführer im katholischen Schülerbund „ Neudeutschland“, Offiziersausbildung im Heer der Reichswehr, Jagdflieger in der Luftwaffe, zuerst in Spanien – Legion Condor – dann an West- und Ostfront des Zweiten Weltkrieges.

Was hat die Person des Werner Mölders in das Gedächtnis so vieler Menschen eingegraben?  Natürlich auch die propagandistische Vermarktung des „Flieger-Asses“ durch die damalige politische Führung (die sich darin nicht von der Praxis der übrigen kriegführenden Staaten unterschied); durch einen Heldenkult um das Ritterkreuz, mit dem sich das „neue Deutschland“ selbst feierte – im Gegensatz zu dem Glauben, dem der „NDer“ Mölders treu blieb. Und schließlich durch die untergründige Erkenntnis, dass dieser Fliegeroffizier weder PG noch vom Typ her „bewährter Kämpfer“ im Sinne der ehrabschneidenden Antifa-DDR-Kommunisten war.

Mölders war und blieb schlicht „anständig“, als andere sich dem Taumel des NS-Regimes oder dem Karrierismus einer (noch) siegreichen Armee hingaben. Er wollte einem – neuen – Deutschland dienen. Ahnungen, dass der NS-Staat diesen Motiven in keiner Weise entsprach, sind ihm wohl im Verlauf des Russlandfeldzuges verstärkt bewusst geworden. Sein Abschied von dieser Welt war ein wortloses Schulterzucken in der abstürzenden Maschine.

   

Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck hat sich in seinen „Memoiren“ in der Darstellung der „Mölders-Affäre“ ein Charakterbild geschaffen, das für sich spricht. Den Wert soldatischen Dienens und die davon abgeleitete Würde des Soldaten von politischen Zwecksetzungen des Einsatzes abhängig zu machen, wird einmal auf Struck selbst zurückfallen. Seine „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dürfte an moralischer Qualität den seinerzeitigen Spanieneinsatz damaliger deutscher Soldaten wohl nur bedingt übertreffen.

Auch die eher glücklosen Nachfolger Strucks haben die „Causa Mölders“ entweder als Petitesse rubriziert oder unter (partei-) taktischen Aspekten abgetan. Zumal von den beiden – wie man meinte - prononcierten Katholiken, die Struck nachfolgten, hätte man mehr erwarten dürfen. Ihr politisches Scheitern äußert sich auch in diesem Versagen.

Mölders´ Grab auf dem Berliner Invaliden-Friedhof spricht seine eigene, schlichte Sprache. Die Ehefrau der wenigen Monate, Luise Petzold-Mölders, hat den Gatten fast 70 Jahre überlebt; sie starb am 21.April 2011 im Alter von 98 Jahren im weit entfernten Starnberg. Auch ihre Stimme ist verstummt, ohne dass Mölders und seiner engagierten Frau Gerechtigkeit widerfahren wäre.

  

Beter scheinen eher seltene Besucher auf jenem Invalidenfriedhof zu sein. Was sollten sie Gott auch sagen – in der (abgelehnten) Vertretung der hier Ruhenden? (Minister de Maizieres Einladung zum Gebet selbst für den „terroristischen“ Gegner blieb selten unbestimmt.) Zeitgenössische (Soldaten-) Gebetbücher deutscher Zunge finden dazu ebenfalls keine Worte mehr. Einen möglichen Grund für dieses Schweigen hat vielleicht der berühmte Wehrmachtspilot und spätere Luftwaffeninspekteur Günther Rall benannt:

…Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…”.

 Wie kann man  dann beten? Im Judentum wird auch für die Gefallenen des Krieges das Kaddisch gesprochen, ein einziges Lob Gottes angesichts der Endlichkeit des Irdischen. Es macht nachdenklich, wenn neuerdings die hehren Kriegszwecke zum Inhalt solchen Betens werden.

Ein deutscher Soldat fand während des Krieges bei einem gefallenen Russen den folgenden Text:

Hörst du mich, mein Gott?
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so mit dir gesprochen…
Doch heute, heute will ich dir dafür danken.
Du weißt, seit meiner Kindheit hat man mir gesagt,
dass du nicht existierst.
Und ich habe es geglaubt. Ich war ein Narr.
Die Schönheit deiner Schöpfung tat sich nie vor mir auf.
Auch heute Nacht gebe ich dir Recht,
aus der Tiefe des in mir aufgerissenen Kraters,
über dem der Sternenhimmel glüht.
Staunend verstehe ich deine Nachricht….
Ich weiß nicht, mein Herr,
ob du deine Hand nach mir ausstreckst,
trotzdem möchte ich dir sagen,
und Du verstehst bestimmt:
es ist ein Wunder, dass inmitten der sichtbaren Hölle
mein Herz sich leicht anfühlt und
ich dich erkenne.
Was könnte ich sagen?
Nur das, dass ich glücklich war,
als ich dich erkannte.
Es ist sehr gut bei Dir zu sein …

Diese Worte haben auch heute auf dem Invalidenfriedhof ihren Platz und ihre Berechtigung. Auch am Grab von Werner Mölders.

Ich aber sage euch: liebet eure Feinde! (Mt 5,44)

Westliche Medien berichten unter Berufung auf den libyschen NTC, dass der Sohn und politische Nachfolger des abgesetzten und ermordeten „Rais“ Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam-al-Gaddafi (39) beim Versuch, nach Niger zu flüchten (wie es heißt), „gefasst“ worden sei.

 

Die Tatsache als solche wird von libysch-loyalistischen Quellen mit Fragezeichen versehen. Aber unbeschadet dieser Unsicherheit fällt – wieder einmal – die überstarke Tendenz der Medien auf, den führenden „Gegner“ des eigenen Lagers zu dämonisieren, zu kriminalisieren und in seiner Ehre als Kämpfer herabzusetzen. Wie der Vater, jetzt der Sohn und Hoffnungsträger seiner Anhänger. Dabei wird die Andersartigkeit der libyschen Kultur und Gesellschaft schlicht ignoriert.

 

So wird einfach behauptet, die Angehörigen des Gaddafi-Clans hätten sich feige abgesetzt (zu ihren angeblich in Sicherheit gebrachten Raubvermögen im Ausland). Das ist unrichtig. Die Männer, die im politischen Feld engagiert waren, sind bei der kämpfenden Truppe geblieben. Der grausame, ja schändliche Tod des „Rais“ und seines Offiziers-Sohnes Mutassim gewann diese Qualität nicht durch die Ermordeten, sondern durch die Mörder und ihre Hintermänner, die damit durchschaubare Motive verbanden.

Von Saif al-Islam war aus loyalistischen Kreisen und ihren Medien schon seit einiger Zeit bekannt, dass er die Führung eines Stämmebündnisses, insbesondere von Tuaregs, übernehmen wollte und zu diesem Zweck nach Niger strebte. Das hat mit (feiger) Flucht nichts zu tun. Auch kann man, wenn korrekte Maßstäbe angelegt würden, nicht davon reden, er sei – quasi wie ein flüchtiger Dieb – „gefasst“ worden. So wird die Führung der gegnerischen Kriegspartei noch während des Kampfes kriminalisiert, der sich nicht einseitig für beendet erklären lässt. „Gefangennahme“ ist etwas anderes. Die prompte Weigerung der neuen Machthaber, den Gaddafi-Sohn an den Gerichtshof in Den Haag zu überstellen, sondern – nach „islamischem Recht“ – selbst abzuurteilen, lässt Schlimmstes erwarten. Die Anklagen sind umfänglich.

Carl Schmitt, jener Rechts- und Staatsphilosoph, der das Politische grundsätzlich durch das Freund-Feind-Schema definiert sehen wollte, erfährt so in der Gegenwart eine krude Wiedergeburt, ja Verschärfung seines Denkens: Der politische und militärische Gegner wird als Feind nicht nur der physischen Vernichtung, sondern auch der Bestreitung der moralischen Existenz unterworfen.

Schmitt hat zu Unrecht behauptet, das biblische Gebot der Feindesliebe sei auf den persönlichen, privaten Bereich beschränkt. Ganz im Gegenteil verlangt die jesuanische Weisung „Liebe“ auch noch in der verwirklichten Feindschaft, die dann auch nie „total“ werden kann. Die Tür zu einem Friedens-Schluss bleibt so immer – zumindest einen kleinen Spalt breit – offen. Auch der Feind, dessen Selbstverständnis nicht nur nicht geteilt, sondern bekämpft wird, behält so seine Würde – auch kollektiv.

(Wenn für den Feind gebetet wird, genauer gesagt: gebetet würde, denn es geschieht ja nicht, dann doch nicht für den Sieg seiner „Sache“ oder seiner „Ideologie“, sondern um die Gnade Gottes, deren er nicht weniger bedarf als der Beter selbst – gerade bei der Anwendung kriegerischer Gewalt.)

 

Die traditionelle Kultur des Feindes zu ignorieren, ist politisch und militärisch dumm, sie als Ausdruck des Menschlichen zu leugnen, ist unwürdig.

Ein Zeugnis solcher Tradition, die ganz offenkundig an die nahezu  in´s Mystische erhobene Gestalt des libyschen Naitonalhelden Omar Mukhtar anknüpft, findet sich in einem von den westlichen Medien völlig übergangenen Text, auch wenn dessen Authentizität von uns nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden kann:

 

 

Botschaft Saif al- Islam al-Gadaffis an das libysche Volk

(27. Oktober 2011)

 

„Ich versichere meiner Familie, meiner Mutter und meinen Geschwistern, dass es mir gut geht. Wie alle, die mich kennen,  wissen,    konnte ich niemals meines Vaters Willen verraten, als er noch lebte. Wie könnte ich seinen Willen hintergehen, wenn sein Blut tot ist?

Den Getreuen des libyschen Volkes kann ich sagen, dass, falls wir hätten davon gehen wollen, dann wären wir fortgegangen,  bevor  dieser ganze Preis bezahlt wurde. Aber jetzt haben wir die Linie überschritten. Wir überschritten sie mit dem Blut, das geopfert wurde, das vergossen wurde, das Blut, mit dem die NATO-Ratten versuchen, mächtige Männer in die Knie zu zwingen, die außer Allah niemand in die Knie zwingen kann.

 

Manche Leute glauben, dass nun alles vorbei sei. Aber die Wahrheit ist, dass  alles  erst begonnen hat.

Ich war treu in der Verteidigung Libyens und nehme Rache an den Verrätern und Mördern, die der Welt ihr wahres Gesicht zeigten. Und auch wenn ich nicht ein Verfechter solcher Dinge bin: ihre Aktionen werden mich zwingen, mit aller Härte ihre Tage in Nächte zu verwandeln und ihre Nächte in die Hölle.  Und ihnen Todesangst einzupflanzen, wo immer sie sind.

Ich werde kein Beileid akzeptieren, weder für meinen Vater noch meine Brüder, bis ich meine Mission beendet habe - und sollte es 50 Jahre dauern. Ich rufe die Leute, die an mich glauben, die mit mir die Liebe zu dem ehrenhaften Libyen teilen - und sie sind zahlreich, jene die mit mir das Gefühl teilen, eine Person aus ihrem Herzen verloren zu haben - und sie sind zahlreich,  und die mit mir die Narben teilen, die Rache und die Pflicht zum Widerstand: ich rufe sie auf, nicht eine verlorene Krone, sondern das verlorene Libyen zurück zu holen, die verlorene Ehre wieder herzustellen.

Sie haben das Feuer angesteckt - und deshalb sollen sie brennen. Sie haben Blut vergossen, so lasst den Fluss aus Blut explodieren. Wir werden ihnen niemals Gnade gewähren.

Die NATO wird mit Sicherheit, auch wenn sie ihre Operationen nicht stoppt, nicht in der Lage sein, sie alle in ihren Häusern, in ihren Autos, bei ihren Feiern und an ihren Arbeitsplätzen zu schützen. Muammar al- Gaddafi hielt uns davon ab, sie zu verbrennen, wenn wir dazu in der Lage waren. Er hielt uns davon ab, die Ölquellen zu sprengen. Ich riet ihm, den Flughafen von Tripolis zu zerstören, bevor Tripolis fiel. Doch er lehnte das ab.

Doch wo ist bei ihnen einer, der uns vor ihnen schützt? Und wer von ihnen wird gnädig sein? Ich werde sie verbrennen, bis meine Mutter lächelt und bis sie zufrieden ist. Und bis (sc meine Schwester) Aisha feiert und ihr Herz glücklich ist,  bis das Glück in jedes libysche Herz zurück kehrt, in das Sorgen gepflanzt wurden.

Sie sind nicht mutig und sie werden es niemals sein. doch (sc. mein Bruder) der Märtyrer Mutassim hat  ihnen gezeigt, was Mut ist. Und die Brigade von Mutassim wird ihnen für wahr noch mehr zeigen.

Ich bin der Sohn meines Vaters, ich bin der Bruder von Al Mutassim und ich bin ein Sohn Libyens - ich bin einer von den Tausenden, über die die Narben und das Blut kamen. Wir würden nicht das Blut der Opfer von Libyen ehren, wenn wir nicht die Mörder verfolgen, überall, bis sich die Erde über ihnen schließt.”

Diese Sprache und eine Tradition der (Blut-) Rache kann nie Ausdruck einer christlichen Zivilisation sei. Sie zu überwinden, kann jedoch durch den Einsatz von Gewaltmitteln nie gelingen. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch ein solcher Gegner als Feind im Kriege die Zuerkennung von Respekt verdient.

Europa – mehr Kriegsethik, bitte!

(Vorbemerkung: Dieser Blog fühlt sich ethischen und theologischen Aspekten und Fragestellungen verpflichtet. Der dabei unbedingt zu beachtende Grundsatz ist der der Interessenlosigkeit. Um in keine „klappernde“ Scholastik abzugleiten, ist es jedoch unerlässlich, einen empirischen Bezugsrahmen zu beschreiben, auf den hin das wertende Argument formuliert wird. Um eine solche „Skizze“ handelt es sich im Folgenden.)

Jean-Claude Juncker, Ministerpräsident von Luxemburg und Vorsitzender der Euro-Gruppe, der „föderalistische“ Europäer,

 

hat dem Bonner General-Anzeiger ein viel beachtetes Interview gegeben. Er spricht klug und präzise (er war schließlich 20 Jahre lang luxemburgischer Finanzminister und Gouverneur seines Landes bei der Weltbank) über die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise Europas. Dann fällt der Satz:

 

„In Deutschland wird oft so getan, als hätte das Land keine Probleme, als wäre Deutschland schuldenfrei und alle anderen hätten überhöhte Schulden. Ich halte die Höhe der deutschen Schulden für besorgniserregend. Deutschland hat höhere Schulden als Spanien. Nur will das hier keiner wissen. Es erscheint bequemer zu sagen, die Menschen im Süden wären faul und die Deutschen würden malochen. So ist das aber nicht.“

 

Es geht hier nicht um die Frage, ob die deutschen Bundesregierungen der letzten 25 Jahre den zugegebenermaßen beachtlichen luxemburgischen Standards der Haushalts- und Finanzpolitik gerecht wurden. Es geht um die – offen verschwiegenen – auch materiellen Kosten der deutschen Einheit, die die (alte) Bundesrepublik belasten. (Auch „Personen“ gehören zu diesen übernommenen Lasten.)

 

 

Ministerpräsident Junckers Heimatland hat seinen Wohlstand nach dem Ende von Kohle und Stahl als festländische Doublette der City of London gewonnen. Man suchte eine „Nischenstrategie“.  Die „Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie“, deren Einsatz maßgeblich zur jetzigen Krise geführt hat, wurden nicht zuletzt in Luxemburg konstruiert und optimiert. Der (das „Ausland“ treffende) Neo-Liberalismus des Finanz- und Bankenstandortes des Kleinstaates wurde auf Kosten Dritter ausgelebt.

 

Herr Juncker hat nachvollziehbare persönliche Gründe, der nach-rheinischen, quasi neo-preußischen deutschen Republik gram zu sein und die Einebnung ihrer politischen Macht zu wollen. Das hat nicht zuletzt mit der luxemburgischen Geschichte in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu tun. Ein Freund der Deutschen ist er nicht – trotz der zahlreichen Auszeichnungen, die ihm hierzulande zu teil wurden.

 

Schon vor über einem Jahr hat sich Juncker für die „Euro-Bonds“ eingesetzt, die vor allem Deutschland belasten würden. In der damaligen Situation meinte der (ehemalige) EU-Kommissar Günther Verheugen, man dürfe nicht vergessen, „dieses ganze Projekt europäische Einheit ist wegen Deutschland notwendig geworden. Es geht immer dabei darum, Deutschland einzubinden, damit es nicht zur Gefahr wird für andere….(Auch 65 Jahre nach Kriegsende) spielt das jeden Tag noch eine Rolle. Und die Art und Weise, wie Deutschland in Europa auftritt, wird anders beurteilt, als wie Luxemburg in Europa auftritt. Und das aus guten Gründen.“ http://www.blog-info.harald-oberhem.net/resources/Finanzkr-Verheugen-101209-ZDF.mp4

Wenn die Politik der Bundesrepublik, nach 66 Jahren demokratischer Läuterung, auf diese Weise der Instrumentierung politischer Pseudomoral im Dienste von Interessen anderer Staaten und Akteure zuarbeitet, handelt sie eindeutig „unethisch“. Völlig absurd wird solcher Moralismus, wenn dabei mehr oder weniger direkt unterstellt wird, von Deutschland gehe auch heute noch eine latente Kriegsgefahr aus. Kein anderer Staat Europas unterliegt einer völkerrechtlichen Truppenobergrenze seiner Streitkräfte, das atomare Privileg Britanniens und Frankreichs bleibt auch in Europa völlig unangetastet. Der jüngste Libyenfeldzug hat darüber hinaus gezeigt, welche europäischen Nationen kriegsbereit und –willig sind, wenn eigene Interessen es angebracht erscheinen lassen.

 

Politik realisiert Interessen, indirekt ab und zu auch mit ihnen verbundene  „Werte“.  Moralische Kategorien wie „Freundschaft“ und „Versöhnung“ stehen ebenfalls (weithin) im Dienste solcher Interessenwahrnehmung. Jeder politische Akteur muss, wenn er denn verantwortlich handeln will, diesem Zusammenhang gerecht werden.

In geschickter Weise folgt der Luxemburger Jean-Claude Juncker dieser Maxime. Im zitierten Interview weigert er sich – natürlich – ein Euroland zu benennen, das als nächstes mit einem Angriff der „Märkte“ rechnen müsse. Zeitgleich allerdings, quasi wie verabredet, setzt die Ratingagentur Moody´s

mehrere deutsche Landesbanken in ihrer Bonität herab, weil der deutsche Staat sie erforderlichenfalls nicht „retten“ könnte.

Honi soit qui mal y pense!“

 

 

Es ist an der Zeit, sich in den harten Auseinandersetzungen um Europas Finanz- und politisches System mehr an den tradierten Regeln der Kriegsethik denn einer verquasten „Polit-Moral“ zu orientieren.

Der KOMPASS – in aller Munde!

Endlich – ganz Deutschland, zumindest die Unions-Christen – spricht von IHM, dem KOMPASS. Mein erster Gedanke: herzlichen Glückwunsch, liebe KOMPASS-Redaktion –(Soldat in Welt und Kirche) - die Monatszeitschrift der Katholischen Militärseelsorge.

Auslöser war die Grundsatzrede der CDU-Bundesvorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Parteitag in Leipzig. 15 mal wurde der KOMPASS beschworen: als „festes Wertefundament“, als „Halt und Orientierung“, als „unabänderlich“, Inbegriff der „Grundwerte“ (mit seiner Hilfe „dienen.wir deutschland“ – eine Nation freiwilliger Wehrfreude. Glückwunsch, Lothar de Maiziere!).

Der Kompass „ist unveränderlich“, während die Zeiten sich verändern. Er – das „Wertefundament“ – bleibt. Er ist ein „fester KOMPASS“, ohne „dogmatisches Ideologieverständnis“ (Einheitssozialisten und Katholiken in einem Streich niedergemacht – unser KOMPASS!).

  

 Und schließlich besteht der KOMPASS in „unserem christlichen Menschenbild“ und manifestiert sich in den „Erfolgen der Vergangenheit“.

Kurz: der Weg ist das Ziel!

Bisher waren wir der Meinung, der Kompass sei ein schlichtes Instrument, um Ziele anzupeilen und damit zu helfen, Werte zu verwirklichen. Die Zeiten haben sich wohl geändert. Beim angerufenen KOMPASS handelt es sich offensichtlich um einen Kreiselkompass, dem zwar keine magnetischen Missweisungen unterlaufen, der aber bei schnellen Eigenbewegungen völlig versagt.

Also war doch nicht das Militär-Bistumsblatt gemeint. Gar nicht schlimm! Dem KOMPASS von Josef König und Mitstreitern ist zu wünschen, dass sie im Interesse von Soldat in Welt und Kirche festen Boden unter den Füßen behalten.

KOMPASS-Redaktion (v.r.: Josef König, Jörg Volpers, Barbara Ogrinz) (Foto:KMBA/Eggen)

Volkstrauertag: Mein „unbekannter Soldat“

   

Seit über 20 Jahren, in denen ich regelmäßig nach Fulda komme – in der Zeit von Militärbischof Johannes Dyba mehrmals im Jahr- , besuche ich jedes Mal hinter der ehrwürdigen Abtei- und heutigen Domkirche, im Hof des Priesterseminars,  das Grab eines mir immer noch unbekannten Soldaten. Er liegt dort als 20jähriger Gefreiter, gefallen am 1. April 1945, in einer Begräbnisstätte, wie sie ursprünglich für die Soldaten der Wehrmacht vorgesehen war.

Was hat diesen jungen Menschen, der sich kaum um das Nazireich besondere Verdienste erworben haben kann, hierhin verschlagen? Warum musste er wenige Tage vor dem Zusammenbruch noch sein Leben verlieren? Wofür glaubte er kämpfen zu sollen? Fragen, die sich heute vielleicht ebenso wenig beantworten lassen wie damals.

Franz Matezik, dem Namen nach wohl österreichischer Herkunft, hat dennoch Glück gehabt. Er ruht bis zum Tag der fröhlichen Auferstehung in der auch geistigen Mitte Deutschlands, nahe bei dessen Apostel und geistlichen Vater Bonifatius. Sein Opfer-Status ist klar: er verlor sein Leben – und wir wissen nicht warum. Die Kirche gibt ihm Heimat, ohne selbst einen tieferen Sinn seines Todes ergründen zu können.

Die Presse des Landes hat in diesem Jahr kaum ein Wort zum Volkstrauertag gefunden; ein vorgebliches Scandalum wurde mit Getöse angeschoben. Nur in der Provinz,  in der die kriegstoten Soldaten oft, in Stein gemeißelt, noch „Helden“ oder „Krieger“ heißen, sprechen die Redner – immer öfter die Pastoren – von Gewalt und Krieg (man beachte die Reihenfolge!), die doch überwunden werden müssten – endlich!

 

  Von “Freiheitskämpfern” in Sirte ermordete (gefangene) libysche Regierungssoldaten

Welche Scheinheiligkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten, zumal der GRÜNEN unter ihnen: Sehen sie die ungezählten Opfer der Menschenrechts-Kämpfer, die von ihnen gezogene Blutspur, nicht? (In Libyen schätzt man zwischen 30.000 und 100.000 „Opfer“.)

Es ist der Krieg, der uns nicht selber trifft, der uns alle in – nennen wir es nur beim Namen – in desinteressierter Distanz verharren lässt, ohne dass Herz und Seele ergriffen würden.

Worum dann also trauern?

 

Die Gefallenen der Bundeswehr sind in gewisser Weise „Opfer“ dieses Sachverhalts. Selbst der Bundespräsident hat ihnen in seiner diesjährigen Ansprache im Bundestag diesen anonym-sinnstiftenden Status  aberkannt. Wie ihre Vorgänger, die deutschen Soldaten der Weltkriege, „starben“ sie, „verloren sie ihr Leben“. Kein Dank des Vaterlandes; man kann auch nicht – wie im Vorjahr – erneut eine Gefechtsmedaille stiften. Die Tröstungsaufgabe wurde diesmal an den Generalinspekteur am Ehrenmal der Bundeswehr delegiert.

Die Politik wendet sich – so Bundespräsident Wulff – gegen Gewalt und Krieg (!), sie hofft auf Versöhnung, trägt und übernimmt Verantwortung für den Frieden.

Zum „Opfer“ wird, wer auf diesem Weg einen Preis zahlen muss.

 

Mein „unbekannter Soldat“ hat auch darum Glück, weil er sich weder Heldentod noch die Hingabe an höchste Ziele zusprechen lassen muss, die allesamt mehr mit Gewalt zu tun haben, als Redner zu bedenken oder auszusprechen vermögen. Seine Leiden und die der Seinen, die weithin nicht mehr dieser Welt angehören dürften, sind ausgestanden. Es bleibt ihm der Friede des behüteten Grabes und die Erwartung der Ewigkeit.

 

Harald Oberhem

Warschau: Gemeinsames Totengedenken in Militär-Kathedrale

Warschau/Berlin, 14.11.2011: Zum zweiten Mal fand auf Einladung des polnischen Militärordinariats in der Kathedrale des katholischen Feldbischofs ein ökumenisches Totengedenken statt. An dem Gottesdienst nahmen neben dem deutschen Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch, einem Unterstaatssekretär des polnischen Verteidigungsministeriums, polnischen Militärgeistlichen beider Konfessionen, Soldaten der polnischen Streitkräfte sowie der Bundeswehr katholische Gläubige der Hauptstadt teil.

  

Die Kranzniederlegung, fand – wie das Militärordinariat in einer Pressemeldung mitteilte – in der Luftwaffenkapelle der Basilika statt, in der auch der im April 2010 zusammen mit Staatspräsident Lech Kaczynski tödlich verunglückte polnische Feldbischof Tadeusz Ploski bestattet ist. Ploski hatte sich sehr um die Beziehungen zwischen der polnischen und der deutschen Militärseelsorge verdient gemacht.

Das Gedenken galt ausdrücklich den gefallenen deutschen und polnischen Soldaten beider Weltkriege (in denen hunderttausende Polen auch auf deutscher Seite gekämpft hatten) sowie den Gefallenen beider Länder in Afghanistan.

    

  Erklärungsbedürftig erschien, wie aus dem Text des Militärordinariats hervorgeht, der besondere Charakter des deutschen „Volkstrauertages“ („Dzien Żałoby Narodowej“),  für den es in Polen keine direkte Entsprechung gibt. Hier wird, wie in den übrigen Ländern der ehemals verbündeten westlichen Staaten, am Nationalfeiertag der Gefallenen gedacht.

Zum Tod von Gaddafi: „Ein tragisches Ende, über das man sich nicht freuen sollte: nun muss man sich für den Aufbau von Frieden und Einklang einsetzen“

Tripolis (Fidesdienst) – „Angesichts des gewaltsamen Todes eines Menschen sollten stets die Gefühle des christlichen und menschlichen Erbarmens im Vordergrund stehen. Man sollte sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat.“, so der Apostolische Nuntius in Libyen und Malta, Erzbischof Tommaso Caputo, in einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt.

           
„In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“, so der Apostolische Nuntius.

In einer Verlautbarung des Heiligen Stuhls heißt es zum Tod von Gaddafi, „nun ist zu wünschen, dass der libyschen Bevölkerung weitere Gewalt erspart bleibt, die von einem Geist der Rache herrührt und die neuen Regiernden bald möglichst die notwendige Arbeit bei der Befriedung und beim Wiederaufbau beginnen können … auf der Grundlage des Rechts und der Gerechtigkeit. Die internationale Gemeinschaft sollte sich großzügig an der Wiederaufbauarbeit im Land beteiligen“

„Die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen“, heißt es in der Verlautbarung weiter, „wird weiterhin Zeugnis ablegen und einen uneigennützigen Beitrag für die libysche Bevölkerung leisten, mit den Mitteln, die ihr im Bereich der internationalen Beziehungen im Geist der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden zur Verfügung stehen“.

Im Hinblick auf die Praxis des Heiligen Stuhls bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen heißt es in der Verlautbarung, dass der Nationale Übergangsrat, „ihr Amt als Regierung in Tripolis angetreten hat und der Heilige Stuhl diesen als legitime Vertretung des libyschen Volkes betrachtet, wie es dem internationalen Recht entspricht“. Mit Bezug auf die verschiedenen Treffen zwischen Vertretern des Heiligen Stuhls und des Übergangsrates heißt es abschließend: „Bei diesen verschiedenen Treffen betonten beide Seiten die Wichtigkeit der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Libyen. Der Heilige Stuhl versicherte die libysche Bevölkerung der eigenen Unterstützung während der Zeit des Übergangs und wünschte den neuen Behörden Erfolg im Bemühen um den Wiederaufbau des Landes. Die Verantwortlichen des neuen Libyen haben ihrerseit die eigene Wertschätzung im Hinblick auf die Appelle des Papstes und das Engagement der Kirche in Libyen zum Ausdruck gebracht, insbesodere durch den Dienst in den Krankenhäusern und Hilfseinrichtung der 13 verschiedenen Schwesterngemeinschaften.“ (LM)

Fidesdienst -111021

Arabellion: „Keine Freude über Tod Gaddafis“



Der Vatikan hofft, dass dem libyschen Volk nach dem Tod von Diktator Muammar al-Gaddafi neue Gewalt, weitere Leiden und Rache erspart bleiben. In einer offiziellen Erklärung vom Donnerstagabend heißt es, man erwarte, dass die neue Regierung möglichst bald zum Frieden und zu einem Neuaufbau des Landes beitrage, und das auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit. Der Vatikan betrachtet den Übergangsrat als legitime Vertretung Libyens; er spricht allerdings keine formelle Anerkennung aus, weil er in der Regel „Staaten anerkennt und nicht Regierungen“. Das Statement spricht von der Hoffnung des Vatikans, dass die internationale Gemeinschaft großzügig beim Aufbau des Landes helfe.

„Wenn ein Mensch stirbt, sollten immer Gefühle christlichen und menschlichen Erbarmens die Oberhand haben.“ Das sagt uns in einer ersten Stellungnahme der Botschafter des Papstes für Libyen, Erzbischof Tommaso Caputo, der auf Malta residiert und zu Monatsbeginn in Tripolis war, wo er unter anderem mit dem Übergangsrat gesprochen hat.

Vatikan: Übergangsrat ist legitime Vertretung der Libyer

„Man kann sich nicht über einen solchen Epilog freuen. Der Tod von Oberst Gaddafi ist Teil eines Konflikts, der einige Zeit gedauert und viele Menschenleben gefordert hat. In diesem Moment sollte sich auf allen Seiten die Entschlossenheit breitmachen, dem Land wirklich neue Zeiten aufzuschließen, im Zeichen einer wiedergefundenen sozialen Einheit. Und wenn man jetzt Hand an den Wiederaufbau und an die innere Versöhnung legt, dann könnte das schon eine einmalige und unwiederbringliche Möglichkeit sein. Die Voraussetzungen für einen ausgewogenen sozialen Fortschritt sind soziale Gerechtigkeit und Respekt vor jeder Person.“

Mit Gaddafis Tod endet, wie das Statement des Vatikans urteilt, eine „lange und tragische Phase des blutigen Kampfes zur Niederschlagung eines harten und unterdrückerischen Regimes“. Das dramatische Ereignis lasse erneut über den Preis des enormen menschlichen Leidens unter einem Regime nachdenken, das nicht dem Respekt vor der Menschenwürde, sondern nur der Macht Rechnung trage. Der Vatikan versichert, dass die kleine katholische Gemeinschaft in Libyen weiterhin uneigennützig ihren Beitrag für die Bevölkerung leisten werde, vor allem im karitativen Bereich und im Gesundheitswesen. Nuntius Caputo:

„In den letzten vier Jahren hatte ich als Vertreter des Papstes in Libyen viel Kontakt zu der dortigen Bevölkerung, ich habe vor allem unsere Ordensfrauen besucht, die in sechzehn staatlichen Gesundheitseinrichtungen in der Cyrenaika sowie im Großraum Tripolis arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die Libyer Frieden und Eintracht wollen, und das lässt eigentlich hoffen für die Zukunft!“

„Osservatore Romano“: Chaos in Libyen vermeiden

Der Präsident des Päpstlichen Friedensrates, Kardinal Peter Turkson, gibt zu erkennen, dass er den Gang Gaddafis ins Exil bevorzugt hätte. „Die Kirche will immer die Bekehrung der Person“, so der Kardinal. „Er hätte doch ins Exil gehen und dort nachdenken und für alles Getane um Entschuldigung bitten können.“ Es tue ihm Leid, dass Gaddafi stattdessen „bis zum Ende kämpfen wollte“ und „so endete“. Mit Blick auf die Länder des „Arabischen Frühlings“ meint Turkson, mit der Befreiung „gewissen Führungsgestalten“ sei es nicht getan. Jetzt gehe es „um Freiheit für alle“, auch für die christlichen Minderheiten.

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ruft zum Gebet für Libyen auf. Zu Journalisten sagte er in Rom, er hoffe auf „Versöhnung und Demokratie im Land“. Alle Kräfte Libyens sollten „beim Wiederaufbau beteiligt werden“, so der engste Mitarbeiter des Papstes.

Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ hofft jetzt auf eine schnelle Lösung der politischen Differenzen im Nationalen Übergangsrat. Das schreibt sie in einem Artikel auf ihrer Titelseite. Der Fall von Sirte könne ein Ende des Krieges bedeuten. Doch der Präsident des Übergangsrates, Mahmud Jibril, habe die Befürchtung geäußert, die Situation im Land könnte sich hin zu einem politischen Kampf entwickeln, dessen Regeln nicht klar definiert seien und der das Land „rasch in ein Chaos stürzen“ könnte, so die Vatikanzeitung.

Bischof in Bengasi: „Christen nicht in Gefahr“

Sylvester Carmel Magro ist Päpstlicher Vikar für Bengasi. Der Bischof sagte uns an diesem Freitagmorgen:

              

„Wir hätten nicht gedacht, dass das Ende so nahe sein würde. Auf einmal hörten wir Schüsse in der ganzen Stadt, und da haben wir erraten, dass etwas Derartiges geschehen war. An diesem Freitag ist es in Bengasi sehr ruhig, weil Feiertag ist und weil viele Menschen am Donnerstag Abend noch sehr spät gefeiert haben. Wir Christen fühlen mit den Muslimen im Land, dass es hier einen großen Bedarf an Versöhnung gibt und an einer Rückkehr zu einem Nationalgefühl. Wir beten für die neuen Verantwortlichen des Landes. Ob Gaddafis Tod die endgültige Wende für Libyen bedeutet? Das zu sagen, ist jetzt noch zu früh.“

Immerhin ist Magro zuversichtlich, was das Schicksal der Christen in Libyen betrifft. Sie sind in der Regel Ausländer, die in Libyen arbeiten, und riskieren aus der Sicht des Bischofs keinen Rauswurf aus dem neuen Libyen. „Ich glaube nicht; sie brauchen Arbeitskräfte aus dem Ausland. Hoffen wir, dass wir auch künftig – wie bisher – die Freiheit haben, unseren Glauben zu leben.“

rv/div 21.10.2011 sk

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P.S.

 Es ist verwunderlich, wie bruchlos sich “der Vatikan” der allgemeinen Position “des Westens” anpasst. Wer die Texte unvoreingenommen liest, sieht die von uns schon früher vorgenommene Interpretation bestätigt. Ist das die Kirche des II. Vat. Konzils, die die Freude und Hoffnung der Menschen (”Gaudium et spes”) teilt und sich darum als Dienerin an Gerechtigkeit und Frieden versteht und in das Leben der Menschheit einbringt? Sind die Aufforderungen Papst Benedikt XVI. an die libyschen Streitparteien (und die NATO) vergessen, wieder zum Dialog zurückzufinden und den bewaffneten Kampf umgehend einzustellen ? Gaddafi signalisierte Bereitschaft dazu - die Gegenseite lehnte wiederholt ab. “Regime Change” setzte unconditional surrender voraus, was aus innerer Logik die jetzige Ermordung des Symbols des “anderen” Libyens zur Folge hatte. Denn Gaddafi blieb sich treu. R.i.P.

 Wie soll das Land unter solchen Voraussetzungen inneren Frieden finden?

H.O.